Goldman Sachs tastet sich ins Quanten-Computing vor

12. Dezember 2019, 16:26
image

Die US-Grossbank erhofft sich schon bald neue Möglichkeiten durch Quantencomputer. Aber wann bedrohen sie die Sicherheit der Kryptographie?

Die US-Grossbank erhofft sich schon bald neue Möglichkeiten durch Quantencomputer. Aber wann bedrohen sie die Sicherheit der Kryptographie?
Die US-Grossbank Goldman Sachs hat bekannt gegeben, dass sie erste Test durchführt, die zeigen sollen, ob und wie gewisse für Finanzinstitute wichtige Berechnungen durch Quantencomputer beschleunigt werden können. Konkret geht es beispielsweise um den Monte-Carlo-Algorithmus, mit dem der Wert von Kaufs- der Verkaufs-Optionen berechnet wird. Traditionelle Computer brauchen für komplexere Berechnungen für ein grosses Portfolio viele Stunden, Quantencomputer könnten theoretisch wesentlich schneller sein.
Eine Wette auf das Tempo der Entwicklung
Das Stichwort hier ist theoretisch. Die grosse Frage ist, wie lange es dauern wird, bis in der Praxis einsetzbare, programmierbare Quantencomputer erhältlich werden. Dies weiss man auch bei Goldman Sachs. "Wir machen hier offensichtlich eine Wette", sagte dazu der Projektverantwortliche Paul Burchard gegenüber dem 'Wall Street Journal'. "Wir wetten, dass es sich lohnt, schon jetzt und sehr früh die Technologie zu verstehen. Aber es gibt grosse Unsicherheiten darüber, wann gewisse Dinge eintreten werden."
Google hat kürzlich bekannt gegeben, dass es einem Forscherteam gelungen sei, mit einem Quantencomputer in wenigen Minuten eine Berechnung durchzuführen, für die ein traditioneller Supercomputer 10'000 Jahre benötigt hätte. Aber auch Experten sind sich nicht darüber einige, wie sehr man dadurch einem universell einsetzbaren Quantencomputer näher gekommen ist.
Finanzindustrie schnell betroffen
Bei Goldman Sachs wettet man darauf, dass es nicht mehr allzu lange dauern könnte. Und wenn es so weit ist, könnte die Finanzindustrie eine der ersten sein, die davon profitiert. Ein Vertreter von Goldman Sachs erklärte gemäss dem 'Wall Street Journal' kürzlich, dass ein Quanten-Algorithmus für ein finanzielles Problem in Tagen oder Wochen implementiert werden könnte.
Hingegen würde es immer noch Jahre dauern, ein von einem Quanten-Computer entwickeltes neues Material oder Medikament zu testen und von den Behörden bewilligen zu lassen.
Ab wann braucht es quantensichere Verschlüsselung?
Ein Gebiet, auf das funktionierende Quantencomputer ebenfalls schnell einen disruptiven Einfluss haben werden, ist Security. Wenn es diese Computer einmal gibt, so wird erwartet, werden sie innert kürzester Frist sämtliche heute verwendeten kryptographischen Schlüssel knacken können und damit obsolet machen. Deshalb werden vielerorts bereits neue, "quantensichere" Verschlüsselungsmethoden entwickelt.
Ein Vertreter des renommierten Instituts NIST (National Institute of Standards and Technology), das unter anderem IT-Security-Empfehlungen für US-Behörden ausarbeitet, erklärte letzte Woche, dass man sich durch die Google-Bekanntgabe nicht allzu sehr aufschrecken lassen sollte. Noch werde es Jahre dauern, bis Quantencomputer die heute verwendeten Schlüssel knacken könnten. Deshalb könne man sich auch bei der Umstellung auf neue Methoden noch etwas Zeit lassen.
Jahre, aber nicht mehr Jahrzehnte
Auch das NIST geht aber offensichtlich davon aus, dass es nur noch Jahre, und nicht mehr Jahrzehnte dauern wird: Zwischen 2022 und 2024 will man Standards für quantensichere Verschlüsselung parat haben.
Laut einer aktuellen Umfrage glauben rund drei Viertel der Security-Professionals in Europa und den USA, dass Quantencomputer innert fünf Jahren die heute verwendeten Schlüssel werden knacken können.
Goldman Sachs arbeitet für seine Tests mit Quantencomputern übrigens mit dem US-Startup QC Ware zusammen. Dieses bietet Kunden Zugang zu Quanten-Hardware von Unternehmen wie D-Wave, Rigetti und IBM. Ausserdem hilft es Kunden bei der Entwicklung von Quantenalgorithmen. Goldman Sachs gehört selbst zu den Investoren von QC Wave. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Github macht KI-Tool Copilot breit verfügbar

Mit Hilfe von KI soll Entwicklern die tägliche Arbeit erleichtert werden. Copilot ist nun als Erweiterung für gängige Editoren allgemein verfügbar.

publiziert am 24.6.2022
image

Arbeiten in der virtuellen Welt ist anstrengend

Wie fühlt es sich an, eine Woche lang in der virtuellen Welt zu arbeiten? Eine Studie zeigt, nicht sehr gut, aber vielleicht gewöhnt man sich (ein bisschen) daran.

publiziert am 23.6.2022
image

Amazons Alexa soll die Stimmen von Toten imitieren

Alexa wird laut Amazon auch Stimmen von Lebenden imitieren können, illustriert dies aber mit einem eher makabren Beispiel.

publiziert am 23.6.2022 1
image

Microsoft definiert verantwortungsvolle KI

Durch einen einheitlichen Standard soll der Zugang zu gewissen Machine-Learning-Technologien eingeschränkt werden. Bestimmte Projekte werden gar ganz eingestampft.

publiziert am 22.6.2022