Genf will sich zur Smart City befördern

30. Juni 2021, 09:52
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Der Kanton verfolgt den Ansatz einer Smart City 3.0 nach skandinavischem Vorbild.

"Das Gebiet umgestalten, für und mit seinen Bewohnern", lautet der Slogan, mit welchem der Kanton Genf die Initiative "Smart Geneva" lanciert hat.
Die Initiative soll den Kanton nicht Top-Down "smarter" und damit ökologisch nachhaltiger machen, sondern durch Vernetzung und Förderung von konkreten Projekten und Akteuren. Bis anhin gebe es zwar vielversprechende Smart-City-Projekte, so die Medienmitteilung, diese seien aber verstreut, nicht wirklich koordiniert und unsichtbar in der Öffentlichkeit.
Dies soll sich nun ändern. Private, staatliche und wissenschaftliche Kreise sollen sich via eine Online-Plattform und Events vernetzen, so dass eine lebendige Community entsteht.
Zudem kann man sich als Förderer und Vermittler zwischen privaten, halbstaatlichen und akademischen Projektleitern und den verschiedenen Ämtern und Diensten des Kantons Genf engagieren, heisst es weiter.
Ausserdem soll in den kommenden Jahren eine Datenbank mit Informationen zu Smart-City-Experimenten und gemachten Erfahrungen aufgebaut werden.
"Es geht darum, ein Ökosystem zu schaffen, das die Innovation in diesem Bereich anregt, indem innovative Projekte gefördert werden. Wir selbst sind nicht als Inkubator oder Accelerator gedacht. Unsere Aufgabe ist es, das Netzwerk zu beleben und den Zugang zu Inkubatoren oder anderen Ressourcen zu erleichtern, insbesondere im Hinblick auf die Finanzierung", erklärt Patrick Montier, Smart City Manager des Kantons dem 'ICTjournal'.
Damit ist Genf nicht allein. Die Regierungen haben gelernt, dass Top-Down-Initiativen oder ein Masterplan-Ansatz nicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren sind. Treiber für den Erfolg sind kollaborative und partizipative bürger- oder menschenzentrierte Ansätze, das hat sich überall gezeigt.
Der Kanton hat zum Start 9 Projekte ausgewählt, die man insbesondere kommunikativ unterstützt. Nicht alle haben einen relevanten Technologieanteil, aber sie erfüllen die "Smart-Geneva"-Kriterien.
Der Genfer Autosalon oder das CERN sind nicht darunter, dafür ein Urban-Farming-Projekt, ein Crowdfunding-Projekt oder eines rund um Co-Working und Wohngemeinschaften. Eher technologielastig sind hingegen ein Routenplaner für Velo-Pendler, eine Telemedizin-Plattform des Universitätsspitals HUG oder Pilotprojekte mit vernetzten Bus-Haltestellen. 

Technologie im Dienste des Klimaschutzes

"Das Konzept der Smart City hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt. Smart City 1.0 stellte die Technik in den Mittelpunkt, während Smart City 2.0 sie in den Dienst der Kommunen stellte. Heute sprechen wir über Smart City 3.0, was dem entspricht, was in den skandinavischen Ländern gemacht wird und darin besteht, Technologie in den Dienst des Gebietes zu stellen, um den Herausforderungen der Urbanisierung und der globalen Erwärmung zu begegnen. In unserer Vision setzt die Smart City digitale Technologien sinnvoll ein, indem sie zum Beispiel darauf achtet, Sensoren sparsam einzusetzen, da diese sehr energieaufwendig sein können. Das heisst, wir sind nicht gegen Technologie für nachhaltige Städte, sondern betrachten sie einfach als ein Mittel, um Informationen zu sammeln", so Montier im Interview.
Wichtige Auswahlkriterien des Kantons sind zudem, dass sowohl das Projekt als auch die dafür Verantwortlichen lebensfähig sind, wie gross das Potenzial für Arbeitsplätze ist und ethische Fragen. "Wir bewerten den Nutzen für die verschiedenen Aspekte einer Smart City, wie Umwelt, Mobilität, Gesundheit, Kreislaufwirtschaft und das Wohlbefinden der Einwohner", erklärt der Leiter der Initiative.
Er hofft, dass auch das französische Grenzgebiet irgendwann eingebunden werden kann. "Genf wird 2030 eine Smart City" sein, versprechen die Verantwortlichen.

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