Google und Apple schaffen Voraussetzungen für Schweizer Corona-Tracing-App

30. April 2020, 09:56
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Beta-Versionen der nötigen APIs sind freigegeben worden. Parlamentarier finden, es müssten noch weitere Bedingungen erfüllt werden.

Google und Apple stellen eine erste Vorab-Version ihrer Schnittstellen für Corona-Warn-Apps bereit. Zugang dazu bekommen vorerst aber nur ausgewählte App-Entwickler, die mit Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten, teilten die beiden US-Konzerne mit.
Die Corona-Apps sollen helfen, Ansteckungen nachzuverfolgen, wenn die Ausgehbeschränkungen gelockert werden. Sie sollen erfassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind, und Nutzer warnen, wenn sich später herausstellt, dass sie sich neben infizierten Personen aufgehalten hatten. 
Von Google und Apple kommen die beiden relevanten Smartphone-Betriebssysteme. Sie sind damit als einzige in der Lage, die Basis für eine effiziente Einbindung der Corona-Apps in die Telefone zu schaffen. Experten gehen davon aus, dass die meisten Entwickler und Länder am Ende auf die Vorlage von Apple und Google einschwenken.
Google stellt die Beta-Version der Schnittstellen über seine Google-Play-Plattform bereit. Apple veröffentlicht unter anderem eine Vorab-Version der iOS-Software, mit der das Warn-System bereits funktionieren soll.
Beim Konzept von Apple und Google soll die Entfernung zwischen Smartphones anhand der Bluetooth-Signalstärke gemessen werden. Die Smartphones sollen zudem per Bluetooth Krypto-Schlüssel austauschen, die sich alle 10 bis 20 Minuten ändern. Damit soll man Begegnungen nachvollziehen können, ohne dass ein Einzelner nachverfolgbar wäre. Der Abgleich mit Schlüsseln von infizierten Personen soll ausschliesslich auf den einzelnen Geräten erfolgen.
Die Schnittstellen dürften mit grösster Wahrscheinlichkeit auch von einer zukünftigen Schweizer Tracing-App verwendet werden. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat sich für die Realisierung einer Covid-19-Tracing-App für das dezentrale Modell von DP-3T entschieden und lässt nun durch die EPFL und die ETH Zürich und andere eine entsprechende Mobile-App entwickeln. 

Parldigi: Konsequenzen einer Warnung müssen klar sein

Diese Entscheidung des BAG wird auch von der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit (Parldigi) begrüsst. Die dezentrale Technologie allein, so die Parlamentariergruppe, sei aber noch keine Garantie für den Erfolg der App. Einige weitere Kriterien müssten erst erfüllt sein.
Unter anderem müsse Einsatz der Mobile-App freiwillig sein. Damit jedoch die nötige Abdeckung erreicht wird, erwartet Parldigi eine explizite Empfehlung des Bundesrates an die Bevölkerung, die App zu installieren. Gemäss Experten müssten etwa 60% der Bevölkerung die App benutzen, damit sie ihre Wirkung voll entfalten kann.
Die organisatorischen, rechtlichen und finanziellen Konsequenzen einer App-Warnung über den Kontakt mit einer positiv getesteten Person, so Parldigi weiter, müssen klar und mit den Lebensrealitäten der Bevölkerung vereinbar sein.
Und schliesslich müsse im Hinblick auf die langfristige Lockerung der Massnahmen auch die internationale Kompatibilität, beziehungsweise die Interoperabilität mit Tracing-Apps anderer Länder gewährleistet sein.
Das Statement von Parldigi wurde von den Co-Präsidenten Edith Graf-Litscher (SP) und Franz Grüter (SVP) sowie vom Parldigi Kernteam verfasst. Letzteres besteht aus Christian Wasserfallen (FDP), Nik Gugger (EVP), Gerhard Andrey (Grüne), Judith Bellaiche (GLP) und Sidney Kamerzin (CVP).

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