Gartner blickt in die Kristallkugel

19. Oktober 2016, 10:34
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... und sieht aussterbende Apps, Surfen ohne Bildschirm und "creepy" Algorithmen.

... und sieht aussterbende Apps, Surfen ohne Bildschirm und "creepy" Algorithmen. Die jährlich publizierten Top-Prognosen der Gartner-Analysten fokussieren auf die Internet-Nutzung, Augmented Reality, das Internet der Dinge und die Blockchain-Technologie.
In diesen Tagen findet das Symposium der Gartner-Analysten in Orlando statt. Wie jedes Jahr publiziert der Marktforscher die Top-Prognosen für die nächsten Jahre. Drei grundlegende Aspekte treiben die digitale Innovation voran: (User)-Erfahrung und -Engagement, Business-Innovationen sowie die sekundären Effekte der Digitalisierung.
Surfen ohne Bildschirm, Augmented Reality und sterbende Apps
Apps werden immer weniger wichtig für Unternehmen. 20 Prozent der Marken werden bereits in drei Jahren ihre Apps aufgeben. Inside-it.ch hat dies übrigens 2015 gemacht. Das Verhältnis zwischen den nötigen Investitionen in eine App und dem Return of Investment (ROI) in Sachen Kunden-Bindung und -Verhalten werde für die Unternehmen immer weniger lohnend.
Gleichzeitig werden sich Kunden immer häufiger ohne Bildschirm im Web bewegen. Im Jahr 2020 werden wir 30 Prozent unserer Surf-Zeit nicht mit klassischen Geräten, wie PCs oder Smartphones, sondern mit audio-zentrischen Geräten erleben. Dies sind etwa Amazons Echo oder Google Home, die eine Plattform für sprachbasierte Interaktionen bieten. Weil die Nutzer dabei die Hände - und auch den Blick - frei haben, werden sich solche Geräte weiter verbreiten. So können Konsumenten während dem Autofahren, Kochen oder beim Bedienen von Maschinen im Internet surfen. Die Zeit, in der wir keinen Zugang zum Internet haben, werde praktisch gegen Null gehen.
100 Millionen Menschen werden im Jahr 2020 mit Augmented-Reality-Geräten einkaufen. Die Popularität von Augmented-Reality (AR)-Apps, wie Pokémon Go helfe dabei, AR im Mainstream zu verbreiten. Dadurch werden auch immer mehr Händler ihren Kunden die Technologie zur Verfügung stellen. Als Beispiel nennt Gartner die Möglichkeit ein IKEA-Shopping-App zu verwenden, um in den eigenen vier Wänden mittels AR die IKEA-Möbel oder Bilder digital zu platzieren und so zu betrachten und zu beurteilen.
Um die Top-Sieben der "digitalen Giganten", wie Gartner sie nennt, kommt man nicht herum. Bei mindestens einem Fünftel unserer Aktivitäten im Jahr 2020 bewegen wir uns in der Welt von wenigstens einem der sieben Unternehmen: Google, Apple, Facebook, Amazon oder die chinesischen Unternehmen Baidu, Alibaba und Tencent. Etwa durch die smarten Assistenten, wie Amazons Echo, durch mobile Payment oder Smart-City-Projekte werden die digitalen Giganten an einer Vielzahl unserer Aktivitäten teilhaben.
IoT, Wearables und Gesundheitskosten
Das Internet der Dinge (IoT) birgt enormes Sparpotenzial: Eine Billion Dollar jährlich prognostiziert Gartner ab 2022 für Kunden und Unternehmen bei Wartung, Services und Verbrauchsmaterial. Die Herausforderung sei es, eine sichere Implementierung und robuste Infrastruktur zu schaffen, die Einsparungen über ein oder zwei Jahrzehnte bringe, ohne die Management-Kosten in die Höhe zu treiben. Gartner nennt als Beispiel ein günstiges Monitoring-System basierend auf einfachen Sensoren, die bestimmte, definierte Daten an einen Server übermitteln, der diese dann automatisiert analysiert. Aus dieser Analyse entstehen Handlungsempfehlungen für die Wartung, basierend auf der tatsächlichen Nutzung und dem Zustand eines Gerätes.
21 Milliarden IoT-Geräte erwarten die Analysten im Jahr 2020. Trotz der weiten Verbreitung von IoT-Anwendungen, steigt der Bedarf an Speicherplatz nur minimal. Die IoT-Geräte und -Sensoren werden nur rund 0,4 Prozent der 900 Exabytes in Rechenzentren gespeicherte Daten ausmachen. Weitere zwei Prozent Speicherplatz wird von Multimedia-Sensoren benötigt, schreibt Gartner.
In einer Prognose von Anfang Jahr, sagte Gartner bereits nächstes Jahr ein Absatz von über 320 Wearables voraus. 40 Prozent der Angestellten weltweit werden ab 2020 ihre Gesundheitskosten reduzieren, in dem sie einen Fitness-Tracker tragen, so die aktuelle Prognose. Einerseits werden immer mehr Unternehmen Fitness-Programme anbieten, in denen Tracker ein Teil davon sind. Und andererseits können Spitäler oder Ärzte künftig von den Daten profitieren, die Träger auf bestimmte Risiken hinweisen und präventive Massnahmen einleiten. Dies soll auch die Kosten für den Patienten längerfristig senken.
Algorithmen und Blockchain
Die Blockchain-Entwicklung ist noch unausgereift, schreibt Gartner, doch darauf basierende Produkte ziehen Investoren an. Schon im Jahr 2022 wird ein Blockchain-basiertes Geschäft zehn Milliarden Dollar Wert sein. Da sämtliche Transaktions- und Vertragsbedingungen geteilt, von allen Parteien nachzuvollziehen und nicht mehr veränderbar sind, können die einzelnen Parteien schneller reagieren. Jede Art von Handel könne innerhalb von Minuten und nicht innert Tagen vollzogen werden. Blockchain-Applikationen werden den Cashflow erhöhen, die Transaktionskosten verringern und Geschäftsprozesse beschleunigen, fasst Gartner das Potential der Technologie zusammen.
Immer mehr Menschen, so eine weitere Top-Prognose der Analysten, werden Algorithmen vertrauen, um Entscheidungen zu fällen. Der Mensch ist emotional und irrational. Mehr als eine Milliarde Menschen wird im Jahr 2020 deshalb während der Arbeit Algorithmen einbeziehen, um bessere Entscheidungen zu fällen. Die Algorithmen helfen den Angestellten sich an alles zu "erinnern" oder erhalten neues Wissen, das sofort angewendet werden kann. Die Idee, dass uns Algorithmen beeinflussen, habe zwar einen "Creepiness"-Faktor, so Gartner. Doch in der richtigen Anwendungen, können sie in verschiedenen Branchen positive Veränderungen bringen. (kjo)
Bild Startseite unter CC-Lizenz.

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