Google verspricht (etwas) mehr Privatsphäre

15. März 2007, 16:38
  • google
image

Oder war ihnen nicht klar, dass Google alles für immer speichert? Aufzeichnungen über Suchanfragen sollen jetzt wenigstens nach spätestens zwei Jahren "anonymisiert" werden.

Oder war ihnen nicht klar, dass Google alles für immer speichert? Aufzeichnungen über Suchanfragen sollen jetzt wenigstens nach spätestens zwei Jahren "anonymisiert" werden.
Google hat auf seinem Unternehmensblog eine Änderung der Unternehmenspolitik bei der Speicherung von Suchanfragen angekündigt: Diese sollen zwar, wie schon bisher, weiterhin für immer gespeichert werden. Aber nach 18 bis 24 Monaten will sie Google in Zukunft zumindest teilweise automatisch anonymisieren. Ausgenommen sind jedoch Fälle, wo Google von der Justiz oder der Gesetzeslage zu einer längeren Aufbewahrung gezwungen würde, und vor allem ist auch die "Anonymisierung" nicht vollständig.
Bei Suchanfragen wird jeweils IP-Adresse des PCs, von dem die Suchabfrage gestartet wird, gespeichert. Noch direkter mit einer Person verknüpft werden können die Suchabfragen über Cookiedaten. Diese Cookies werden auf dem PC gespeichert, wenn jemand für einen Google-Service einen Account anlegt oder sich auf einem anderen PC dafür einloggt – deshalb kann einen Google ja auch später automatisch mit dem Usernamen begrüssen. Und eben: Auch diese Identifikation wird von den Google-Servern bei jeder Anfrage zusammen mit den Suchwörtern und den danach angeklicken Links gespeichert.
Google will nun diese Informationen nach der genannten Zeitspanne anonymisieren, indem jeweils die letzten 8 Bits von IP-Adressen und Cookiedaten gelöscht werden. Das bedeutet, dass ein individueller PC zumindest unter einer Gruppe von 256 anderen PCs "versteckt" wird. Wie Datenschützer kritisieren, könnte dies aber bei einer eingehenderen Analyse der Daten wenig nützen, so dass die Anonymisierung, zum Beispiel von Untersuchungsbehörden, wieder rückgängig gemacht werden könnte.
Google begründet die Speicherung der Suchdaten zusammen mit den Infos, die eine persönliche Identifikation ermöglichen, mit dem Wunsch, die eigenen Services zu verbessern. Ausserdem könnten neue Gesetze vor allem in Europa und den USA die Speicherung solcher Daten für eine gewisse Zeit für Suchmaschinenbetreiber obligatorisch machen. Kritiker allerdings reden von der "grössten Spionageaktion der Welt."
Immerhin ist Google gegenwärtig offen in Bezug auf seine Politik bei der Speicherung von Suchdaten. Yahoo und Microsoft dagegen haben sich bisher geweigert, dazu genaues zu sagen. Zumindest einer der Hauptkonkurrenten, nämlich AOL, ist aber deutlich zurückhaltender bei der Datenspeicherung. Gemäss AOL werden IP-Adressen grundsätzlich nicht gespeichert und Cookie-Informationen bzw. User-IDs zuerst anonymisiert und nach 13 Monaten endgültig gelöscht. Auch dies ist allerdings, wie AOL zugibt, noch keine Garantie, dass aus den Suchabfragen selbst nicht später wieder persönliche Daten herausgeholt werden könnten. (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

"Zoogler" sorgen sich um ihre Jobs

Wie viele Schweizer Arbeitsplätze vom weltweiten Stellenabbau bei Google betroffen sind, ist noch nicht klar.

publiziert am 25.1.2023
image

US-Kartellwächter klagen erneut gegen Google

Das Justizministerium wirft dem Konzern wettbewerbsfeindliche Methoden im Ad-Tech-Bereich vor und fordert eine Zerschlagung.

publiziert am 25.1.2023
image

Auch Google muss sparen – 12'000 Stellen weg

Nach Microsoft setzt auch Google im grossen Stil den Rotstift an und streicht 12'000 Jobs.

publiziert am 20.1.2023
image

Deutsches Bundeskartellamt mahnt Google ab

Google und Mutterkonzern Alphabet müssen ihre Daten­verarbeitungs­konditionen anpassen, so der Bonner Wettbewerbs­hüter. Nutzende hätten zu wenig Wahlmöglichkeiten.

publiziert am 11.1.2023