Google in China: Mögliches Vorbild für Microsoft und Yahoo

13. Januar 2010, 12:13
  • china
  • google
  • microsoft
image

Weitere Internetfirmen könnten Zensurmassnahmen stoppen.

Weitere Internetfirmen könnten Zensurmassnahmen stoppen.
Nachdem Google angekündigt hat, sich nicht länger der chinesischen Zensur unterwerfen zu wollen, könnten weitere internationale Konzerne diesem Beispiel folgen. Der Suchmaschinenriese wäre sogar bereit, komplett aus China abzuziehen, sollten die Behörden das Ende der Zensurierungen auf Google.cn nicht akzeptieren. Da die chinesische Zensurpolitik bis dato auch von diversen anderen westlichen Unternehmen wie Microsoft oder Yahoo mitgetragen wurde, stellt sich nun die Frage, ob auch diese eine ähnliche Kehrtwende vornehmen werden.
Auslöser für Googles Ankündigung waren offenbar massive Hackerangriffe aus China sowie der Diebstahl von Programminformationen und die weiter zunehmenden Beschränkung der Meinungsfreiheit im Land. Wie das 'Wall Street Journal' berichtet, wurden bei den Hackerangriffen teils Quellcodes gestohlen, über die potenziell der Zugang auf andere Daten ermöglicht würde.
Balanceakt
"Grundsätzlich kommentieren wir keine Schritte von Mitbewerbern", sagt Microsoft-Sprecher Thomas Lutz auf Nachfrage von 'pressetext'. Darüber hinaus habe das Unternehmen derzeit nichts in Richtung China und Zensurmaaanahmen anzukündigen. "Wir haben uns generell zu dem Thema aber bereits geäussert und versuchen in China eine Art Balanceakt zwischen den Rechten und der Privatsphäre einzelner Individuen und andererseits der Tatsache, dass China ein freies selbstständiges Land mit seinen eigenen Gesetzen ist", so Lutz.
Auch bei Yahoo will man die konkreten Schritten seitens Google nicht kommentieren. Allerdings habe sich das Unternehmen dem Schutz von Menschenrechten, Privatsphäre und Sicherheit verschrieben, heisst es gegenüber 'pressetext'. "Wir verurteilen jegliche Versuche, Unternehmensnetzwerke zu infiltrieren und dadurch Nutzerinformationen zu erhalten", so Yahoo in seiner Stellungnahme. Das Unternehmen sei einer Meinung mit Google, dass derlei Attacken äusserst beunruhigend sind. "Wir glauben fest, dass die Verletzung der Nutzer-Privatsphäre etwas ist, gegen das sich alle Internetpioniere stellen müssen."
Grössere Marktanteile für Konkurrenz
Sollte Google tatsächlich komplett auf China verzichten, so würde dies Wettbewerbern wie Microsoft und Yahoo jedenfalls die Möglichkeit bieten, grosse Anteile eines riesigen Marktes zu gewinnen - vorausgesetzt sie behalten ihre Zensur nach den Wünschen der Behörden bei. Gleichzeitig würde ein solches Verhalten aber auch dem Image der Firmen ausserhalb Chinas schaden und sich möglicherweise negativ auf die Marktanteile anderswo auswirken. (pte)

Loading

Mehr zum Thema

image

Google will ChatGPT-Konkurrenz öffentlich zugänglich machen

OpenAI hat mit Microsoft den Kampf um die Zukunft des Internets eröffnet, nun zieht Google nach. Das bedeutet ein Umdenken im Suchmaschinenkonzern.

publiziert am 3.2.2023
image

So arbeiten Googles interne Hacker

Hoodies, Plasmalampen, digitale Brandstiftung. Daniel Fabian, Leiter von Googles Team Red, zeigt Praktiken seiner Hacker-Gruppe.

publiziert am 2.2.2023
image

ChatGPT wächst so schnell wie keine andere App

Der KI-Chatbot bricht Rekorde und verzeichnet 100 Millionen aktive Nutzer innert nur 2 Monaten. Nun soll bald ein Abo-Modell eingeführt werden.

publiziert am 2.2.2023
image

Cloud-Provider doppeln bei Microsoft-Kritik nach

Der US-Konzern beschränke mit seinen Lizenzbestimmungen den Wettbewerb, kritisiert die Vereinigung CISPE. Eine von ihr in Auftrag gegebene Studie soll dies jetzt belegen.

publiziert am 1.2.2023