Google sammelte "versehentlich" Daten aus öffentlichen WLANs

17. Mai 2010, 12:38
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600 Gigabyte unverschlüsselten Datenverkehr mitgeschnitten.

600 Gigabyte unverschlüsselten Datenverkehr mitgeschnitten.
Der US-amerikanische Internetkonzern Google hat entgegen seiner bisherigen Angaben Fragmente des Datenverkehrs aus unverschlüsselten, drahtlosen Netzwerken gesammelt. Die Daten, die bei den Fahrten mit den Kameraautos für Google Street View gesammelt wurden, seien "versehentlich" aufgezeichnet worden, schreibt der Konzern in einem Blogbeitrag. Bisher hatte Google versichert, man speichere für Street View ausschliesslich den Namen und die Adresse von WLAN-Access-Points.
600 Gigabyte Daten "versehentlich" gesammelt
"Wir haben total versagt", gibt Alan Eustace, stellvertretender Leiter der Google-Forschungsabteilung im Blogbeitrag zu. "Man bedaure zutiefst, dass die Nutzerdaten wegen eines Programmierfehlers "versehentlich" erfasst worden seien. Um was für Daten es sich genau handelt, sagt Eustace nicht. Es könnte sich dabei aber um Informationen über besuchte Webseiten oder E-Mail-Inhalte handeln. Allerdings: "Weil Autos meistens fahren und unsere WLAN-Empfangsgeräte fünf Mal pro Sekunde den Kanal wechseln, sind nur Fragmente aufgezeichnet worden", schreibt Eustace. Insgesamt sind laut Google rund 600 Gigabyte Daten aufgezeichnet worden - Daten, die man nun "so schnell wie möglich" vernichten wolle. Man werde dazu Kontakt mit den Behörden der betroffenen Länder aufnehmen.
Dass der Datenverkehr aus unverschlüsselten WLANs mitgeschnitten wird, bemerkte Google nach eigenen Angaben erst, nachdem der Hamburger Datenschutzbeauftragte vom Konzern gefordert hatte, die von den Street-View-Kamerafahrzeugen aufgezeichneten Daten zu überprüfen. Der Code, den ein Programmierer bereits 2006 im Rahmen eines experimentellen Projekts geschrieben habe, sei durch einen Fehler in die nun in den Fahrzeugen genutzte Softwareversion gelangt, schreibt Google. Man habe nie die Absicht gehabt, den Netzwerkverkehr aus den WLANs mitzuschneiden.
"Datenbearbeitung bei Google muss kontrolliert werden."
Gegenüber dem Schweizer Radio DRS sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck, dass Google die Datenschutzbehörden der Schweiz von sich aus informiert habe. "Natürlich mit der Botschaft, dass wir hier einen schweren Fehler begangen haben, den wir zutiefst bedauern und für den wir uns auch entschuldigen", so Oberbeck. Bruno Bäriswyl, Präsident der Vereinigung der Schweizer Datenschutzbeauftragten, ist allerdings skeptisch: "Das tönt für mich sehr unglaubwürdig. Ich glaube, da ist jetzt eher etwas zum Vorschein gekommen, was Google bisher eigentlich verdeckt halten wollte", sagte er gegenüber dem Radio und forderte, dass unabhängige Datenschutzbehörden die Datenbearbeitung bei Google kontrollieren müssten. Man werde sich deshalb nun mit den europäischen Datenschützern absprechen. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür hat sich bis jetzt nicht zum Vorfall geäussert. Auch eine Anfrage von inside-it.ch blieb bisher unbeantwortet.
Google kämpft in Deutschland, ähnlich wie in der Schweiz, mit massivem politischem Widerstand gegen Street View. Der Konzern hatte sich erst vor kurzem mit dem Bundesverbraucherschutzministerium darauf geeinigt, dass der Dienst in Deutschland erst online gehen wird, wenn Wohnungen und Häuser von Bürgern, die gegen die Veröffentlichung opponieren, unkenntlich gemacht wurden. (bt)

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