Google schnürt grosses Softwarepaket und wird Videohändler

5. Januar 2006, 17:15
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Wird Google zum Rädelsführer der versammelten Microsoft-Konkurrenz? Software von Symantec, Adobe, RealNetworks und vielen anderen soll in einem "Google Pack" verschnürt werden. Und Google will anfangen, Videos zu vertreiben.

Wird Google zum Rädelsführer der versammelten Microsoft-Konkurrenz? Software von Symantec, Adobe, RealNetworks und vielen anderen soll in einem "Google Pack" verschnürt werden. Und Google will anfangen, Videos zu vertreiben.
Google will morgen Abend an der Unterhaltungselektronikmesse CES in Las Vegas grosse Pläne verkünden: "Wir haben eine ganze Reihe von aufregenden Neuigkeiten, die wir anlässlich der Keynote von Google Mitgründer Larry Page an der CES detailliert vorstellen werden", heisst es in einem Statement von Google.
Das 'Wall Street Journal' glaubt schon heute mit grosser Sicherheit zu wissen, worum es in der Hauptsache gehen wird: einerseits werde Google damit beginnen, über seine Site Video-Downloads und andererseits ein neues grosses Softwarepaket anzubieten.
Google als Softwareanbieter…
Im Softwarebereich scheint Google langsam zur zentralen Figur in einer Allianz der Microsoft-Konkurrenten zu werden. Das Softwarepaket namens "Google Pack" soll neben einer Version von Symantecs Norton AntiVirus-Software den Acrobat-Reader, den RealPlayer, Firefox, die "Trillian" Instant Messaging Software, das Antispywareprogramm Ad-Aware sowie den Google-Desktop, Google Earth, Googles Browsertoolbar, Google Talk und die Fotoverwaltungssoftware Picasa enthalten.
Ausser dem Norton AntiVirenprogramm sind all diese Programme bereits jetzt gratis erhältlich. Das besondere ist aber, dass sie mit einem gemeinsamen Installer auf einen Schlag installiert werden können. Damit kann ein Anwender bequem und ohne langes Suchen Tools für viele Funktionen installieren. Das Paket stellt zwar noch keinen direkten Angriff auf Microsofts Geldbeutel dar – Open Office ist nicht dabei – aber das könnte sich ja irgendwann ändern.
Und der indirekte Anti-Microsoft-Effekt dürfte für Google und seine Mitstreiter sowieso wichtiger sein. Google scheint nämlich zu fürchten, dass Microsoft mit der nächsten Windows-Version versuchen wird, PC-Anwender auf seine eigene Suchmaschine und seine anderen kommenden Internet-Angebote zu lenken. Der Google Pack ist ein weiterer Versuch Googles, selbst ein Stück der PCs zu erobern, um dann mittels mehr oder weniger sanfter "Benutzerführung" die User auf seine Internetservices und die der anderen Microsoft-Konkurrenten zu bringen. Daher ist auch zu erwarten, dass Google mit PC-Herstellern verhandeln wird, damit diese den Google Pack vorinstallieren.
...und Google als Videohändler
Irgendwann in der Zukunft könnte Google damit nicht nur zur Konkurrenz für Microsoft, sondern auch für lokale Software-Reseller werden. Schneller allerdings könnten es Medienretailer wie Ex Libris, Interdiscount, Media Markt und Co. die gegenwärtig mit DVDs gutes Geld verdienen, mit Konkurrenz aus dieser bisher eher unerwarteten Richtung zu tun bekommen.
Google wird nämlich gemäss 'WSJ' auch eine Partnerschaft mit Film- und Videoanbietern verkünden. Dies soll es im Rahmen eines Upgrades der Filmsuchfunktion auf Google den Usern nicht nur ermöglichen, Bestellmöglichkeiten für gewisse Filme zu finden, sondern, wenn die Aussagen der 'WSJ'-Informanten zutreffen, sie auch gleich über die Google-Site zu bezahlen und herunter zu laden.
Dass das Internet auch für Filme, analog zur Entwicklung im Musikbusiness, zu einem neuen wichtigen Vertriebskanal werden und den klassischen Vertriebskanälen Umsätze abnehmen wird, ist schon seit einiger Zeit abzusehen. Neben einigen Start-Ups und Spezialisten versucht ja auch Apple bereits, im Video-Bereich den Erfolg seines "iTunes"-Konzeptes zu wiederholen. Der Einstieg eines Internet-Riesen wie Google dürfte allerdings diese Entwicklung noch deutlich beschleunigen. (Hans Jörg Maron)

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