Google will EU-Strafe von über vier Milliarden Euro anfechten

18. Juli 2018, 11:48
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Google wird die Rekord-Wettbewerbsstrafe der EU-Kommission im Zusammenhang mit seinem Geschäftsmodell beim Smartphone-System Android anfechten.

Google wird die Rekord-Wettbewerbsstrafe der EU-Kommission im Zusammenhang mit seinem Geschäftsmodell beim Smartphone-System Android anfechten. Das kündigte ein Sprecher des Internet-Riesen an.
EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager verhängte zuvor eine Strafe von 4,34 Milliarden Euro, weil Google seine marktbeherrschende Position bei Android missbraucht habe. Auf die Rekordstrafe können weitere hohe Zahlungen folgen, wenn der Techkonzern sein Verhalten nicht binnen 90 Tagen ändere. Google kontert, dass das Betriebssystem für mehr Auswahl im Smartphone-Geschäft gesorgt habe.
"In der Sache geht es um drei Arten von rechtswidrigen Einschränkungen, die Google Herstellern von Android-Geräten und Mobilfunknetzbetreibern auferlegt hat, um sicherzustellen, dass der Internetverkehr auf Android-Geräten über die Google-Suchmaschine läuft", sagte Vestager. "Auf diese Weise hat Google Android dazu verwendet, die marktbeherrschende Stellung seiner Suchmaschine zu festigen." Wettbewerbern sei die Möglichkeit genommen worden, innovativ und konkurrenzfähig zu sein, und Verbraucher seien um die Vorteile eines wirksamen Wettbewerbs gebracht worden.
Die Kommission stört sich daran, dass Hersteller von Android-Smartphones, die Google-Dienste einbinden wollen, immer ein komplettes Paket aus elf Apps des Internet-Konzerns auf die Geräte bringen müssen. So kämen zum Beispiel auch Googles Browser Chrome und die Google-Suche auf die Geräte, selbst wenn ein Hersteller zum Beispiel nur die App-Plattform Play Store installieren wollte.
Ausserdem kritisiert die Brüsseler Behörde die sogenannte "Anti-Fragmentierungs-Vereinbarung", gemäss der Anbieter von Geräten mit Google-Diensten nicht gleichzeitig auch Smartphones mit abgewandelten Android-Versionen verkaufen können. Vestagers Beispiel ist, dass vor einigen Jahren Amazon sein abgewandeltes Android-System FireOS auch anderen Herstellern anbieten wollte. Sie seien interessiert gewesen - aber hätten FireOS nicht nutzen können, weil sie danach keine Geräte mit Google-Diensten mehr hätten anbieten können.
Der dritte Vorwurf der Kommission dreht sich darum, dass Google die Erlöse aus Werbung in der Such-App nur mit Geräte-Herstellern teile, wenn sie auf den Telefonen und Tablets Exklusivität geniesse.
Android bringt in Europa laut Marktforschern rund 80 Prozent der derzeit verkauften Smartphones zum Laufen. (sda/ts)

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