Gesunde "Giftpillen" (für Peoplesoft-Kader)

22. September 2004, 22:00
  • international
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"Poison pills" nennt man aktienrechtliche Bestimmungen, die eine feindliche Übernahme erschweren sollen. Peoplesoft wehrt sich mit solchen gegen die Übernahme durch Oracle.

Haben Sie "Troy" gesehen? Können Sie sich Oracle-Chef Larry Ellison in der Rolle von Brad Pitt in der Rolle des schrecklich-wahnsinnigen Troja-Belagerers Achilles (Bild) vorstellen? Wir schon. Schliesslich gleicht die Übernahmeschlacht zwischen Oracle und Peoplesoft je länger desto mehr einem klassischen epischen Drama. Auf der einen Seite Oracle mit seinen Dollar-Armeen, auf der anderen Seite der US ERP-Hersteller Peoplesoft hinter dicken Mauern aus Argumenten und Anti-Trust-Klagen. Die Rolle der Götter übernähmen in unserem Bild die Gerichte in den USA und Euroland.
Für einmal profitieren nun auch die "Soldaten", sprich Angestellten und Kader von Peoplesoft von der Schlacht. Wie die US Wirtschaftszeitung "The Wall Street Journal" berichtet, werden sie höhere Entschädigungen im Falle einer Entlassung nach einer allfälligen Übernahme erhalten. Den "Executives" würden 150 bis 200 Prozent eines Jahresgehaltes (+ Bonus, + 2 Jahre Krankenkasse) gegeben, einfache Angestellte könnten immerhin noch mit mindestens dem Lohn für 12 Wochen rechnen (+ 12 Wochen Krankenkasse). Wer länger bei Peoplesoft gearbeitet hat, würde mehr bekommen.
Obwohl Peoplesoft einen direkten Zusammenhang mit dem feindlichen Übernahmeangebot von Oracle verneint, ist der Zusammenhang klar. Oracle hatte angekündigt, im Falle einer Übernahme die Zahl der Stellen bei Peoplesoft (zur Zeit etwa 12'000) massiv zu reduzieren. Eine solches Unterfangen soll den amerikanischen Datenbankspezialisten mit den neuen Regelungen vergällt werden. Eine süsse Giftpille – sozusagen.
(Christoph Hugenschmidt)

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