"Früher waren Bitcoins etwas für Hacker und Computer-Nerds. Heute bezahlen Hipster ihre Drinks damit"

6. August 2014, 11:33
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Studie der ETH zeigt: Bitcoin-Preis schwankt als Folge von Internet-Anfragen.

Studie der ETH zeigt: Bitcoin-Preis schwankt als Folge von Internet-Anfragen.
Die einstige Hackerwährung ist hip geworden: "Bitcoin accepted", heisst es heute in vielen Geschäften im Ausland und einigen im Inland. Die digitale Währung ist auch Thema einer neuen Studie der ETH Zürich - sie findet Zusammenhänge der enormen Preisschwankungen mit den sozialen Medien.
"Früher waren Bitcoins etwas für Hacker und Computer-Nerds. Heute bezahlen Hipster ihre Drinks damit", sagt Hauptautor David Garcia, Postdoktorand an der Professur für Systemgestaltung der ETH Zürich, gemäss einer Mitteilung der Hochschule.
Von sich reden machte der Bitcoin in jüngster Zeit vor allem wegen enormen Preisschwankungen. Kostete bei seiner Einführung 2008 ein Bitcoin 6 US-Cent, lag der Preis Ende 2013 bei über 1000 Dollar. Garcia interessiert sich dafür, wie diese Preisblasen zustande kommen.
Märkte besser verstehen
"Mit digitalen Währungen können wir Aspekte der Ökonomie beobachten, die wir mit Bargeld nicht in den Blick bekamen", sagte Garcias Kollege und Mitautor Nicolas Perony. "Dadurch verstehen wir besser, wie Märkte tatsächlich funktionieren." Dazu nutzen die Forscher die Tatsache, dass sämtliche Daten zu jemals mit Bitcoin getätigten Transaktionen in anonymisierter Form auf dem Internet verfügbar sind.
Die Idee zu der Studie kam ihnen, weil die Währung eine enorme, 50'000-fache Marktwertsteigerung in nur dreieinhalb Jahren erfuhr. Im gleichen Zeitraum wuchsen die Google-Suchanfragen nach Bitcoin um 10'000 Prozent. Das Internet - respektive soziale Aspekte der Nutzer - schien der Treiber der Wertsteigerung zu sein.
Diese Hypothese testeten die Forscher, indem sie sämtliche Anfragen zu Bitcoin auf Google, Wikipedia, Twitter und Facebook sammelten. Sie fanden in diesen Spuren der Bitcoin-Nutzer verschiedene Rückkoppelungseffekte, wie sie nun im "Journal of the Royal Society: Interface" berichten.
Wie zu erwarten war, hing die Menge an Suchanfragen mit dem Preis zusammen, was auf Mund-zu-Mund-Propaganda hindeutet. Gängigen Marktgesetzen entspricht auch die Verknüpfung von Preisentwicklung, der Zahl neuer Bitcoin-Nutzer und den Internet-Suchanfragen respektive Tweets: Wenn sich mehr Leute über Bitcoins informieren und dann kaufen, steigt der Preis. Denn das Bitcoin-Angebot wächst nicht mit der Nachfrage, sondern automatisiert in regelmässigen Abständen.
Angekündigte Preiszerfälle
Überraschter waren die Forscher davon, dass sich starke Preiszerfälle jeweils im Voraus durch eine sprunghafte Aktivität bei den Suchanfragen zu Bitcoin ankündigten. Sie interpretieren dies so, dass Nutzer rascher auf negative Ereignisse reagieren - etwa auf eine Hackerattacke auf eine Bitcoin-Tauschbörse.
Das Phänomen zahlreicher Suchanfragen vor einem Crash sei auch von traditionellen Finanzmärkten bekannt, schreiben die Forscher. Die hohen Preissteigerungen des Bicoins seien also grösstenteils der wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit zuzuschreiben, ist das Fazit.
Das leistungsstarke, kollaborative Bitcoin-System liesse sich auch auf andere Bereiche der Gesellschaft anwenden, glauben die Forscher. Schon heute umfasst das Bitcoin-Mining-Netzwerk, das für die Herausgabe der Währung zuständig ist, eine Rechenleistung, die 300 Mal so gross ist wie diejenige der 500 leistungsstärksten Supercomputer zusammen.
Mit so einem System könnten auch kollaborative Forschungsprojekte oder gemeinschaftliche Güter verwaltet werden. Bitcoins gehören nämlich niemanden. Käufer erwerben lediglich das Recht, eine bestimmte Summe davon zu benutzen. (sda/mim)

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