Gebrauchsanweisung des Zuse Z4 gefunden

2. Oktober 2020 um 14:54
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In Zürich ist ein lange verschollenes historisches Dokument gefunden worden: die Gebrauchsanleitung für den ältesten erhaltenen Computer, den Zuse Z4 von 1945.

An der ETH Zürich ist eine Anleitung für den Computer Zuse Z4 entdeckt worden. Die 1945 gefertigte und 1949/1950 überholte und erweiterte Relaismaschine sei von 1950 bis 1955 leihweise an der ETH Zürich in Betrieb gewesen, schreibt der Technikhistoriker Herbert Bruderer in der 'ETH Zurich Research Collection'. Nun wurde das historische Dokument entdeckt, das lange als verschollen galt.
Der riesige Rechner befindet sich heute im Deutschen Museum in München. Erfinder der Relaisrechenmaschine Z4 war der deutsche Bauingenieur Konrad Zuse. Er verfasste wohl auch die ursprüngliche Bedienungsanweisung, so Bruderer. Der Mathematiker Heinz Rutishauser, der damals unter Institutsleiter Eduard Stiefel am Institut für angewandte Mathematik der ETH Zürich tätig war, überarbeitete dann Zuses Original.
Auf die Spur des Dokuments kam Historiker Bruderer dank der ETH-Archivarin Evelyn Boesch, wie er schreibt. Sie teilte ihm im März 2020 mit, dass ihr Vater René Boesch, der ab 1956 am Institut für Flugzeugstatik der ETH angestellt war, historische Dokumente aufbewahrt habe. Darunter war auch die Gebrauchsanleitung.
Der Z4 war nämlich für Rechenaufgaben für Flugzeuge und Raketen benutzt worden, namentlich streng geheime Berechnungen für das Strahlflugzeug P-16.
In Boeschs Dokumenten gab es auch handschriftliche Aufzeichnungen über sogenannte Flatterrechnungen. "Beim P-16 war für 2,4 Sekunden Flugzeit eine Rechenzeit von 50 Stunden nötig", schreibt Bruderer. 
Rund 100 Arbeiten führte der gemietete Z4 von 1950 bis 1955 aus, wie der einstige ETH-Mathematiker Rutishauser erzählt hatte. Darunter waren beispielsweise auch Flugbahnberechnungen für Raketen von Oerlikon Bührle, Flugzeugflügel für die Eidgenössischen Flugzeugwerke in Emmen (LU) oder Sturzflug-Berechnungen für die Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (SG).
Für ihre Berechnungen benötigten die Ingenieure den sogenannten bedingten Sprung, die Verzweigung eines Programms, das unter bestimmten Bedingungen an zwei verschiedenen Stellen weiterrechnet. Über diese Funktion verfügte der Zuse Z4 ursprünglich nicht, sie wurde eigens für die ETH nachträglich eingebaut.
Zu Bruderers Bedauern konnten sich die Zeitzeugen in den Gesprächen nicht mehr erinnern, wie der bedingte Sprung ausgeführt wurde. In der nun aufgefundenen Gebrauchsanleitung hat er die Antwort gefunden.
Update (5.10.2020):  Der Artikel wurde ergänzt.

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