Guichet virtuel: Bund gibt nicht auf

22. November 2004, 14:50
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Am Freitag kündete der Kanton Zürich ohne Vorwarnung seine Beteiligung am Guichet virtuel auf. Ist damit der Online-Wegweiser www.ch.ch gefährdet?

Der Kanton Zürich gab am Freitag bekannt, er werde sich nicht mehr weiter am Guichet virtuel beteiligen. Das Guichet virtuel (www.ch.ch) ist ein E-Government-Projekt des Bundes mit dem Ziel, BenützerInnen gezielt an die richtige Amtsstellen in Bund, Kantone und Gemeinden zu leiten. Neben einer redigierten Suchmaschine gibt es gegen 3'000 kurze Texte zu häufig vorkommenden Fragen (z.B. "Arbeiten im Ausland").
In seiner Mitteilung vom Freitag kritisiert der Zürcher Regierungsrat den Bund recht hart. Das Guichet Virtuel habe "ungewöhnlich hohe" Kosten verursacht und habe ein ungünstiges Kosten/Nutzen-Verhältnis. Man müsse bezweifeln, ob Portalkonzepte angesichts des Erfolgs von Suchmaschinen wie Google heute noch bedarfsgerecht seien. Ebenfalls ungewöhnlich: Die Zürcher beschwören in ihrer Mitteilung das Ende des Projekts Guichet virtuel geradezu herauf - man fühlt sich ein bisschen an das SVP-Plakat (Bild, (c)by SVP ZH) vom Zürcher Löwen, der den faulen Bären nicht mehr ziehen mag, erinnert.
Doch das Projekt Guichet Virtuel ist noch lange nicht am Ende. Wie Vizekanzlerin Hanna Muralt-Müller sagt, haben bis heute 17 Kantone ihre Beteilung fest zugesagt. Weitere Zusagen stehen noch aus, sind aber gemäss Muralt-Müller zu erwarten. Gerade kleinere Kantone könnten den Aufwand für eine intelligentes Wegweiser-Portal nicht selbst leisten und hätten Angst, dass der Bund das Projekt nun aufgebe.
Auch Kanton Zürich betreibt Portal
Die Vizekanzlerin lässt die Vorwürfe des Kantons Zürich nicht auf sich sitzen. "Wir haben die Bedingungen, die der Kanton Zürich in der Vernehmlassung stellte, erfüllt. Das Projekt ist auf zwei Jahre befristet, die vom Kanton Zürich gewünschten Themen sind per Ende Jahr auf der Plattform und wir konnten die Hosting-Kosten massiv senken."
Muralt-Müller betont die Vorteile des Guichet Virtuel gegenüber einer Suchmaschine: "Wer Google benützt, muss eine Suchstrategie haben und bekommt trotzdem eine Auswahlsendung. Kein einziges Land arbeitet mit einer Suchmaschine wie Google. Und auch der Kanton Zürich betreibt ein Portal und hat eine eigene Suchmaschine entwickelt."
Man bedauere den Entscheid des Kantons Zürich sehr, so Muralt-Müller, und werde nun die Situation analysieren und einen Weg für die Zukunft finden. Die Vizekanzlerin scheint angesichts des Zuspruchs aus anderen Kantonen recht optimistisch. (Christoph Hugenschmidt)

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