Fujitsu muss nach Erdbeben Milliardenkorrekturen vornehmen

30. März 2011, 14:21
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Fujitsu–Präsident Masami Yamamoto äusserte sich zu den Sorgen und Aussichten der japanischen IT-Industrie im eigenen Land und international.

Fujitsu–Präsident Masami Yamamoto äusserte sich zu den Sorgen und Aussichten der japanischen IT-Industrie im eigenen Land und international.
Wie alle japanischen Unternehmen Ende des Monats kurz vor Jahresabschluss, sieht Fujitsu Ltd. das Ergebnis durch das katastrophale Erdbeben vom 11. März 2011 und die darauf folgenden Stromversorgungsengpässe stark belastet. Unternehmenspräsident Masami Yamamoto sprach in einem Interview mit Dow Jones Newswires von Auswirkungen in Höhe von mehreren Milliarden Yen. Wie der Konzern eine Woche zuvor mitteilte, sei der Geschäftsbetrieb gesichert. Yamamoto hat das jetzt noch einmal bestätigt. Denn er betonte, das eigene Datencenter habe dem Erdbeben standgehalten. Durch Notstromaggregate und andere Notfall-Massnahmen sei es gelungen, die Services relativ stabil zu halten.
Wie er in dem Interview weiter sagte, seien die Auswirkungen des Erdbebens und seiner Folgen auf das auslaufende Geschäftsjahr allerdings noch nicht abzusehen. Laut 'Wall Street Journal‘ gehört Fujitsu zu den vielen namhaften japanischen Unternehmen, die von der grössten Naturkatastrophe des Landes direkt betroffen sind. Auch wenn Fujitsus Produktion von Chips und anderen Erzeugnissen im Umkreis des Erdbebenepizentrums zum Grossteil wieder angelaufen ist oder wie im Fall von Desktop-PCs von Fukushima nach Westjapan verlagert werden konnte, bleiben die Aussichten im Hauptgeschäft Fujitsus, den IT-Services, getrübt. Denn viele Kunden müssen selbst noch ihre Wunden lecken und können die Auswirkungen der Katastrophe noch gar nicht richtig einschätzen.
Schon vor dem Beben musste Fujitsu den Forecast für das Ende März auslaufende Geschäftsjahr nach unten korrigieren. Nach ursprünglich anvisierten 95 Milliarden Yen hat das Unternehmen im Report für das vierte Quartal 2010 für das Fiskaljahr nur noch einen Nettogewinn in Höhe von 75 Milliarden Yen oder knapp 840 Millionen Franken in Aussicht gestellt und das vor allem damit erklärt, dass sich das IT-Unternehmenssegment im Heimatmarkt weniger stark erhole, als erwartet. Das Unternehmen hat folglich auch die Prognose für den operativen Gewinn und den Umsatz im laufenden Geschäftsjahr nach unten revidiert. Ersterer wurde von 185 auf 145 Milliarden Yen (1,623 Milliarden Franken) eingedampft, das Umsatzziel von 4,67 auf 4,57 Billionen Yen (51,18 Milliarden Franken).
Wie Fujitsu-Präsident Yamamoto jetzt warnte, seien die Auswirkungen der Katastrophe auf das Service-Geschäft wahrscheinlich wesentlich grösser als die auf die Produktion von Chips und anderen elektronischen Erzeugnissen. Angesichts der anhaltenden Probleme und Versorgungsengpässe im Energiebereich werden die IT-Investitionen japanischer Unternehmen im kommenden Geschäftsjahr weiter schrumpfen, wenn auch nur vorübergehend. Erschwert wird die Situation durch die Lage im havarierten Atomkraftwerk Fukushima. Da die Situation unsicher bleibe, "werden die Stromversorgungsprobleme zur grössten Sorge der Industrie“, so Yamamoto. Langfristig sieht der Konzernchef einen wachsenden Bedarf an IT-Services und Lösungen aus dem Hause Fujitsu, zumal mehr und mehr japanische Unternehmen dazu übergehen werden, ihre IT-Abteilungen auszulagern, da das Erdbeben gezeigt habe, dass die eigenen IT-Operationen in der Krise vielfach versagt haben.
Da Japan und viele andere Länder rund um den Globus nach der Katastrophe zudem jetzt ihre Energiepolitik und die Abhängigkeit vom Atomstrom überdenken werden, rechnet Yamamoto damit, dass langfristig der Bedarf an "Smart Grids“ steigen wird, weil diese mit einer durch IT effizienter gemachten Stromversorgung auch dazu beitragen werden, den Verbrauch in Spitzenlastzeiten deutlich abzusenken. "Mehr denn je werden wir Technologie brauchen, um den Strom in geregelte Bahnen zu lenken“, so wird der Konzernlenker vom WSJ zitiert.
Yamamoto ging auch auf die Sorgen der Industrie ein, dass das Freisetzen radioaktiven Materials nicht nur dem Ruf von Agrarprodukten aus Nippon, sondern von japanischen Exporten insgesamt schaden könnte. Er sagte aber, dass das nur vorübergehend sein werde. "Das Vertrauen in die Qualität japanischer Produkte wird langfristig nicht leiden", sprach Yamamoto sich und seinen Landsleuten Mut zu. (Klaus Hauptfleisch)

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