Gartners Top-10 der strategischen IT-Technologien 2011

21. Oktober 2010, 11:50
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Die Technologien, die die Hirne von CIOs und IT-Abteilungen zum Rauchen bringen (sollten).

Die Technologien, die die Hirne von CIOs und IT-Abteilungen zum Rauchen bringen (sollten).
Das Marktforschungsinstitut Gartner hat die aktuelle Ausgabe seiner immer wieder spannenden Liste der zehn strategisch wichtigsten IT-Technologien für das nächste Jahr herausgegeben. Die zehn Technologien, in die CIOs und IT-Abteilungen der Meinung Gartners nach nächstes Jahr am meisten strategische Denkarbeit investieren sollten, sind "Cloud Computing", "Mobile Applications und Media Tablets", "Social Communications und Collaboration", "Next Generation Analytics", "Social Analytics", "Context-Aware Computing", "Storage Class Memory", "Ubiquitous Computing" sowie "Fabric-Based Infrastructure and Computers".
Strategisch wichtig sind nach der Definition Gartners Technologien, die das Potential haben, Unternehmen in den nächsten drei Jahren stark zu beeinflussen. Dazu gehört beispielsweise ein hohes Veränderungspotential, ein hoher Aufwand zur Implementierung oder die Gefahr, sich entscheidende Nachteile gegenüber der Konkurrenz einzuhandeln, wenn man zu spät reagiert. Die Beeinflussung muss aber nicht nur positiv sein: Für die Liste "punkten" kann eine Technologie beispielsweise auch, wenn eine missratene Implementation zu hohen Kosten führen würde. Gartner betont daher, dass IT-Entscheider vor allem über die in der Liste vertretenen Technologien nachdenken sollten – danach kann es aber immer noch die vernünftigste Entscheidung sein, (vorerst) nichts zu tun.
Spannend ist immer wieder der Vergleich mit vergangenen Ausgaben der Top-10. Dieser zeigt beispielsweise, dass von den Top-10 des letzten Jahres nur ein Thema, Cloud Computing, unverändert überlebt hat. "IT for Green", "Client Computing" und "Security-Activity Monitoring" sind ganz aus den Top-10 herausgedrängt worden, die übrigen Themen "Advanced Analytics", "Neugestaltung des Rechenzentrums", "Social Computing" , "Flash Memory", "Virtualisierung" und "mobile Applikationen" finden sich aber ebenfalls wieder in der neuen Liste, wenn auch unter neuen Namen oder zu neuen Technologiebereichen zusammengefasst.
Cloud Computing
Dass das allgegenwärtige Thema Cloud Computing die Liste anführt, überrascht wohl kaum. Das Spektrum reicht von öffentlichen "Software-as-a-Service"-Angeboten wie Google Apps oder Microsofts geplantem Office 365 bis zu geschlossenen, privaten "Wölklein", die Unternehmen nur für interne Zwecke betreiben. Anbieter werden in den nächsten drei Jahren eine Vielzahl von neuen Services und Produkten entwickeln, die irgendwo in diese Spannbreite fallen, glaubt Gartner. Für den Bereich der "privaten" Clouds dürften sie sich dabei vor allem auf vorgefertigte "Instant"-Pakete aus Hardware, Software und Services konzentrieren. Zudem, so Gartner, werden Dienstleister auch vermehrt Angebote zur Fernwartung und –Verwaltung von privaten Cloud-Implementationen auf den Markt bringen.
Mobile Applications and Media Tablets
Smartphones, iPad und Co.: Kleine Mobilgeräte werden zu vollwertigen Computern mit erstaunlich viel Bandbreite und Prozessorpower. Ende 2010 werden laut Gartner weltweit rund 1,2 Milliarden Menschen solche Geräte besitzen. Die bequeme Anwendung führt zudem dazu, dass immer mehr Kunden vorzugsweise diese Geräte benützen möchten, um mit Unternehmen zu interagieren. Möglichst schnell gute "Apps" herauszubringen wird damit, so Gartner, für Unternehmen zu einem wichtigen Faktor im Konkurrenzkampf und zu einem möglichen Vorteil gegen Konkurrenten, die nur traditionelle browserbasierte Tools auf Lager haben.
Social Communications and Collaboration
Gartner teilt "Social Media" in vier Kategorien ein, "Social Networking": Facebook, Xing usw., "Social Collaboration": Wikis, Blogs, Instant Messaging uvm., "Social Publishing": Flickr, YouTube usw, sowie "Social Feedback" à la Amazon, Digg.com oder Del.icio.us. Gartner glaubt, dass bis 2016 in fast alle Business-Applikationen, insbesondere CRM-Lösungen, eine oder mehrere dieser Social-Media-Variationen integriert sein wird.
Social Analytics
Eng damit zusammenhängend ist die Messung, Analyse und der Interaktion zwischen Unternehmen, Leuten, Themen, Ideen und Haltungen, die vor allem in den oben erwähnten Kommunikationsformen überhaupt messbar wird. Soziale Analysen können für Unternehmen wichtige Erkenntnisse bringen. Sie sind aber auch, bei unsorgfältigem Umgang mit der Privatsphäre der "Gemessenen", eine heikle Sache für das Image eines Unternehmens.
Context-Aware Computing
Beim "context-bewussten" Computing "kennt" ein System vorangegangene Aktionen und Vorlieben eines Users, seinen Aufenthaltsort oder vieles mehr. Aufgrund dieser Informationen soll das System User bessser unterstützen und ihnen beispielsweise situationsabhängig gleich die Funktionen und Inhalte anbieten, die sie wahrscheinlich benützen wollen. Wie bei Social Analytics ist auch hier der korrekte Umgang mit dem Datenschutz ein wichtiges Thema.
New Generation Analytics
Business Intelligence ist in den letzten Jahren ein hartnäckiger Dauerbrenner in den Top-10 der strategischen Technologien, wenn auch immer wieder unter neuen Überschriften. Mit "New Generation" meint Gartner eine Verschiebung des Schwerpunkts von der Analyse von Daten aus der Vergangenheit zur Voraussage der Zukunft mittels Simulationen und Modellen. Fortschritte in der Computertechnik machen dies laut Gartner heutzutage möglich, auch ohne dass man gleich einen Supercomputer anschaffen muss, erfordern aber immer noch signifikante Investitionen für die notwendigen Veränderungen der Business-Intelligence-Infrastruktur.
Storage Class Memory
"Storage Class Memory" meint die Verwendung von Flash-Speicher als Zwischending zwischen RAM und Harddisk in Storage-Systemen für Unternehmen. Neue Technologien, welche nicht nur ganze Files beziehungsweise Blocks sondern auch Teile davon – beispielsweise einer grossen Datenbank – automatisiert und schnell zwischen Harddisks Flash-Disks hin- und herschieben können, können machen es zunehmend praktikabel, den schnellen aber teuren Flashspeicher gezielter für Daten zu nützen, die häufig gebraucht werden, statt ganze SSD-Disks mit einem File zu "verstopfen".
Ubiquitous Computing
Gartner greift hier ein schon vor Jahren aufgekommenes Schlagwort wieder auf. Der Marktforscher glaubt, dass die Verbreitung von Mikrocomputern, die unsichtbar in Alltagsgegenstände und "arbeitende" Technologie wie Fliessbänder, Autos, Maschinen, Verpackungen usw. eingebaut werden nun ein Mass erreicht, dass es zunehmend schwierig macht, Netzwerke in einem traditionellen zentralisierten Ansatz zu managen. Gartner hat dazu keine konkreten Ratschläge, sondern empfiehlt, sich die Arbeiten von Marc Weiser und anderen Forschern aus dem PARC-Institut von Xerox anzusehen um Leitilinien zu finden, wie mit dem Phänomen umgegangen werden könnte.
Fabric-Based Infrastructure and Computers
Ähem. Da hat man sich so schön an das Wort Virtualisierung gewöhnt, da bringt Gartner wieder etwas komplizierteres. Gemeint ist aber doch Virtualisierung von Servern, Storage und Netzwerken, sowie damit kombiniert der zunehmende Trend bei Herstellern, vorintegrierte modular ausbaubare Komplettsysteme aus allen drei Komponenten plus Virtualisierungssoftware und Managementsoftware zu bauen, die ihrerseits relativ einfach in RZ-übergreifenden Gesamtressourcenpools integriert werden können. (Hans Jörg Maron)
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