Glarner Versicherung bricht Projekt mit Glaux Soft ab

5. April 2019, 09:56
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Die Versicherungsprozesse hätten auf der vorgesehen Basisapplikation nicht abgebildet werden können.

Die Versicherungsprozesse hätten auf der vorgesehen Basisapplikation nicht abgebildet werden können.
Ende März publizierte die Glarner Versicherung GlarnerSach den Geschäftsbericht 2018. Das Unternehmen muss zwar rote Zahlen schreiben, sei in allen Unternehmensbereichen aber hervorragend kapitalisiert, hiess es. Die negativen Jahresergebnisse könnten problemlos über die vorhandenen Kapitalreserven gedeckt werden.
Den "wirklichen Wermutstropfen im 2018" bildete Unternehmensangaben zufolge der Abbruch eines IT-Projektes. Es hätte die Versicherung in die digitale Zukunft führen sollen, teilte der Versicherer mit. Hansueli Leisinger, Geschäftsführer der GlarnerSach, sagt gegenüber inside-it.ch, dass man sich mit dem Anbieter über einen "einvernehmlichen Abbruch" geeinigt habe.
Man habe gemerkt, dass die Prozesse bei der GlarnerSach zu komplex seien, um auf der Plattform des Anbieters abzubilden. Die komplexen Versicherungsprozesse hätten auf der vorgesehen Basisapplikation nicht abgebildet werden können, so Leisinger. Der Glarner Versicherung entstand dadurch ein Abschreiber von 870'000 Franken. Dem stünden immerhin "zahlreiche Konzepte, Prozesse und das Datenmodell" gegenüber, heisst es im Geschäftsbericht.
Um welchen Anbieter, respektive um welches IT-Projekt es sich konkret handelt, wollte Leisinger nicht bekannt geben. Es ist aber davon auszugehen, dass es sich um den vor rund drei Jahren ausgeschriebenen Auftrag zur Einführung einer neuen Fachapplikation handelt. Die GlarnerSach schrieb das Projekt gemeinsam mit der Nidwaldner Sachversicherung (NSV) aus. Wie aus einer Publikation auf Simap hervorgeht, suchten die Unternehmen eine Fachapplikation, die alle Geschäftsbereiche – Versicherung, Prävention, Intervention – abdecke. Ein Zuschlag in Höhe von 2,3 Millionen Franken ging 2016 an die Softwarefirma Glaux Soft.
Das Unternehmen meldete im Herbst 2016 die beiden Versicherungen als Kunden gewonnen zu haben. Mit einem IT-Projekt sollen die Anwendungen, die seit 2002 im Betrieb sind, abgelöst werden. Auf Anfrage von inside-it.ch wollte Glaux dies nicht bestätigen. Man könne den Geschäftsbericht nicht kommentieren, da dies Sache und in der Verantwortung der GlarnerSach sei, schreibt uns Glaux.
Wie geht es bei der GlarnerSach nun weiter? Das Unternehmen werde die bestehenden Applikationen weiter entwickeln und auf diesen einen Aufbau realisieren, so Leisinger.
Und wie läuft das zweite Glaux-Projekt in Nidwalden? Man sei gut unterwegs, erklärt NSV-Geschäftsführer Peter Meyer. Das Projekt laufe und die Software werde eingeführt.
Während beide Versicherungen Gebäudeversicherungen im Monopol anbieten, offeriert die GlarnerSach zusätzlich Versicherungen für Unternehmenskunden im Wettbewerb, darunter etwa Hausrat, Gebäudezusatz-, Landwirtschafts- und Betriebsversicherungen. Dies macht die Abläufe komplexer. (Katharina Jochum)

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