Google als "Feind des Datenschutzes"

11. Juni 2007 um 09:33
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Auch Yahoo, Apple und Windows Live Spaces sehr schlecht: Der Stand des Datenschutzes im Internet ist "entsetzlich", findet eine Gruppe von Datenschützern.

Auch Yahoo, Apple und Windows Live Spaces sehr schlecht: Der Stand des Datenschutzes im Internet ist "entsetzlich", findet eine Gruppe von Datenschützern.
Die renommierte internationale Datenschutzvereinigung "Privacy International" (PI) hat am Samstag einen kontroversen Report zum Niveau des Datenschutzes bei den grössten Internet-Firmen veröffentlicht. Das vernichtende Urteil der Datenschützer: Die Schlüsselplayer im Internet kümmern sich immer noch viel zu wenig um das Thema, und ihr Datenschutzstandard sei generell gesehen "entsetzlich".
Mit seinem Datenschutzreport versucht PI, eine griffige Skala zur Bewertung des Datenschutzstandards von Internetunternehmen zu entwickeln. In die Bewertung fliessen eine ganze Reihe von Kriterien ein, zum Beispiel welche Daten gesammelt werden, wie lange sie aufbewahrt werden, die Willigkeit, Auskunft auf entsprechende Fragen zu geben, der "moralische Kompass" und die öffentlichen Äusserungen des Managements zum Thema uvm. Privacy International ist noch daran, die Skala zu entwickeln und bezeichnet die erste Veröffentlichung der Rangliste als konsultativ - man hofft auf Feedback für die nächste Ausgabe.
Trotzdem sorgt die vorläufige Rangliste für einiges Aufsehen, vor allem, weil Google darin als einziges Unternehmen die "schwarze" Gesamtnote "Feind des Datenschutzes" ("Hostile to Privacy") aufgedrückt erhält. In der Kurzbegründung heisst es, dass Goggle in seiner ganzen Geschichte permanent Datenschutzbedenken ignoriert habe, und dass bei jedem neuen Google-Service immer irgendwo auch Daten zum Nutzerverhalten gesammelt werden.
Unter der Knute von Microsoft?
Gemäss Privacy International versuchte Google, im Vorfeld der Veröffentlichung der Rangliste ein schlechtes Licht auf die Datenschutzorganisation zu werfen. Google habe Journalisten kontaktiert und erklärt, PI habe einen Interessenskonflikt, da eines der 70 Mitglieder seines beratenden Ausschusses für Microsoft arbeite.
Microsoft ist in der Datenschutzrangliste tatsächlich zwei Klassen besser klassiert, als Google (Aber immer noch in der Kategorie "ernsthafte Datenschutzverstösse"). Den Unterschied zwischen Google und Microsoft, so argumentiert PI, sehe man momentan zwar noch nicht bei den aktuellen Datensammelpraktiken, aber die Haltung der Unternehmensverantwortlichen habe sich immerhin gebessert. Vor fünf Jahren habe man Microsoft durchaus noch als fundamentale Gefahr für den Datenschutz bezeichnen können, und der Softwareriese erhielt in der Vergangenheit auch viel wenig schmeichelhafte Aufmerksamkeit von PI, zum Beispiel den "Worst Corporate Invader"-Award oder eine Nomination für den Big Brother Award in den USA.
Im vorliegenden Datenschutz-Ranking schneidet nun aber nicht nur Google schlechter als Microsoft ab. Den roten Stempel als "ernsthafte Gefahr" Substantial Threat") erhielten AOL, Apple, Facebook, Hi5, Reunion.com, der Microsoft Service Windows Live Spaces und Yahoo.
Gleichauf mit Microsoft liegen Orkut, Xanga und YouTube. Als "relativ Datenschutzbewusst mit einigen wichtigen Aussetzern" werden Amazon.com, Bebo, Friendster, LinkedIn, MySpace und Skype bezeichnet. Am besten ("gut aber noch verbesserungsbedürftig") schnitten BBC.com, eBay, Last.fm, LiveJournal und Wikipedia ab. Die Bestnote "Privacy Friendly" erhielt aber niemand. (Hans Jörg Maron)

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