Glasfasern: Duell der Bagger in Weinfelden

20. April 2011, 14:31
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In den meisten grossen Schweizer Städten haben sich die jeweiligen kommunalen Werke nach anfänglichen Plänen zum Alleingang beim Bau von Glasfasernetzwerken bis in die Haushalte letzlich doch zu einer Zusammenarbeit mit Swisscom entschlossen.

In den meisten grossen Schweizer Städten haben sich die jeweiligen kommunalen Werke nach anfänglichen Plänen zum Alleingang beim Bau von Glasfasernetzwerken bis in die Haushalte letzlich doch zu einer Zusammenarbeit mit Swisscom entschlossen. Im kleinen Städtchen Weinfelden im Thurgau läuft dies zumindest vorerst noch anders. Die ortsansässigen Technischen Betriebe Weinfelden (TBW) haben bereits letztes Jahr mit der Erschliessung der ersten Haushalte begonnen. Da seit 2009 laufende Verhandlungen mit den TBW zu keinem Ergenbis geführt hätten, teilt Swisscom heute mit, sehe man nun "keine andere Möglichkeit, als selber zu bauen." Der parallele Bau des Swisscom-Glasfasernetzes soll Ende Sommer beginnen.
Die TBW arbeiten für das Glasfasernetz mit dem Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) zusammen, das eine "Thurgauer Lösung" für die "Fiber-to-the-home"-Netze propagiert. Die TBW sind in Weinfelden für den "Layer 1", die physische Infrastruktur verantwortlich, also die Verlegung der Kabel von den Verteilstationen bis zu den Haushalten. Das EKT ist für den "Layer 2" verantwortlich, die optischen Komponenten und die eigentliche Telekommunikationsinfrastruktur, und finanziert diesen auch. TBW und EKT wollen das Glasfasernetz wie üblich in einem "Open Acess"-Modell vermieten, damit verschiedene Serviceprovider darauf den Haushalten ihre Dienste anbieten können.
Swisscom möchte aber auch in Weinfelden eine Glasfaser für sich allein. Swisscom moniert, dass die TBW in den Verhandlungen "leider kein Interesse an einer Ausbaukooperation oder an einem Angebot für Swisscom, unbeleuchtete Glasfasern von TBW zu beziehen", gezeigt hätten.
Nun beginnt Swisscom also mit dem Bau des Netzwerks auf eigene Rechnung und verlegt dabei wie andernorts auch gleich vier Fasern auf einmal. Dabei versucht der Ex-Monopolist auch etwas "moralischen Druck" auf die TBW aufzubauen. Der parallele Ausbau der Netze führe "zu höheren Ausbaukosten und höheren Emissionen für die Weinfeldner Bevölkerung."
Immerhin hält Swisscom-Sprecher Olaf Schulze den TBW noch einen Palmenzweig entgegen: "Wir beginnen mit dem Ausbau absichtlich 'am anderen Ende' von Weinfelden. Sollten wir uns also doch noch mit den TBW einigen können, hätten wir keine doppelten Anschlüsse", sagte er im Gespräch mit der 'Thurgauer Zeitung'. Swisscom will die Verhandlungen mit den TBW fortführen und glaubt laut Schulze, dass man letztendlich das Netz doch noch gemeinsam beenden werde. (hjm)

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