Google startet Generalangriff auf Windows

8. Juli 2009, 08:59
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Google hat offiziell ein Betriebssystem für PCs angekündigt, das nächstes Jahr auf den Markt kommen soll.

Google hat offiziell ein Betriebssystem für PCs angekündigt, das nächstes Jahr auf den Markt kommen soll.
Nun ist es so weit: Nach Jahren der Gerüchte startet Google tatsächlich einen Angriff auf die Grundfeste der Dominanz von Microsoft auf den PCs dieser Welt und lanciert ein eigenes PC-Betriebssystem. Die ersten Geräte mit dem "Google Chrome OS" sollen in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres auf den Markt kommen. Zunächst dürfte es sich dabei nach den Plänen von Google um Notebooks der tiefen Preisklasse beziehungsweise "Netbooks" handeln. Das Chrome OS soll aber für alle Arten von PCs geeignet sein, auch für voll ausgestattete Laptops und Desktop-Maschinen.
Simpel, sicher, schnell
Sundar Pichai, Vice President für Product Management und Linus Upson, Engineering Director bei Google, durften den bedeutsamen Entschluss Googles gestern Nacht in einem Blogeintrag erstmals bekannt geben.
Ein leichtfüssiges, einfaches und sicheres Betriebssystem versprechen die beiden darin, das vor allem für die Anwender ideal sein soll, welche die meiste Zeit am Computer auch im Internet verbringen. Zudem soll der Code noch in diesem Jahr unter einer Open-Source-Lizenz freigegeben werden – das Chrome OS dürfte also auch kostenlos werden. Wie Pichai und Upson weiter erklären, wird das Betriebssystem, wie der Name andeutet, auf dem Chrome-Browser basieren und keine Weiterentwicklung von "Android" sein. Android, das Google-Betriebssystem für Handys, werde weiterhin ein gesondertes Projekt bleiben. Von der Architektur her soll das Chrome-OS im Prinzip der Chrome-Browser sein, der mit einem System zur Darstellung von Fenstern ausgestattet wird und auf einem Linux-Kernel läuft.
Keinerlei Security-Sorgen mehr?
Viel wichtiger als die Architektur werden aber die Eigenschaften des Google-Betriebssystems für seinen Erfolg bei den Anwendern sein. In dieser Beziehung verspricht Google sehr (sehr) viel. Im Prinzip listen die Blogautoren den grössten Teil der Klagen auf, die User zu Windows vorbringen, und versprechen, dass all dies beim Chrome OS viel besser sein werde.
Das Google'sche "Anti-Windows" soll demgemäss sehr diskret im Hintergrund bleiben und kaum Lernaufwand erfordern. Zusatzgeräte sollen alle problemlos laufen und – da das OS von Grund auf neu designt werde – Viren und Malware kein Problem mehr sein und Security-Updates eine Sache der Vergangenheit werden. Das Chrome OS, so Upson und Pichai, solle "schlicht funktionieren."
Ausserdem soll man nach dem Start eines Chrome-PCs ohne lange Boot-Zeiten schon nach Sekunden mit der Arbeit beginnen können und der PC auch nach langer Zeit gleich schnell bleiben wie am Anfang, als man ihn gekauft hat.
Sorgen um Backups, so Pichar und Upson, sollen sich Chrome-Anwender auch keine mehr machen müssen. Diese Bemerkung ist ein Hinweis darauf, wie Google vom neuen Betriebssystem profitieren könnte. Gemäss den beiden Blogautoren, die sich zu Einnahmequellen nicht weiter äussern, verbringen glückliche User auch mehr Zeit im Internet, was wiederum Google nütze. Aber Zusatzservices, wie eben beispielsweise ein integriertes Online-Backup, könnten natürlich auch eine direkte Umsatzquelle werden.
Microsoft unter Erfolgszwang
Insgesamt macht Google also äusserst vollmundige Versprechungen – aber wenn Google sie halten kann, könnte Microsoft ein grosses Problem bekommen. Der Druck auf den Softwareriesen, dass Windows 7 nun einfach bei den Anwendern ankommen muss, wird damit noch viel grösser. Wenn dies gelingt, dann hat Google eigentlich sein Timing versiebt, beziehungsweise die rosige Gelegenheit, die sich durch den Vista-Flop in den letzten drei Jahren ergeben hätte, verpasst.
Falls sich Windows 7 aber – entgegen den bisher eher positiven Vorzeichen – doch als "Vista II" entpuppt, könnte Google dagegen nächstes Jahr offene Scheunentore einrennen. (Hans Jörg Maron)

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