Frontalangriff von Orange auf Swisscom im UMTS-Business

18. August 2005, 13:09
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500 Millionen Franken investiert, aber Live-TV im Ausland und Skype gehen nicht.

500 Millionen Franken investiert, aber Live-TV im Ausland und Skype gehen nicht.
Orange hat heute in Zürich sein neues UMTS-Angebot vorgestellt. Bis Ende 2006 will der Mobilfunkanbieter zum führenden UMTS-Anbieter in der Schweiz avancieren. Nach Angaben von CEO Andreas S. Wetter hat Orange 500 Millionen Franken in UMTS investiert. Ab 5. September startet die Tochter der France Télécom mit zwei verschiedenen Datenkarten für Notebooks. Die "Option GlobeTrotter Fusion" verfügt über die Übertragungsstandards UMTS, WLAN und GPRS. Die "Novatel Wireless Merlin U530" hat hingegen nur UMTS und GPRS. Diese Karte eignet sich für Notebooks mit bereits integrierter WLAN-Funktion. Die Preise sind dementsprechend unterschiedlich.
Datenkarten
Die "Option GlobeTrotter Fusion" mit WLAN kostet 649 Franken im "Data Flex"-Abonnement. Bei diesem Abo bezahlt man 50 Rappen pro WLAN-Minute und 2 Franken 50 pro UMTS/GPRS-Megabyte. Die Grundgebühr entfällt. Im "Data Flat"-Abonnement kostet die Karte 249 Franken (1 Jahr) oder 149 Franken (2 Jahre) und man kann (fast) unbegrenzt surfen. Mit WLAN kann man 2000 Minuten lang surfen und mit UMTS/GPRS kann man bis zu 2 Gigabyte Daten herunterladen. Die Grundgebühr beträgt 49 Franken. Damit sinken auch bei Orange (Monzoon) die bisher absurd hohen Preise für den Internetzugang über öffentliche drahtlose Netzwerke (Hotspots).
Die "Novatel Wireless Merlin U530" ohne WLAN kostet mit "Data Flex"-Abo 449 Franken und im "Data Flat"-Abo 99 Franken für 1 Jahr und 1 Franken für 2 Jahre. Grundgebühr, Minuten- und Megabyte-Preise sind gleich wie bei der "Option GlobeTrotter Fusion". Orange sieht sein UMTS-Angebot ganz klar als ADSL-Ersatz. Wenn man Preise und Datenmenge vergleicht, ist UMTS durchaus eine Alternative. Mit UMTS hat man eine Bandbreite von 384 Kbit/s down und 128 Kbit/s up. Interessant ist, dass Orange sagt, UMTS eigne sich nicht für Skype (Internet-Telefonie). Angeblich weil Skype noch nicht eine angemessene Qualität zu Stand gebracht habe.
Live-TV nur in der Schweiz
Gleichzeitig bringt Orange vier Mobiltelefone mit UMTS-Funktion. Dabei handelt es sich um die beiden Business-Handys Motorola A1000 und Nokia 6680, und die Entertainment-Handys Samsung Z500 und SonyEricsson K600i. Später sollen noch andere Geräte angeboten werden, wie zum Beispiel das SPV M5000 PDA-Smartphone, das als Mini-Laptop gilt und Anfang Oktober lanciert werden soll.
Orange wird auch Live-TV anbieten. Fast die Hälfte aller UMTS-Kunden ist laut Orange an mobiles Fernsehen interessiert. So startet Orange mit 30 Sendern; deutschsprachige, italienische, französische und englische. Man bezahlt 1 Franken 50 für 1 Stunde, 4 Franken für 24 Stunden oder 16 Franken für einen Monat. Verglichen mit der Konkurrenz liegen die Preise im Rahmen. Live-TV ist aus "roaming-technischen" Gründen im Ausland aber nicht möglich.
Kleines, gutes Netz
Orange will bei der UMTS-Netzabdeckung auf Qualität fokussieren. Deshalb sollen zuerst 25 "Stadt- und Tourismusgebiete" bis Ende Jahr vollständig abgedeckt werden und erst danach die ländlichen Gebiete. Ab 5. September ist UMTS in Adelboden, Basel, Bellinzona, Bern, Biel, Chur, Genf, Lausanne, Lugano, Schaffhausen, Solothurn, St. Gallen, Winterthur und Zürich möglich. Bis Ende Jahr kommen die Gebiete Aarau, Baden-Wettingen, Davos, Interlaken, Luzern, Morges, Neuchâtel, St. Moritz, Thun, Yverdon und Zug hinzu.
Vereinzelt ist UMTS aber auch ausserhalb der ersten 25 Städte und Agglomerationen möglich. Gemäss BAKOM verfügt Orange über 70 Prozent UMTS-Abdeckung in der Schweiz. Der Datendurchsatz sei jedoch wichtiger als die geographische Abdeckung, meinte Wetter.
Was kommt noch?
Höhnisch betonte Wetter, dass Swisscom und Sunrise im Mobilbereich weniger verdienten, während Orange in diesem Bereich sehr stark sei. Allerdings sind von Orange keine vergleichbaren Zahlen bekannt und Swisscom wuchs im Bereich "Mobile" um 1 Prozent.
In naher Zukunft wird Orange auch "video on demand" (Streaming und Download) anbieten. Im November soll dieser Dienst für Musik zur Verfügung stehen. Was die EDGE-Technologie angeht, sagte Wetter, dass sie dort eingesetzt werde, wo es Sinn mache. (Maurizio Minetti)

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