"Geben Sie Ihren PIN-Code weder Ihrer Frau noch der Polizei bekannt"

19. Oktober 2005, 09:37
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In Belgien sind bereits über eine Million elektronische IDs aktiviert

In Belgien sind bereits über eine Million elektronische IDs aktiviert
Während man in der Schweiz immer noch auf die Umsetzung einer öffentlichen Infrastruktur für digitale Signaturen wartet (noch gibt es keine vom Staat anerkannte Ausgabestelle von Signaturen), gibt es in Belgien bereits über eine Million aktivierte elektronische Identitätskarten. Diese, in Belgien "eID" genannten Karten enthalten nicht nur elektronisch lesbare Angaben über die Identät des Inhabers, sondern auch digitale Schlüssel. Insgesamt wurden bis heute über 1,6 Millionen Karten ausgegeben, davon wurden 1,4 Millionen aktiviert und 1,2 Millionen sind tatsächlich aktiv und in Gebrauch. Pro Monat werden etwa 150'000 Karten ausgegeben und die belgische Regierung glaubt, dass bis in vier Jahren bereits über 8 Millionen BelgierInnen sich digital ausweisen können.
Die eIDs enthalten einen kleinen Mikroprozessor und sind mit Java programmiert.
Die Einführung der digitalen IDs in Belgien hat einen Run der ICT-Industrie auf die Entwicklung und Vermarktung von Anwendungen im Zusammenhang mit der Karte ausgelöst. So gibt es Lesegeräte für den Einsatz der Karte zuhause und man kann beispielsweise E-Mails, aber auch Microsoft-Office- und PDF-Dokumente wie auch die (digitale) Steuererklärung, digital verschlüsseln und signieren. eID lässt sich sogar im Microsoft Chat-Programm Messenger für die Identifikation der TeilnehmerInnen verwenden.
Weiter benützen die belgischen Niederlassungen von Microsoft und Sun die Karte bereits als elektronischen Schlüssel für ihre Gebäude und Keytrade Bank regelt damit den Zugang Online-Banking. Und die Karte wird von immer mehr öffentlichen Institutionen (Bibliotheken, Schwimmbäder, ...) für die automatische Identifizierung der BenützerInnen verwendet.
"Geben Sie Ihren PIN-Code weder Ihrer Frau noch der Polizei bekannt"
Die Universalität der belgischen eID birgt aber auch Gefahren. Wer es schafft, sich eine fremde Karte samt Passwort und PIN-Code zu beschaffen, kann sich überall - sei es physisch oder im Internet - als jemand anders ausweisen und Waren kaufen, E-Banking betreiben oder auch den Behörden eine Geburt oder einen Todesfall melden.
So heisst es denn auch auf der Webseite der belgischen Regierung zum Thema eID: "Votre code PIN est secret: ne le communiquez à personne, ni à votre famille ou votre partenaire, ni à la police ou à des fonctionnaires." (Ihr PIN-Code ist geheim: Teilen Sie ihn niemanden mit, nicht ihrer Familie, nicht ihrem Partner, nicht der Polizei oder anderen Staatsangestellten.) (Christoph Hugenschmidt)
Statistiken zum Gebrauch der belgischen eIDs gibt es bei Godot.be.
Einführende Informationen über die eID gibt es auf einer der elektronischen Karte gewidmeten Seite der belgischen Regierung.

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