Getronics wieder tiefrot - Böse Gerüchte um CEO Wagenaar

1. März 2007, 17:13
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    Die holländische Börsenaufsichtsbehörde AFM hat gestern bekannt gegeben, dass sie eine Untersuchung über den international tätigen IT-Dienstleister Getronics gestartet habe.

    Die holländische Börsenaufsichtsbehörde AFM hat gestern bekannt gegeben, dass sie eine Untersuchung über den international tätigen IT-Dienstleister Getronics gestartet habe. AFM gab nicht bekannt, was die Ursache für die Untersuchung ist. Die holländische Wirtschaftzeitschrift "Het Financieele Dagblad' berichtet aber, dass es dabei um das Verhalten von Getronics bei der Bekanntgabe von Verlusten der italienischen Niederlassung Anfangs des letzten Jahres gehe. Der Artikel vergrössert auch die persönlichen Sorgen von Getronics-CEO Klaas Wagenaar: Gemäss dem Wirtschaftblatt untersuche AFM die Möglichkeit, dass Wagenaar schon mehrere Wochen vor der Bekanntgabe der Verluste darüber Bescheid gewusst habe.
    Dabei hat Wagenaar wohl schon genügend Schwierigkeiten am Hals: Ebenfalls gestern gab Getronics bekannt, dass 2006 ein Verlust von 192 Millionen Euro verbucht werden müsse, nachdem 2005 noch ein knapper Gewinn von vier Millionen Euro resultierte. Rund 65 Millionen Euro des Verlustes stammten aus Abschreibern in Grossbritannien, Belgien und den USA. Der Umsatz stieg dagegen um 4 Prozent auf 2,63 Milliarden Euro.
    Ein unglückliches Jahr
    Getronics hat in den letzten Jahren immer wieder unter seiner hohen Schuldenlast gelitten und einige Male hohe Verluste eingefahren. Inzwischen wurde der Schuldenberg aber deutlich abgetragen. Der Verlust 2006 war nun jedoch deutlich höher, als Analysten nach einigen bereits bekannt gewordenen Missgeschicken des Jahres angenommen hatten. In Januar hatte Getronics bekannt gegeben, dass man die italienische Niederlassung wegen der harten Marktbedingungen und der Verschiebung eines grossen Outsourcing-Projekts der Regierung verkaufen wolle. Im März musste Getronics dann zugeben, dass der Managing Director und der Finanzchef der Niederlassung wegen "absichtlicher Falschdarstellung" in Berichten an ihre Vorgesetzten entlassen worden seien.
    Im Juni konnte Getronics seine italienische Niederlassung dann an Eutelia abstossen. (Für einen symbolischen Verkaufpreis von einem Euro.) Damit war aber noch nicht genug: Es folgten Schwierigkeiten mit den kreditgebenden Banken, die erst nach der Ankündigung des Verkaufs der holländischen HR-Bereichs wieder die volle Kreditlinie gewährten. Zusammen mit den Anfangs August bekannt gegebenen schlechten Zahlen der ersten Halbjahrs führte dies zu einem Kurssturz der Aktie um 40 Prozent und einer Verschlechterung des Kreditratings, worauf Getronics zu weiteren Verkäufen und einigen Stellenstreichungen gezwungen wurde. (hjm)

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