Für 100 Millionen: Swisscom baut neues RZ in Bern

4. Juli 2012, 13:46
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In Bern-Wankdorf soll eines der modernsten und effizientesten Rechenzentren Europas entstehen. Kühlung durch Regenwasser und Schwungräder statt Batterien.

In Bern-Wankdorf soll eines der modernsten und effizientesten Rechenzentren Europas entstehen. Kühlung durch Regenwasser und Schwungräder statt Batterien.
Der Bau von neuen Rechenzentren in der Schweiz gewinnt an Schwung. Wie Swisscom in der neusten Ausgabe des Kundenmagazins 'Insights' schreibt, soll im Business Park Bern-Wankdorf eines der modernsten und effizientesten Rechenzentren Europas entstehen. Der Neubau ermögliche die Ablösung älterer, weniger effizienter Rechenzentren, etwa des Rechenzentrums am Zentweg in Ostermundigen. Swisscom will dadurch mehr klassisches IT-Outsourcing aber auch Managed-Housing-Dienstleistungen anbieten.
Wie Swisscom-Sprecher Olaf Schulze in einem E-Mail an inside-it.ch erklärt, wurde die Baubewilligung zwar noch nicht erteilt; sie werde aber in Kürze erwartet. Baubeginn werde voraussichtlich August 2012 sein. 2014 soll das RZ den Betrieb aufnehmen. Die IT-Nutzfläche werde 4'000 Quadratmeter betragen. Insgesamt investiert Swisscom 100 Millionen Franken in das neue Berner RZ.
PUE 1,2, Regenwasser und Schwungmasse
Das neue Data Center wird in den Abwärmeverbund der Stadt Bern eingebunden und kann direkt Wohnungen der Nachbarschaft beheizen, die entsprechend saniert werden. Das Rechenzentrum wird mit maximal sieben Modulen mit einer Nutzleistung von je 600 Kilowatt aufgebaut. Der kalkulierte PUE-Wert (Power Usage Efficiency) beträgt 1,2. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert für Rechenzentren liegt in Europa bei 1,95. Swisscom verringert die Verlustleistung nach eigenen Angaben um rund 75 Prozent.
Swisscom setzt beim neuen RZ auf indirektes Free Cooling, also auf die Nutzung von kühler Aussenluft. An heissen Sommertagen wird dieses Prinzip ergänzt mit hybriden Rückkühlern anstelle von konventionellen Kältemaschinen. Das in einer Zisterne gesammelte Regenwasser wird in den heissen Luftstrom eingebracht und entzieht ihm durch Verdunstung Wärme. Danach wird die Luft wieder zur Temperierung des Rechenzentrums benutzt. Entgegen früheren Bauprinzipien sei es im Rechenzentrum angenehm warm, so Swisscom: Die Lufttemperatur beträgt bis zu 30 Grad. Verdunstungskühlung an sich sei nicht etwas neues, erklärt Swisscom. Aber die Nutzung von Regenwasser reduziert den Frischwasserverbrauch für Kühlungszwecke oder macht ihn möglicherweise sogar überflüssig.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Notstromversorgung: Data Center haben in der Regel Batterien, die im Fall eines Netzausfalles das RZ mit Strom versorgen, bis der Notstromdieselgenerator die Versorgung übernehmen kann. In Wankdorf gibt es keine Batterien mehr, erklärt Swisscom: Eine ständig laufende Schwungmasse betreibt bei einem Netzausfall zunächst einen Generator, der die Stromversorgung sicherstellt, und anschliessend startet die Schwungmasse den Notstromdiesel, der dann wiederum den Antrieb des Generators übernimmt. Das gleiche Konzept findet man übrigens seit kurzem auch in einem Rechenzentrum eines Basler Pharmakonzerns. (Maurizio Minetti)

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