Grosses Android-Redesign, mehr KI und niedrigere Abgaben

19. Mai 2021, 11:22
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An der Google I/O zeigte der Konzern, wohin er mit Android 12, Play-Store-Gebühren und der Suche geht.

Android 12 bringt viele visuelle Änderungen, die die nächste Version des mobilen Betriebssystems ein wenig persönlicher und spielerischer machen. Es sei "das grösste Redesign in der Android-Geschichte", meldet der Konzern zur Beta-Version, die an der Entwicklerkonferenz Google I/O präsentiert wurde.
Beispielsweise können die Farbtöne der Widgets und des Benachrichtigungs-Dropdown-Menüs an das Hintergrundbild angepasst werden. Man wird auch die Farbpalette aller Apps – im Rahmen der vorgegebenen Farbtöne – ändern können.
Viele dieser Änderungen fallen unter eine neue Designsprache, die Google "Material You" nennt. Sie wird im Herbst 2020 vorerst für die hauseigene Hardware und Software eingeführt.
Google kündigt auch unter der Oberfläche Änderungen an, welche sicherstellen sollen, dass an der Benutzeroberfläche diverses ein wenig schneller und effizienter läuft.

Privacy und Security

Künftig sollen Nutzer mehr Möglichkeiten haben, unerwünschtes Verhalten von Apps abzufangen. Einige dieser Ergänzungen ähneln den Funktionen, die bereits in Apples iOS verfügbar sind. Aber es gibt auch andere.
Android 12 soll ein "Privacy-Dashboard" bieten, mit welchem man aktuell und rückwirkend sehen kann, wann Apps auf Kamera, Mik oder Standort zugreifen. Dann könne man diese deaktivieren – die App-Default-Zugriffe werden also nicht "per Design" deaktiviert.
Im Rahmen der erhöhten Transparenz sollen auch Developer dem Konzern künftig zusätzliche Informationen darüber geben, wofür sie den Zugang zu diesem Zeitpunkt verwendet haben.
Ausserdem könne man künftig Fotos in einem passwortgeschützten Ordner abspeichern und Such-Verläufe schneller löschen.
Solange vielenorts Passworte im Einsatz sind, fährt Google denn auch fort, den hauseigenen Passwortmanager zu überarbeiten, obwohl der Konzern laut Eigenangaben eine passwortlose Zukunft avisiert.
Um mehr Apps die Möglichkeit zu geben, lokal Machine Learning einzusetzen, enthält Android 12 eine neue Funktion namens "Private Compute Core". Die Idee dahinter sei es, eine Sandbox zu schaffen, in der KI-Systeme ohne direkten Netzwerkzugriff und völlig getrennt von anderen Betriebssystemfunktionen laufen können. Nur eine bestimmte Gruppe von APIs soll mit dem Private Compute Core interagieren können.
Dies soll es erschweren, dass bösartige Apps erfolgreich eindringen können. Weil "Private Compute Core" Open Source sei, so Google, könne jeder Entwickler das Setup selbständig auf Schwachstellen überprüfen

Suche, SEO und SEM

Als Einnahmequelle bleibt die Suche für Google zentral. Auch hier hat der Konzern investiert. Man sei nun dank KI fähig, komplexere Fragen und Bedürfnisse besser zu verstehen. Dahinter stecke eine neue "Multitask-Unified-Model-Technologie" (MUM), "einen weiteren Meilenstein im Bereich der KI-Entwicklung".
MUM basiere auf der Transformer-Architektur, welche zu den Deep-Learning-Architekturen gehört, sei aber "1000 Mal leistungsfähiger und kann mit seiner Multitasking-Fähigkeit Informationen auf ganz neue Weise erschliessen", jubiliert die Firma. Aktuell könne MUM Informationen über Text und statische Bilder hinweg verarbeiten, künftig sollen auch Video und Ton hinzukommen.
Für SEO und SEM interessant sein dürfte eine neue Funktion namens "About this Result". Diese soll es Usern erlauben, unter den Google-Resultate "die Glaubwürdigkeit von Quellen besser einschätzen zu können". Basis sei, dass künftig Informationen zu einer Website in der Resultatliste angezeigt werden. Die Funktion soll in absehbarer Zeit auch in Deutsch verfügbar werden, ist vorderhand aber noch auf Englisch beschränkt.

Play-Store-Abgaben für Entwickler

Für kleine Entwickler mit niedrigeren Umsätzen senkt Google seine Play-Store-Gebühren von 30 auf 15%. Allerdings erhält man den Rabatt nicht automatisch. Wer diesen beansprucht muss eine Kontogruppe (Account Group) anlegen und dabei neue Bedingungen akzeptieren. Über die Kontengruppe summiert Google alle Umsätze miteinander in enger Verbindung stehender Entwickler beziehungsweise einer Firma. Der Konzern will verhindern, dass die zu niedrigeren Gebühren berechtigende Schwelle – die erste Million US-Dollar Jahresumsatz – mit "unabhängigen" Entwicklerkonten umgangen werden kann.
Die "Account Group" wurde auf den 7. Juni angekündigt. Details finden sich online.

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