Gestohlene Tapes: Swisscom prüft rechtliche Schritte gegen NZZ

20. Dezember 2013, 12:17
  • security
  • swisscom
  • technologien
image

Untersuchung zu Swisscom-Datendiebstahl sistiert. Swisscom ist verärgert und prüft eine Klage gegen die Zeitung.

Untersuchung zu Swisscom-Datendiebstahl sistiert. Swisscom ist verärgert und prüft eine Klage gegen die Zeitung.
Das Verfahren im Zusammenhang mit dem Diebstahl von vier Swisscom-Datenbändern ist sistiert worden. Swisscom-Sprecher Carsten Roetz bestätigte einen entspricht Bericht der 'NZZ' vom Freitag. In dem Bericht enthüllte die 'NZZ' auch neue Details zu den entwendeten Daten. Die Swisscom prüft nun rechtliche Schritte gegen die Zeitung.
Die 'NZZ' hatte den Diebstahl der Sicherheitskopien aus zwei Rechenzentren von Swisscom im Kanton Bern im Herbst aufgedeckt, nachdem ihr die Bänder zugespielt worden waren.
Die Swisscom hatte darauf Strafanzeige eingereicht. "Die zuständige Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat uns kürzlich mitgeteilt, dass die Ermittlungen sistiert wurden, weil der unbekannte Täter nicht habe ermittelt werden können", sagte Swisscom-Sprecher Roetz gegenüber der Nachrichtenagentur 'sda'.
Damit wurde das Verfahren nicht eingestellt, sondern nur auf Eis gelegt. Ein Grund, dass die Ermittlungen im Sand verlaufen sind, "ist, dass die 'NZZ' sich auf den Quellenschutz berufen hat", sagte Roetz.
Daten von Prominenten
Die vier Bänder mit Backups aus den Jahren 2008 bis 2010 enthalten gemäss der 'NZZ' rund 60 Millionen Datensätze - neben rund 600'000 Telefonnummern auch Swisscom-interne E-Mails sowie weitere Internas des grössten Schweizer Telekom-Anbieters.
Unter den entwendeten Daten soll auch eine Liste mit 972 Prominenten sein, darunter Bundesräte, National- und Ständeräte und Exponenten der Wirtschaft, wie die 'NZZ' am Freitag berichtete.
Auch Stars aus Sport, Kunst und Showbusiness sind gemäss NZZ auf dieser Liste zu finden. Demnach sind auf der Liste Wohn- und Mail-Adressen, Handy- und Festnetznummern sowie das Geburtsdatum der Prominenten festgehalten. Dabei nannte die 'NZZ' auch einige Namen
Swisscom-Sprecher Roetz wollte diese Angaben nicht kommentieren. Man sei derzeit noch immer dabei, die von der 'NZZ' der Swisscom übergebenen Bänder auszuwerten. "Nach unserem Kenntnisstand sind aber auf den Bändern keine heiklen Daten wie Passwörter oder Verbindungsdaten zu finden", fügte er aber an.
Daten kopiert?
Die 'NZZ' hatte im Herbst drei der vier Bänder zurückgegeben. Das vierte Band wurde gemäss der Staatsanwaltschaft von der Zeitung an die Quelle zurückgegeben und von dieser vernichtet, sagte Roetz.
Nach der neusten Veröffentlichung der Zeitung zum Inhalt der Bänder ist für Swisscom klar, "dass die 'NZZ' die Bänder kopiert und weiter ausgewertet hat".
Die Swisscom prüfe deshalb rechtliche Schritte gegen die Zeitung. "Wir drängen darauf, dass auch diese Daten vernichtet werden", sagte er. "Bislang weigert sich die 'NZZ'."
Die Swisscom verurteilte ferner die Veröffentlichung von Namen in der Ausgabe vom Freitag. "Für eine solche Veröffentlichung besteht aus unserer Sicht kein öffentliches Interesse", sagte Roetz. Damit verletze die 'NZZ' vielmehr die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Swisscom prüfe auch hier rechtliche Schritte.
Swisscom hat sich in einer Stellungnahme ausführlich zum Thema geäussert. (sda/mim)

Loading

Mehr zum Thema

image

Cybersecurity bei EY

Mit dem Cybersecurity Team unterstützen wir bei EY unsere Kundinnen und Kunden bei der Risikominimierung von Cyberangriffen.

image

Gibt Swisscom im Glasfaserstreit nach?

Bald können private Kundinnen und Kunden bei Swisscom wieder Glasfaser-Anschlüsse bestellen – und zwar in Form einer P2P-Anbindung.

publiziert am 6.10.2022 3
image

Cyberkriminelle veröffentlichen Daten von Läderach

Einen Monat nach dem Cyberangriff auf den Schweizer Chocolatier sind mehrere Datenpakete im Darknet aufgetaucht. Läderach erklärt uns, die Situation genau zu beobachten.

publiziert am 6.10.2022
image

Bruce Schneier: "Man wird nie sicher sein, dass E-Voting nicht manipuliert wurde"

Kryptographie-Guru Schneier war kürzlich in Zürich. Wir haben mit ihm über E-Voting, Cybersicherheit und die US-Zentralbank gesprochen.

publiziert am 6.10.2022 6