Geiz ist nicht geil im Detailhandel, findet Unia

7. Juli 2005, 11:39
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Die Gewerkschaft fordert höhere Löhne sowie eine Gleichstellung der Frauen und wendet sich gegen die "Verwilderung" der Arbeitsbedingungen.

Die Gewerkschaft fordert höhere Löhne sowie eine Gleichstellung der Frauen und wendet sich gegen die "Verwilderung" der Arbeitsbedingungen.
Im Schweizer Detailhandel allgemein sind ebenso wie in den IT/UE-Abteilungen und -Töchtern der grossen Retailketten im speziellen in den letzten Jahren viele Arbeitsplätze abgebaut worden. Dadurch wurde, wie die Gewerkschaft Unia konstatiert, die Produktivität zum teil massiv gesteigert. Im letzten Jahr zum Beispiel sei der Umsatz pro Angestelltem im Detailhandel allgemein um 4 Prozent gestiegen. "Die Produktivitätsgewinne wurden an alle verteilt, ausser an das Personal", meinte dazu Andreas Rieger, Co-Leiter des Sektor Tertiär von Unia.
Ausserdem liegen die Löhne im Schweizer Detailhandel, wie die Gewerkschaft anhand einer Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF)zeigt, im Schnitt einiges tiefer als in anderen Industrien, insbesondere für Frauen. Die Angestellten im Detailhandel verdienen zum Beispiel gemäss der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2002 durchschnittlich 21 Prozent weniger als die Erwerbstätigen in der Metallindustrie, 22 Prozent weniger als Bauarbeiter und 15 Prozent weniger als Automechaniker oder Autohändler mit gleicher Ausbildung. Frauen verdienen sogar 27 respektive 26 und 19 Prozent weniger als ihre Kollegen in den erwähnten drei Branchen.
Die Unia will nun eine aktive Kampagne führen, um die Arbeitsbedingungen im Retail zu verbessern und die Verbreitung von Gesamtarbeitsverträgen zu fördern. GAVs gibt es in der Schweiz gemäss Unia zum Beispiel bei Coop, Migros und Globus. Viele kleine Detaillisten aber unter anderem auch media Markt, Manor oder Aldi seien gegen einen GAV. Lidl habe sich noch nicht geäussert. Bei Carrefour sei noch keine Entscheidung gefallen.
Konkret fordert die Unia eine Annäherung der Löhne der Frauen an die der Männer und einen Mindestlohn von 4000 Franken im Monat für "Gelernte und Erfahrene". Die Unia glaubt, gestützt auf eine Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF), dass sich dies nur minimal auf die Konsumentenpreise auswirken würde. Ausserdem möchte die Unia, dass bisherige Errungenschaften der Beschäftigten (5. und 6. Ferienwoche, 41-Stunden-Woche usw.) geschützt werden und aktuelle Trends bei den Arbeitsbedingungen, welche die Unia als "Verwilderung" bezeichnet (Arbeit auf Abruf, Stunden- statt Monatslohn, unbezahlte Überstunden) gestoppt werden. (Hans Jörg Maron)

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