Gartner: "IT braucht Sozialwissenschaftler"

26. August 2009, 13:43
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Damit Firmen ihren Platz in der neuen Welt des Web 2.0 finden, brauchen sie künftig Web-Interface-Spezialisten, Psychologen, Anthropologen und Lifestyle-Experten.

Damit Firmen ihren Platz in der neuen Welt des Web 2.0 finden, brauchen sie künftig Web-Interface-Spezialisten, Psychologen, Anthropologen und Lifestyle-Experten.
Der US-Marktforscher Gartner operiert seit längerem mit dem Begriff "Consumerization". Gemeint ist, dass Firmenmitarbeitende Technologien (iPhone, YouTube, soziale Netzwerke, ...), die sie im Privatleben benützen, auch in der Firma anwenden möchten und zudem Firmen ihre Kunden durch die neuen, Web-2.0-Medien (Twitter, Blogs, virtuelle Welten) ansprechen wollen. Dass die "Consumerization" Tatsache ist, weiss jeder CIO, der von den Business-Managern bestürmt wird, "endlich" Apples iPhones als Firmenhandys einzuführen.
IT-Abteilungen brauchen neue Qualifikationen
Um Technologien aus dem Konsumenten-Markt rasch und sinnvoll in Geschäftsprozesse einzufügen braucht es Fähigkeiten, die für IT-Abteilungen neu sind. Viele dieser Fähigkeiten und Kenntnisse stammen aus den Sozialwissenschaften, so Gartner. Für die neuartigen IT-Jobs wird ein Wissens-Mix aus Business, Kunst und Technik benötigt. Der US-Marktforscher hat vier Gebiete identifiziert, in denen neuartige Qualifikationen benötigt werden:
Web-User-Interfaces: Da immer mehr Informationen und Applikationen über Internet geliefert und bedient werden, wird das Design von Web-User-Interfaces immer wichtiger. Es braucht Designer von User-Interfaces und Selbst-Service-Anleitungen, Entwickler von virtuellen Assistenten und Leute, die die Interaktion zwischen verschiedenen Leuten auf Web-2.0-Plattformen steuern können. Gartner nennt diese "interaction directors".
Verhaltensanalyse: Das Verhalten der Anwender im Web zu verstehen und darauf zu reagieren wird zu einer Kernkompetenz. Anspruchsvoll ist die Disziplin, weil sich die Menschen im Web anders verhalten als in der physischen Welt. So genannten "Webpsychologen" werden bei der Entwicklung von künftigen Produkten und Marketingstrategien dringend benötigt.
Informations-Anthropologen: Da die Menge der im Web veröffentlichten Informationen stetig steigt, braucht es gemäss Gartner "Informations-Anthropologen", die die Geschichte von Informationen verfolgen und Veränderungen, auch missbräuchliche, erkennen.
Digitaler Lifestyle: Experten für "digital lifestye" werden Managern und Marketing-Leuten helfen müssen, die modernen Internet-Werkzeuge zu beherrschen. Glaubt man Gartner, so wird es "digital persona consultants" und "personal brand advisers" geben.
Wer weiss? Vielleicht gibt es doch Jobperspektiven jenseits von Behörden oder Entwicklungshilfe für all die künftigen Politologen, Anthropologen, Ethnologen und Journalisten, die derzeit die Universitäten stürmen? (Christoph Hugenschmidt)

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