Glasfaserlobby fordert mehr Bandbreite

8. Juni 2011, 08:37
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Das FTTH Council Europe schaut in die Zukunft und sagt: Der Bandbreitenbedarf steigt exponentiell. Die Provider allerdings würden sich drücken.

Das FTTH Council Europe schaut in die Zukunft und sagt: Der Bandbreitenbedarf steigt exponentiell. Die Provider allerdings würden sich drücken.
"Was bedeutet 100 MBit/s für den Nutzer?" Das fragt Nadia Babaali, Communications Director der Industrieorganisation FTTH Council Europe, rhetorisch in einem heute veröffentlichten Kommentar. Die wenigsten Internet-Nutzenden können dies beantworten, denn über diese Bandbreite verfügten nur 0,5 Prozent alle Internet-Surfer in Europa.
Gesetz der Bandbreite
Darum will Babaali Provider und Netzbetreiber in die Pflicht nehmen: Nur ein zügiger Ausbau der Glasfaser-Breitband-Vernetzung könne dem rasant ansteigenden Bandbreitenbedarf gerecht werden.
Dass für Babaali und das FTTH Council Europe ausgerechnet Glasfaser die einzige Option sein soll, erstaunt nicht. Es drängt sich allerdings die Bemerkung auf, dass die Kabelnetzbetreiber den steigenden Bedarf nach Bandbreite mit HFC-Netzen stillen wollen.
"Betrachtet man die historische Entwicklung, stellt man, wenig überraschend, fest, dass der Bandbreiten-Bedarf von Jahr zu Jahr stark ansteigt", stellt Babaali fest. "Schnellere Computer verlangen nach mehr Kapazität, hochauflösende Monitore und der Trend zum Bild- und Video-Download tun ein Übriges", schreibt die Lobbyistin mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im europäischen Technologie-Sektor.
Tatsächlich sei der Anstieg der Übertragungsraten derart vorhersehbar, dass der Internet-Usability-Papst Jakob Nielsen vor zehn Jahren daraus sein "Law of Internet Bandwidth" abgeleitet habe. Es besagt, dass der Bandbreiten-Bedarf jährlich um etwa 50 Prozent ansteigt. Bis heute habe die Entwicklung seine Vorhersage gestützt.
Huhn-Ei-Problem
"Wir werden oft gefragt, wer denn die enormen Übertragungsraten von FTTH überhaupt braucht", schreibt Babaali weiter. Diese gebe es durchaus, viele Internet-Applikationen würden weniger Service bieten, weil die Bandbreite nicht ausreiche. Auch Applikationen im E-Learning- oder in E-Health-Bereich würden von überholter Übertragungstechnik ausgebremst. Mit einer normalen DSL-Verbindung sei es beispielsweise schwierig, Videos, Sounds oder Landkarten im E-Learning einzusetzen. "E-Learning schreit geradezu nach höherer Bandbreite."
Die Provider allerdings würden keine ausreichende Bandbreite zur Verfügung stellen, weil sie angeblich gar nicht benötigt werde. Babaali: "Das ist ein klassisches Huhn-Ei-Problem."
Diese Ausführungen der Vertreterin der Glasfaserindustrie erinnern an die Diskussion um die Durchsetzung des digitalen Audiofunks (DAB): Jahrelang verlangten Hersteller von Radiogeräten und Radiostationen, dass die andere Seite den ersten Schritt tun müsse. (pk)

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