Genfer Kantons-IT unter Beschuss

2. Juli 2013, 07:42
  • e-government
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15 Manntage für das Einsetzen von 13 SIM-Kärtchen: Unklare Zuständigkeiten, zu viele Externe, Doppelspurigkeiten, unrealistische Aufwandseinschätzungen und vieles mehr.

15 Manntage für das Einsetzen von 13 SIM-Kärtchen: Unklare Zuständigkeiten, zu viele Externe, Doppelspurigkeiten, unrealistische Aufwandseinschätzungen und vieles mehr.
Der Genfer Kantons-IT, die seit 1998 schon mehrmals neu "gestrählt" wurde, dürfte eine weitere Reorganisationsrunde bevorstehen. Der Genfer Rechnungshof hat sich in den letzten Monaten die Kantons-IT zur Brust genommen und äussert in einem aktuellen Bericht heftige Kritik. Einige der Kritikpunkte sind neu, andere werden schon seit Jahren moniert. Der Staatsrat Pierre Maudet, in dessen Verantwortungsbereich als Leiter des Genfer Sicherheitsdepartements die Überwachung der Kantons-IT gehört, hat bereits auf den Bericht reagiert und in einer Stellungnahme gegenüber 'Le Temps' versprochen, die Kantonsinformatik wieder "aufs Gleis" zu bringen. Maudet hatte selbst die Betriebsprüfung durch den Rechnungshof beantragt.
Der Kanton Genf gebe viel Geld aus für die IT, rechnet der "Cour des Comptes" in seinem Bericht vor. Letztes Jahr wurden insgesamt rund 158 Millionen Franken für den laufenden Betrieb ausgegeben, sowie zusätzlich rund 70 Millionen Franken an Sammel- und Objektkrediten für neue Projekte gesprochen. Diese hohen Ausgaben, kombiniert mit der immer weiter zunehmenden Bedeutung der IT für das Funktionieren der Verwaltung, würden ein hohes Risiko bedeuten, was Mängel in der Steuerung und Betriebsführung besonders schwerwiegend mache. Der Rechnungshof konstatiert solche Mängel insbesondere bei der Direction générale des systèmes d’information (DGSI), der übergreifenden IT-Abteilung des Kantons, aber auch in den Informatikorganisationen der einzelnen Departemente.
Zuwenig Governance
Der Rechnungshof beanstandet unter anderem, dass es kein Organ zur Gesamtsteuerung und -Überwachung der IT auf höchster Ebene gebe, und empfiehlt dringend, eine solches zu schaffen. Die Zusammenarbeit des DGSI mit den Departementen sei oft ineffizient, und es gebe viele Doppelspurigkeiten. Zudem gebe es eine Vielzahl von Akteuren mit unklaren Rollendefinitionen und verschiedenste Methoden würden angewandt, was strategische Technologieentscheidungen sowie die Planung und Überwachung ungemein erschwere.
Des weiteren bemängelt der Rechnungshof die Art der der Ressourcenplanung und -Zuteilung. Diese stelle wohl in manchen Projekten eher eine Rechtfertigung des bestehenden Personalbestands als eine Abbildung der tatsächlichen Projektbedürfnisse dar. So seien in einem Projekt nicht weniger als 15 Manntage für eine Aufgabe eingerechnet worden, die im wesentlichen daraus bestand, 13 Notebooks mit UMTS-SIM-Kärtchen auszurüsten - das scheine doch etwas "schwierig zu rechtfertigen", so der Rechnungshof. In einem anderen Fall reduzierte die DGSI eine Aufwandschätzung um beinahe die Hälfte, nachdem das betroffene Departement einen externen IT-Dienstleister angefragt hatte. Zudem würden Zeitabrechnungen verspätet abgliefert und seien oft ungenau.
Ähnliches gilt laut dem Rechnungshof auch beim Einsatz und der Überwachung von externen Mitarbeitenden, die oft höhere Kosten verursachen würden. Zudem scheine deren Anteil generell sehr hoch. Die DGSI verzeichnete per Ende März 367 Vollzeitäquivalentstellen. Der von externen IT-Mitarbeitenden verrechnete Aufwand betrage demgegenüber weitere 194 Vollzeitäquivalente, was einem Anteil von über einem Drittel entspricht. (hjm)

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