"Geiselnehmer" gibt San Franciscos Netzwerk wieder frei

23. Juli 2008, 12:42
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Der Bürgermeister als "Techie-Flüsterer". Der fehlbare Administrator behauptet, dass er das Netzwerk nur vor der Inkompetenz seiner Mitarbeiter und Vorgesetzten schützen wollte.

Der Bürgermeister als "Techie-Flüsterer". Der fehlbare Administrator behauptet, dass er das Netzwerk nur vor der Inkompetenz seiner Mitarbeiter und Vorgesetzten schützen wollte.
Der Netzwerkkrimi in San Francisco hat ein vorläufiges Ende gefunden. Terry Childs, der Netzwerkexperte, der die Verantwortlichen der Stadt San Francisco durch eine Änderung der Passwörter von Switches und Routern aus ihrem eigenen Stadt-Netzwerk ausgesperrt hat, hat nach einer Woche Gefängnis und einem persönlichen Besuch des Bürgermeisters Gavin Newsom nachgegeben. Wie der 'San Francisco Chronicle' berichtet, gab Childs dem Bürgermeister einen Teil des Codes, und nachdem auch die Anwältin von Childs weitere Informationen gegeben hatte, gelang den Experten der Stadt der Zugriff auf die Geräte, zu denen sie rund einen Monat lang keinen Zugang hatten.
Newsom scheint psychologisch geschickt vorgegangen und dem Ego des Beschuldigten geschmeichelt zu haben. Schon letzte Woche erklärte er in der Öffentlichkeit, der Mann sei in seinem Job "sehr gut" gewesen, bevor er dann vielleicht "ein bisschen manisch" geworden sei. Nach einem viertelstündigen Gespräch im Gefängnis hatte der als charmant bekannte Newsom Childs dann soweit, dass dieser einlenkte. Eine allfällige Strafreduktion scheint dabei nicht ausgehandelt geworden zu sein, aber Childs dürfte nun auf eine Reduktion seiner Kaution von 5 Millionen Dollar hoffen können.
Childs scheint sich damit verteidigen zu wollen, dass er eigentlich nur gutes im Sinn gehabt habe. Er habe gute Gründe gehabt, um die Passwörter zu schützen, schreibt seine Anwältin Erin Crane in einer Eingabe ans Gericht. Angestellte der Stadt hätten durch dilettantische Aktionen das Netzwerk, das Childs selbst gebaut habe, gefährdet, und ihn dann ungerechtfertigterweise entlassen wollen. Mitarbeiter und Vorgesetzte hätten das Netzwerk schon in der Vergangenheit beschädigt – zu Beispiel durch das Einschleusen von Viren - und ihn bei seinen Unterhaltsarbeiten behindert, während sie selbst völlig achtlos damit umgegangen seien.
In ihrer Verteidigung weist die Anwältin aber auch auf einen grundsätzlichen Missstand hin, der, wie Studien zeigen, vielerorts ein Problem beim Management von Netzwerken darstellen könnte: Die Verantwortlichen hätten es versäumt, klare Regeln für den Umgang mit Administrationspasswörtern aufzustellen. So habe es zum Beispiel auch keine klaren Regeln dafür gegeben, ob und an wen genau Childs seine Passwörter überhaupt hätte weiterreichen dürfen. (Hans Jörg Maron)
(Foto: Chance Gardener, Creative Commons)

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