Google-Betriebssystem: Datenschützer skeptisch

15. Juli 2009, 11:20
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Kritiker bemängeln Datensammelwut des Suchmaschinengiganten.

Kritiker bemängeln Datensammelwut des Suchmaschinengiganten.
Der Suchmaschinenriese Google hat mit der Ankündigung eines eigenen Betriebssystems Mitte vergangener Woche für Aufsehen gesorgt und gleichzeitig die Usergemeinde in zwei Lager geteilt. Während die einen auf mehr Wettbewerb bei Betriebssystemen hoffen und Googles Engagement begrüssen, äussern Datenschützer bereits Bedenken. Zwar hat ausserhalb der Google-Entwicklungslabors noch niemand einen Blick auf Chrome OS werfen können, Kritiker verweisen jedoch auf die Datenschutzdiskussionen, die durch den Chrome-Browser ausgelöst worden waren. Mark Rotenberg, Präsident des Electronic Privacy Information Center, bringt die Skepsis gegenüber 'PCWorld' auf den Punkt: "Wettbewerb bei Betriebssystemen ist grundsätzlich gut. Google ist allerdings ein spezieller Fall."
Google hat sich in den vergangenen Jahren als grosser Player im Internet positioniert und dominiert bereits viele Segmente. Neben Suche, Mail, Video und Online-Applikationen ist auch der Werbemarkt ein festes Standbein für den Konzern aus Mountain View. Nun setzt das Unternehmen auch zum Sprung auf den Desktop an. Datenschützer beobachten dies mit Argusaugen und fordern vor allem die Einhaltung von Privacy-Richtlinien. Immerhin sammle der Suchmaschinenbetreiber eine Fülle von Daten seiner User und verwende diese zu Analysezwecken. Vonseiten Googles wird wiederholt betont, dass man den Datenschutz sehr ernst nehme. Unternehmenssprecher Adam Kovacevich bekräftigte kürzlich, dass datenschutzrechtliche Fragen unter den Top-Prioritäten des Unternehmen seien und man sich eingehend damit auseinandersetzen werde. "Chrome OS ist erst in der Entwicklungsphase, aber wie bei allen Produkten werden wir von Anfang an ohne Ausnahme für ausreichend Datenschutz sorgen", so der Google-Sprecher.
Diese Aussagen stellen freilich nicht alle zufrieden. "Googles Versprechen, den Datenschutz zu respektieren, ist meines Erachtens nach nicht ernst zu nehmen und eine Farce", moniert Buchautor und Google-Kritiker Gerald Reischl auf Anfrage von 'pressetext'. "Das sind Absichtserklärungen und mehr nicht. Google sammelt Daten über jeden Internetnutzer und wertet diese Informationen in seinen Rechenzentren aus. Das müsste nach Chrome, Google Mail, Android und künftig Chrome OS wohl jedem klar sein", sagt Reischl. Neben Suchbegriffen registriert Google aufgerufene Seiten, Usernamen sowie Passwörter, scannt E-Mails bei Google Mail und alle erstellten Texte bei Google Docs. Dennoch werden die Services von der Internet-Community gerne genutzt. Die Dienste sind kostenlos und erledigen diverse Aufgaben für den User auf unkomplizierte und rasche Weise.
Mit Chrome OS will der Internetgigant Google nun auch eine Reihe von Desktopanwendungen in das Web verlagern. Bereits jetzt ist eine Fülle von privaten Daten auf den Servern des Unternehmens gespeichert. Mit Chrome OS soll schliesslich das Betriebssystem auf den Rechnern vorwiegend auf den Browser beschränkt sein. Chrome-OS-Applikationen werden auf Basis des Webbrowsers laufen, während die Benutzeroberfläche auf das Nötigste reduziert im Hintergrund bleiben soll. Der zur Verfügung stehende Raum soll grösstenteils für Webapplikationen genutzt werden. Google verlagert die Anwendungen damit in die Wolke, was vor allem bei reinen Internet-PCs auch erhebliche Vorteile bei Schnelligkeit, Einfachheit und Sicherheit bringe, so Google.
Kritiker sehen darin allerdings einen weiteren Schritt, um die Datensammlung auf den Servern Mountain Views zu vergrössern und raten vor allem bei sensiblen Daten zur Vorsicht. "In erster Linie kommt es darauf an, wie wertvoll die Daten sind", meint Andreas Zeller, Professor am Lehrstuhl für Softwaretechnik an der Universität des Saarlandes, gegenüber 'pressetext'. "Als Privatnutzer wird man sich hier wenig Sorgen machen müssen, denn Googles Geschäftsmodell würde bei Missbrauch schnell zusammenbrechen", meint der Wissenschaftler.
Der Ansatz, von überall Zugriff auf Daten zu haben, ist auch für Reischl begrüssenswert. "Ausschlaggebend wird aber sein, wem die Internetnutzer vertrauen", meint Reischl. Google zählt für ihn allerdings nicht zu den vertrauenswürdigen Unternehmen. "Ich würde nur einem Cloud-Anbieter vertrauen, wenn er die Privatsphäre der Nutzer respektiert und glaubhaft vermitteln kann, dass Daten und Informationen nicht auch anderweitig verwertet werden", hält der Google-Kritiker fest. (pte)

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