Geil auf Gadgets? Das Neuste von der CES

8. Januar 2007, 13:37
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Die neusten Hoffnungsträger der UE-Industrie werden an der CES in Las Vegas gezeigt.

Die neusten Hoffnungsträger der UE-Industrie werden an der CES in Las Vegas gezeigt.
In den USA schwingt sich das Geschäft mit Heimelektronik in neue Höhen auf. Getrieben wird diese Entwicklung hauptsächlich durch die neuen, digitalen Geräte beziehungsweise die Verschmelzung von Unterhaltungselektronik mit Computertechnologie und dem Internet.
Kein Wunder, dass sich die Augen der Industrie gegenwärtig gespannt auf das Mekka der digitalen Gadgets, die heute für das Publikum eröffnete "Consumer Electronics Show" (CES) in Las Vegas richten, von 'News.com' das "Woodstock der Marketingexperten" genannt.
An der CES pflegen die Riesen unter den Herstellern ihre Visionen für die Zukunft und die Industrie allgemein ihre kommenden Hoffnungsträger vorzustellen.
Home-Server
Während allerdings heute fast alle UE-Geräte digital basiert und im Prinzip kleine Computer sind, ist der Wunsch der IT-Industrie, im Zuge dieser Entwicklung PCs zum Zentrum der Heimelektronikwelt zu machen, noch recht unerfüllt geblieben. Microsoft und seine "Gschpänli", die PC-Hardwarehersteller, machen in dieser Beziehung einen neuen Anlauf, der auf dem neuen Windows "Vista" sowie einer Neuauflage des "Heimserver"-Konzepts basiert. Microsoft-Gründer Bill Gates stellte diese Konzepte und einige konkrete Geräte, die dieses Jahr herauskommen sollen, in seiner gestrigen Keynote vor.
Als einer der ersten Microsoft-Partner für den neuen Home-Server scheint sich vor allem HP ins Zeug zu legen. Die Idee, dass Consumer ihre Heime vernetzen und Fotos, Filme, Musik usw. in einem zentralen Server ablegen könnten ist beileibe nicht neu. Bisher blieb dies aber eher eine Domäne für techno-begeisterte Anwender, die sich den Betrieb eines solchen Servers zutrauen.
Neu ist nun aber, dass Konsumenten immer mehr Inhalte, vor allem auch Filme, von legalen Download-Sites beziehen können und dies auch tun. Damit steigt auch der Anreiz, diese Inhalte allen Mitgliedern eines Haushalts zentral zur Verfügung zu stellen. Die auf einer "Windows Home Server"-Software von Microsoft basierenden neuen Home-Server, wie HPs "MediaSmart", der in diesem Herbst auf den Markt kommen soll, sollen zudem sehr einfach zu bedienen sein – gemäss HP-Vertretern sollen sie kaum komplizierter sein, als eine externe Festplatte. Und drittens soll auch der Preis keine hohe Hürde mehr sein: Gemäss Gates könnte er im Bereich von 400 bis 500 Dollar liegen.
Neue Media PCs
Bei den Media Center PCs soll einerseits "Vista" für eine deutlich "unterhaltungskompatiblere" Benutzeroberfläche sorgen und andererseits neue Designideen die Endgeräte attraktiver machen. Zu diesen gehört zum Beispiel ein abgerundeter, weisser Vaio von Sony, der direkt an einen LCD-TV und das Internet angeschlossen werden kann, und gleichzeitig die Funktionen eines Harddisk/DVD-Rekorders aufweisen soll. Ein weiteres Beispiel ist der "Touchsmart" PC von HP. Er ist mit einem aufklappbaren LCD-Touchscreen und einer einschiebbaren Tastatur ausgerüstet und könnte in Räumen, wo viel Betrieb herrscht – zum Beispiel der Küche – Zugriff auf Filme, Musik, das Internet usw. gewähren.
Ebenfalls zu erwarten sind viele Neuigkeiten im Mobilbereich. Dazu gehören Tablet-PCs und Notebooks mit einem "SideShow" genannten Zusatzdisplay auf der Aussenseite wie der Portege R400 von Toshiba. Ähnlich wie der von uns bereits vorgestelle Portalplayer soll das Display Zugriff auf Mails, Kontakte usw. geben, auch wenn das Notebook nicht läuft. Auch "ultramobile" Klein-Notebooks, die auf Vista basieren, sollen erscheinen, zum Beispiel von Medion oder OQO.
Microsoft von hinten bis vorne
Um Vista-PCs beziehungsweise als Alternative die Xbox 360 als Unterhaltungszentren zu fördern, setzt Microsoft auf Kooperationen mit Inhalteanbietern. So soll in den USA zum Beispiel der Kabelkanal Nickeodeon direkt auf Vista-PCs oder der Xbox 360 empfangbar werden. Durch neue Software soll ausserdem die Spielekonsole Xbox 360 gegen Ende dieses Jahres zur einer Art Set-Top-Box aufgewertet werden, die IPTV basierenden Fernsehangebote empfangen kann. Dazu muss Microsoft natürlich entsprechende Deals mit den Gesellschaften aushandeln, welche diese Microsoft Technologie benutzen – in der Schweiz gehört dazu zum Beispiel Bluewin-TV. Und wir wären nicht überrascht, wenn diese Software auch Media Center PCs zu Set-Top-Boxen machen würde.
Rechnet man noch die Aktivitäten rund um Microsofts iTunes-Konkurrenz "zune" hinzu, hat Microsoft immer lückenloser Produkte für die ganze "Lieferkette" im Entertainment-Bereich, vom Produzenten bis zum Endkunden auf Lager – mit dem für die Inhalte-Anbieter und Hardwarehersteller verlockenden Argument der ebenfalls durchgängigen Technologie für das "Digital Rights Management". Dies könnte im Endeffekt auch die immer noch offene Frage, wieso denn für den Betrieb von relativ einfachen UE-Geräten ein derart komplexes Betriebssystem wie Windows eingesetzt werden soll, bedeutungslos machen.
108-Zoll LCD-TV von Sharp
Durch seine Keynote konnte Bill Gates die anfängliche Aufmerksamkeit an der CES mehrheitlich auf Microsoft lenken, und darum ist Microsoft auch in diesem Artikel, im Verhältnis zu seinem realen momentanen Gewicht im UE-Bereich, stark "überrepräsentiert".
Aber natürlich wird die Mehrzahl der Neuerscheinungen nicht direkt etwas mit Microsoft zu tun haben: Hier einer kleine, nicht repräsentative Sammlung: So hat Sony angekündigt, dass für seine Fernsehgeräte im Laufe dieses Jahres Zusatzmodülchen erscheinen sollen, die den Direktzugriff auf Internet-Videoangebote gewähren – auf diesem direkten Weg wären Microsoft sowie "Zwischenhändler" wie Cablecom oder Bluewin-TV aussen vor.
Eine Konkurrenz zum Media Server könnten Geräte wie der "SlingCatcher" von SlingMedia werden. Der SlingCatcher soll eine Art "Mädchen für alles" zur Videoübertragung innerhalb eines Haushalts sein. Man kann damit, drahtlos oder über ein LAN, die Bilder von einem TV oder einem digitalen Videorekorder auf andere TVs im Haus verteilen oder Videos vom PC oder Laptop oder auch – ohne dass der PC angestellt sein muss – direkt aus dem Internet auf einen Fernseher streamen.
Das wahrscheinlich "aufsehenerregendste" der Geräte, die der Presse schon gestern gezeigt wurden, war aber durch seine schiere Grösse wohl der 108-Zoll LCD-TV von Sharp. Er soll diesen Sommer auf den Markt kommen und ist auch grösser als die bisher grössten angekündigten Plasma-TVs, wobei er gemäss Sharp-CEO Toshihiko Fujimoto eine höhere Auflösung und einen kleineren Stromverbrauch aufweisen soll. Wie riesig das Ding wirklich ist, davon kann man sich auf diesem Foto unserer Kollegen von 'News.com' eine Vorstellung machen. (Hans Jörg Maron)
(Bilder: Von oben nach unten: Sony Vaio TP1, HP Touchsmart, Toshiba Portege R400, SlingCatcher.)

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