Grosse Verschiebungen im Bankensoftware-Markt

25. März 2009, 14:37
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Finnova und Avaloq gewinnen Kunden auf Kosten von IBIS. Doch IBIS hat heute immer noch die Nase vorn. Ab 2012 könnte sich die Situation ändern.

Finnova und Avaloq gewinnen Kunden auf Kosten von IBIS. Doch IBIS hat heute immer noch die Nase vorn. Ab 2012 könnte sich die Situation ändern.
Gemäss dem jüngsten Update des "Handout Swiss Banking" von Active Sourcing ist der Aargauer Bankensoftware-Hersteller Finnova seit neustem Schweizer Marktführer. Dies wird damit begründet, dass sich im vergangenen November alle RBA-Banken für den Wechsel von der jetzigen Bankensoftware IBIS auf Finnova entschieden haben. Wie Active Sourcing in einer Mitteilung schreibt, brach der Marktanteil von IBIS von 31 auf 1 Prozent ein, während Finnova mit einem Anteil von 43 Prozent "konkurrenzlos auf dem ersten Platz landet" (siehe Grafik).
Bei Banken mit weniger als 500 Mitarbeitenden erreicht Finnova laut Active Sourcing einen Marktanteil von 52 Prozent. Avaloq habe am Gesamtmarkt zwar 2 Prozent eingebüsst, bei grösseren Banken (über 500 MA) bleibe der Zürcher Hersteller mit 45 Prozent aber unbestrittene Nummer eins.
Wer ist wirklich marktführend?
Die Ansichtsweise von Active Sourcing ist allerdings irreführend. Bis dato ist die Software IBIS des Berner Herstellers RTC immer noch verbreiteter als Avaloq oder Finnova. Alle Banken, die in den vergangenen Monaten den Vertrag mit RTC gekündigt haben, arbeiten heute immer noch mit IBIS. Die RBA-Banken etwa werden voraussichtlich erst 2012 auf Finnova wechseln. Bis dahin könnte sich der Schweizer Bankensoftware-Markt noch erheblich verändern. In wenigen Tagen erscheint die rundum erneuerte IBIS-Version und es ist nicht auszuschliessen, dass es RTC bis 2012 schaffen könnte, Bankkunden an Land zu ziehen. Angesichts dieser Tatsache ist es vermessen, zu sagen, dass Finnova schon heute marktführend sei.
Active Sourcing zählt zur Ermittlung der Marktanteile einfach die Anzahl Kunden eines Systems. So gesehen ist eine kleine Regionalbank, die auf Finnova wechselt, gleichbedeutend mit einer grossen Kantonalbank, die auf Avaloq migriert. Eine Darstellung der Marktsituation nach Anzahl User, die heute mit einer bestimmten Software arbeiten, würde den Schweizer Bankensoftware-Markt realistischer abbilden. Womöglich wären dann Eigenlösungen marktführend, wenn man bedenkt, dass die grössten Schweizer Banken wie UBS, CS ihre Bankensoftware grösstenteils alleine entwickeln.
Mit Sicherheit kann man sagen, dass derzeit grosse Verschiebungen im helvetischen Bankensoftware-Markt stattfinden. Es dürfte für RTC schwierig werden, in den kommenden Jahren Banken zu finden, die noch keine Standardsoftware haben, beziehungsweise auf jene von RTC wechseln möchten. Auf der anderen Seite werden auch Finnova und Avaloq nach Abschluss der grossen Migrationsprojekte versuchen müssen, neue Kunden zu finden, etwa vermehrt im Privatbankenumfeld oder im Ausland. Im Gegensatz zu RTC sind zudem Finnova und Avaloq keine IT-Dienstleister.
Swisscom "beliebt"
Wie Active Sourcing schreibt, baute in letzter Zeit vor allem das Swisscom-Gespann (Swisscom IT Services/Comit) seine Vormachtstellung beim Application Management und beim Rechenzentrumsbetrieb aus. Über zwei Drittel aller Schweizer Banken (72%) lagern zumindest Teile ihrer IT aus. Swisscom sei während der letzten zwei Jahre der beliebteste Partner gewesen, so Active Sourcing. SCIS und Comit konnten vier von zwölf Entscheidungen für sich gewinnen. Am Gesamtmarkt gemessen, landet Swisscom mit 27 Prozent auf Rang zwei. Der erste Platz wird derzeit noch von RBA mit 35 Prozent verteidigt.
Gemäss Active Sourcing haben sich von 24 Kantonalbanken in der Schweiz 13 für eine Dual-Sourcing-Strategie, also für zwei sich konkurrenzierende Dienstleister, entschieden (54%). 29 Prozent der Kantonalbanken vertrauen auf einen einzigen Partner. Nur drei Staatsbanken (13%) setzen auf Inhouse-Betrieb. (Maurizio Minetti)

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