Google soll Zensur-Suche für China mit Telefonnummern verknüpfen

17. September 2018, 12:45
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In einem Bericht zeigt 'The Intercept' neue Details darüber, wie Googles zensierte Suchmaschine funktionieren soll, die der Konzern für den chinesischen Markt entwickelt.

In einem Bericht zeigt 'The Intercept' neue Details darüber, wie Googles zensierte Suchmaschine funktionieren soll, die der Konzern für den chinesischen Markt entwickelt.
Der Artikel besagt, dass ein Prototyp der Google-Suche die Handynummern der Benutzer mit ihren Suchanfragen verknüpfe. Eine solche App würde der Regierung die "Überwachung der Anfragen der Menschen" erleichtern.
Das Projekt namens "Dragonfly" soll eine Such-App für Android-Devices umfassen und Google ein Comeback im lukrativen chinesischen Markt ermöglichen. Seit Bekanntwerden des Projekts werfen führende Menschenrechtsorganisationen dem Konzern vor, zum Komplizen der chinesischen Regierung zu werden. Weitere Befürchtungen sind laut 'The Intercept', dass Google und sein chinesischer Partner im Joint-Venture User-Daten auf dem chinesischen Festland speichern und damit den chinesischen Behörden den Zugriff darauf erleichtern würde.
Die Idee einer zensierten Google-Suchmaschine hat auch konzernintern Kritik ausgelöst: Berichte besagen, mindestens sieben Mitarbeiter hätten deswegen gekündigt. Öffentlich bestätigt hat seinen Abgang wegen "Dragonfly" ein Senior Research Scientist im Machine-Learning-Bereich namens Jack Poulson. Weitere mindesten 1400 Google-Mitarbeiter haben in einem offenen Brief protestiert.
Auch in Washington verlangen mehr als ein Dutzend Mitglieder des US-Kongresses mehr Information über "Dragonfly". Berichte wie dieser werden wahrscheinlich weiteres Öl in das politische Kreuzfeuer giessen, in welchem Google aktuell sowieso steckt.
Falls die Verknüpfung Suche-Telefonnummer wahr ist, so könnte sich irgendwann die Frage stellen, ob Google die Custom-Entwicklung nicht nur in China, sondern weltweit ausrollen und auch kommerziell nutzen will. Denn ergänzend zur Geolokalisierung und anderen heutigen Tracking-Technologien könnten sich hier nicht nur Überwachungsdienste freuen, Google könnte sich zusätzliche Einnahmequellen aus Werbung erschliessen.
Google selbst schweigt hartnäckig, ausser dass es ein Projekt "Dragonfly" gebe, das aber weit vom Launch entfernt sei. (mag)

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