Gartner kritisiert Security-Kassandren

10. Juni 2005, 16:16
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Die vier grundlosesten Security-Hypes gemäss Gartner.

Die vier grundlosesten Security-Hypes gemäss Gartner.
Hersteller und Anbieter von Securityprodukten und -Services warnen gerne und viel vor IT-Sicherheitsrisiken. Das Marktforschungsinstitut Gartner warnt nun seinerseits davor, diese Warnungen allzu ernst zu nehmen. Viele Unternehmen, so Gartner, würden sich von den eilig an die Wand gemalten Schreckensszenarien davon abhalten lassen, an sich nützliche neue Technologien einzuführen.
Gartner identifiziert in seiner Kritik einige der seiner Meinung nach grundlosesten "Security-Hypes" unserer Tage
IP-Telefonie ist unsicher: In der Realität sind Angriffe in der IP-Telefonie gemäss Gartner äusserst selten. Um eine IP-Telefonie-Infrastruktur zu sichern seien im Prinzip fast die gleichen Sicherheitsmassnahmen ausreichend, wie um ein Datennetz zu sichern. Am stärksten übertrieben werde die Gefahr des Abhörens. Es sei unwahrscheinlich, dass Gespräche abgehört werden könnten, da dazu Zugang zu einem lokalen Netzwerk notwendig sei.
Handy-Würmer werden grossen Schaden anrichten: Schadensprogramme für Mobile Geräte werden gemäss Gartner in der absehbaren Zukunft ein kleines Problem bleiben, da nur wenige mobile Geräte dauernd mit dem Internet verbunden seien. Der Hype werde in dieser Beziehung vor allem von den Antiviren-Herstellern geschürt, die in den Hunderten von Millionen Handy-Usern eine neue Einnahmequelle witterten.
'Warhol-Würmer' machen das Internet für kritischen Geschäftsverkehr zu unsicher: Manche Security-Experten warnen vor einer potentiellen Gefahr durch 'Warhol-Würmer', welche das Internet zum Erliegen bringen könnten. Ein 'Warhol-Wurm' wäre ein "Supervermehrer", der innert einer Viertelstunde alle verwundbaren Maschinen im Internet infizieren und massenhaft Verkehr generieren würde. Gemäss Gartner gab es aber bisher erst einen einzigen Wurm, SQL Slammer im Jahr 2003, der starke Auswirkungen auf die Internet-Performance gehabt habe. Das Internet sei heute verlässlich und sicher genug für jeglichen Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen und Heimkonsumenten sowie für etwa 70 Prozent des Verkehrs zwischen Unternehmen.
Wi-Fi Hotspots sind unsicher: Für zu wenig aufgeklärte Privatanwender gebe es im Zusammenhang mit Hotspots tatsächlich einige Gefahren, findet Gartner. Unternehmen stünden aber heutzutage genügend Tools und Know-how zur Verfügung, um ihre mobilen Angestellten abzusichern.
Kleiner Kommentar: Als Journalist – und natürlich auch als IT-Anwender – wird man seit langer Zeit von Security-Warnungen und -Gegenwarnungen überschwemmt, deren Wahrheitsgehalt schwer nachprüfbar ist. Wo man auf der einen Seite mit Recht die finanziellen Interessen der Security-Industrie vermuten muss, kann man auf der anderen Seite auch die finanziellen Interessen der Anbieter der als unsicher gebrandmarkten neuen Technologien wittern. Inside-it.ch hat in der Vergangenheit – und wird es auch in Zukunft tun – sowohl Warnungen weitergegeben, sofern sie aus berufenem Mund kamen und plausibel schienen. Was sie glauben, wollen müssen letztendlich unsere Leser entscheiden. (Hans Jörg Maron)

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