

Gymnasien fehlen IT-Lehrpersonen
4. Juni 2021 um 09:52An den Gymis wird das Schulfach Informatik obligatorisch. Doch noch zu wenig Lehrpersonen absolvieren die entsprechende Ausbildung.
2018 beschloss die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), dass spätestens 2022 Informatik als Schulfach an allen Schweizer Gymnasien obligatorisch wird. Zahlreiche kantonale Bildungsdirektionen haben als Reaktion auf den Entscheid das Fach bereits vor Ablauf der Frist eingeführt. Und auch die Schülerinnen und Schüler wünschen sich mehr IT-Kenntnisse, wie ein Bericht der Zürcher Bildungsdirektion im vergangenen Jahr zeigte.
Mit der Ankündigung des Obligatoriums wurde auch ein neues Ausbildungsangebot für Lehrpersonen lanciert: "Dieses sieht vor, dass neben dem bereits heute an verschiedenen Hochschulen bestehenden regulären Ausbildungsweg zusätzlich eine auf schweizerischer Ebene koordinierte Ausbildung für berufstätige Maturitätsschullehrpersonen aufgebaut wird", hielt die EDK dazu fest.
Die Ausbildung richtet sich an Lehrende, die sich berufsbegleitend für den IT-Unterricht qualifizieren wollen. Daran beteiligt sind mehrere Universitäten und Pädagogische Hochschulen. Koordiniert wird das Angebot von der Universität Freiburg. In der Deutsch- und Westschweiz wird die Ausbildung insgesamt zwei Mal angeboten: Im Frühjahrsemester 2020 begann der erste deutschsprachige Ausbildungsgang, im Herbst folgte der erste französischsprachige. Der zweite Lehrgang für beide Regionen startet im Herbstsemester 2021.
Mathematik- und Geografielehrer helfen aus
Laut einem Bericht von 'SRF' haben bis jetzt aber zu wenig Lehrerinnen und Lehrer diese Zusatzausbildung absolviert. Dies zeige das Beispiel des Kantons Bern, der das obligatorische Fach Informatik bereits 2019 an allen Gymnasien eingeführt hat. Geeignete Lehrpersonen zu finden, sei "schwierig", erklärte Matthias Küng, Rektor am Gymnasium Neufeld in Bern, gegenüber 'SRF'.
"Neben der fachlichen Ausbildung ist auch die didaktische wichtig", sagte Küng. Ausserdem erschwere die Konkurrenz mit der Privatwirtschaft die Suche. "Die Löhne für gut ausgebildete Informatikpersonen sind in der Privatwirtschaft meist höher."
Am Gymnasium Neufeld stelle man deshalb Personen ein, die nicht über die nötigen Ausbildungen verfügen. Dies seien zum Beispiel Geografielehrerinnen oder Mathematiklehrer. Das seien aber befristete Engagements, so Rektor Küng, und man würde diesen Lehrpersonen nahegelegen, die nötigen Ausbildungen zu absolvieren.
Chance für potenzielle Quereinsteiger?
Niklaus Schatzmann, Leiter des Mittelschul- und Berufsbildungsamtes des Kantons Zürich, hatte 2018 gegenüber der 'NZZ' erklärt, man benötige zukünftig "mindestens 60 Personen", die an Zürcher Gymnasien Informatik unterrichten werden. Schweizweit würden es an die 300 neue Lehrerstellen sein, die bis zur landesweiten Einführung des Obligatoriums geschaffen werden müssten.
Dies könne auch eine Chance für Quereinsteiger aus der IT-Branche sein. "Diese müssten natürlich noch die entsprechende pädagogische Ausbildung nachholen, bevor sie unterrichten dürfen", so Schatzmann. Der Kanton Zürich unterstützt Personen, die sich entsprechend weiterbilden wollen. Auch informatikbegeisterte Lehrerinnen und Lehrer aus "entfernteren Fachschaften" sollten für die Zusatzausbildung motiviert werden.
Doch zumindest in Bern ist die Suche nach solchen IT-Lehrpersonen nach wie vor eine "Herausforderung", sagte Mario Battaglia von der kantonalen Bildungsdirektion gegenüber 'SRF'. Das Problem werde sich sogar noch akzentuieren, befürchtet er.
Loading
In Basel-Stadt hapert es mit der Digitalisierung
Die Geschäftsprüfungskommission fordert, dass der Regierungsrat die Öffentlichkeit regelmässig über die Fortschritte in der Digitalisierung informiert.
Kanton Bern beschliesst Pflicht für E-Umzug
Die Gemeinden im Kanton müssen Umzugsmeldungen künftig auch digital anbieten. Der Grosse Rat hat die Revision eines entsprechenden Gesetzes beschlossen.
Aus HSL Informatik wird Sl.one
Seit April ist Leuchter Informatik an HSL beteiligt. Das Rebranding soll die neuen Besitzverhältnisse betonen.
PWC: Ransomware als grösste Gefahr für Schweizer Unternehmen
Schweizer Firmen sehen Cyberangriffe als die grösste Gefahr für ihre IT-Sicherheit. Für mehr Transparenz und Offenheit sind aber nicht alle zu begeistern.