Google-Mutter Alphabet: Gewinnsprung und stark gestiegene Ausgaben

24. April 2018, 10:16
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Google hat im vergangenen Quartal dank sprudelnder Werbequellen mehr Geld verdient als erwartet.

Google hat im vergangenen Quartal dank sprudelnder Werbequellen mehr Geld verdient als erwartet. Der Mutterkonzern Alphabet gab nach US-Börsenschluss einen Gewinnsprung von 73 Prozent auf 9,4 Milliarden Dollar bekannt. Im ersten Quartal kletterten die Erlöse verglichen mit dem Vorjahreswert um 26 Prozent auf 31,1 Milliarden Dollar.
Das Unternehmen konnte höhere Preise für seine Werbeangebote durchsetzen. Ausserdem verbuchte es dank einer neuen Bilanzierungsmethode bisher unrealisierte Gewinne aus Beteiligungen an Startup-Firmen wie Uber.
Alphabets Gewinnmargen waren in den vergangenen Quartalen zurückgegangen, nachdem das Unternehmen teure neue Geschäftsfelder wie Cloud oder im Hardware-Bereich aufzubauen begann.
Alphabet gibt bekanntlich wenig Details darüber bekannt, wie ihre einzelnen Geschäftsbereiche abschneiden. Selbst die YouTube-Finanzen sind immer noch unklar.
Auf der Ausgabenseite sieht man, dass das Unternehmen auch viel mehr ausgab als im Vorjahr: Es verdreifachte die Investitionsausgaben für das Quartal auf fast 7,7 Milliarden Dollar. "Die grosse Story in den Zahlen ist der deutliche Anstieg der Ausgaben", schrieb Brian Wieser, Analyst der Pivotal Research Group, in einem Schreiben an die Investoren laut 'Bloomberg'.
Hohe Ausgaben für Cloud, Eigenwerbung und Nest
"Fast alle diese Ausgaben waren für Cloud- und Consumer-Device-Projekte, bei denen Alphabet hinter den führenden Anbietern Amazon und Apple herhinkt", so 'Bloomberg'.
Der Betrieb einer modernen Public Cloud ist ein enorm kostspieliges Unterfangen. Es sieht so aus, als ob Google seine Cloud-Computing-Kapazität im ersten Quartal des Jahres stark ausgebaut hat. CFO Ruth Porat nannte Investitionen in Rechenzentren, drei neue Unterwasserkabel, Prozessoren oder Netzwerkgeräte. Zudem fliesst viel Geld in Technologien, um Googles umfangreiche Entwicklungen im KI-Bereich voranzutreiben.
Auch die Ausgaben für Vertrieb und Marketing stiegen im ersten Quartal an, um 36 Prozent auf 3,6 Milliarden US-Dollar.
Das ist auch nötig, denn das Wachstum kommt aus dem traditionellen Werbebusiness. Mehr als 85 Prozent des Umsatzes entfielen im vergangenen Quartal auf Werbung. Und Google-Cloud-Services werden nach Schätzungen von Forrester Research in diesem Jahr voraussichtlich einen vergleichsweise bescheidenen Umsatz von 2,5 Milliarden Dollar generieren.
Und wie ist es mit Nest? 'Recode' hat versucht nachzurechnen, wie die Zahlen der Google-Marke für Smart-Home-Produkte aussehen. Durch einen Vergleich mit Vorjahreszahlen bei anderer Rechnungslegung will 'Recode' errechnet haben, dass Nest im letzten Jahr einen Umsatz von 726 Millionen US-Dollar und einen Betriebsverlust von 621 Millionen US-Dollar erwirtschaftet hat.
Schaut man sich nur die wichtigen Q4-Zahlen 2017 an, so sieht es nicht nach Trendänderung aus, so 'CNBC'. Bei einem Umsatz von 278 Millionen US-Dollar verlor man mit Nest 168 Millionen US-Dollar.
Nest ist neben der Werbung der einzige Bereich mit nennenswerten Umsätzen, aber weit davon entfernt, die Milliardenschwelle zu erreichen oder profitabel zu sein. Das Unternehmen wurde als Teil einer Alphabet-Reorganisation kürzlich mit der Hardware-Abteilung von Google verschmolzen.
Die Ausgaben konnten aber offenbar durch das Werbegeschäft mehr als kompensiert werden. Wie sich die Adwords-Profite entwickeln, wenn die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft ist und neue Regulierungen drohen, bleibt abzuwarten.
Das Quartalsergebnis je Aktie lag vor Berücksichtigung von Sonderposten jedenfalls über den Schätzungen von Analysten. Die Alphabet-Aktien stiegen nachbörslich rasch um fast ein Prozent, bevor sie zurückgingen. (mag / sda)

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