Händler beissen in den sauren Apple

19. Juli 2005, 13:35
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Ein Apple-Store in Zürich: Reaktionen von Apple-Partnern.

Ein Apple-Store in Zürich: Reaktionen von Apple-Partnern.
Im Frühjahr 2001 eröffnete der kalifornische Computerhersteller Apple seinen ersten eigenen Apple-Store in McLean, Virginia (USA). Seitdem sind weitere hundert solcher Läden weltweit entstanden. Die meisten in den USA, drei in Grossbritannien, drei in Japan und einer in Kanada. Nun soll der erste Apple-Laden in der Schweiz folgen, wie wir bereits berichtet haben. In den nächsten drei Monaten sollen insgesamt zehn neue Filialen ausserhalb der USA entstehen. Für Schweizer Händler, die bisher in der Schweiz die einzigen autorisierten Wiederverkäufer waren, bedeutet dies, dass der Ernährer noch mehr als bisher zum Konkurrenten wird.
Schon die Konkurrenz durch Apples Online-Store hatte die Wiederverkäufer zum Handeln bewogen. Viele haben mittlerweile einen eigenen Online-Shop im Angebot, um so auch die Online-Käufer angeln zu können. So auch die Deutschschweizer Letec AG. Der Kunde kann in sieben Filialen einkaufen gehen oder online bestellen. Jedoch reicht ein Online-Shop nicht aus, um im Apple-Umfeld zu überleben, wie es scheint. Um der Abhängigkeit von "Knebelverträgen" mit Apple zu entgehen, hat sich Letec längst entschieden, auch Wintel-Produkte anzubieten. Unter den Schweizer IT-Händlern wahrlich eine Seltenheit.
Sich gegenüber Wintel öffnen
Wie der Geschäftsleiter von Letec, Cäsar Heer, gegenüber inside-channels.ch erläutert, gehört Letec nicht zu den Händlern, die "an das Gute glauben". "Wir fahren seit einigen Jahren eine Dual-Strategie und haben Windows- sowie Mac-Plattformen im Angebot." So wappnen sich also Händler gegen die von Apple propagierte "Multi-Channel-Strategie". Für das Unternehmen mit dem angebissenen Apfel dürfte es sich lohnen, eigene Stores zu eröffnen. Seine Beschwichtigungspolitik bezüglich der Channel-Strategie bewirkt jedoch zumindest bei Letec seit längerer Zeit "nur noch ein müdes Lächeln."
Heer glaubt, dass viele Apple-Händler dem Beispiel folgen werden und sich für Wintel-Produkte öffnen werden. Er schätzt, dass in der Umgebung wo der Store in Zürich eröffnet wird, "die Händler logischerweise mit Umsatzeinbussen von über 50 Prozent rechnen werden müssen." Dies zeigten Beispiele aus den USA.
Auf Service aufbauen
Hans Rambousek, Geschäftsleiter der Basler Ingenodata, hat eine andere Strategie auf Lager. Er glaubt, dass Apple auf die Dienstleistungen der autorisierten Wiederverkäufer angewiesen ist. Ohne diese könne Apple nicht existieren. Deshalb würden Servicecenter, wie die Ingenodata eins ist, stets freundlich behandelt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Apple in Zürich einen Store eröffnen will. Diese Ankündigung war für Rambousek, wie auch für andere Händler, keine Überraschung. Einzig, dass es bereits nächstes Jahr soweit sein soll, passt keinem so richtig. "Wir dachten, dass es noch drei bis vier Jahre dauern würde", sagt Rambousek. Man hätte jedoch blind sein müssen, um dies nicht zu bemerken. "Alle Anzeichen waren schon seit zwei, drei Jahren da."
Die meisten Händler lebten von Apple, wenige hätten auch andere Hersteller im Sortiment. Da könne man – was die jetzt entstehende Preiskonkurrenz durch Apple selber angeht – null und nichts machen. Auch Ingenodata bietet Produkte von anderen Herstellern an. Seit zwei Jahren verkauft Ingenodata zum Beispiel Multimedia-Produkte von Sony. Seit "einiger Zeit" wurden auch Wintel-Rechner von Sony in das Sortiment genommen.
Die Zuversichtlichen
Dieter Böhmer, der Filialleiter des "Computer TakeAway" an der Weinbergstrasse in Zürich, findet es auch nicht "so toll", dass jetzt Apple in Zürich einen Store eröffnen will. Er denkt aber nicht, dass "wir eingehen werden". Der Studenten-Laden "Computer TakeAway" wurde am 1. August vor zwei Jahren von der Dataquest übernommen, die selber vier Filialen in der Deutschschweiz hat.
Weniger oder gar nicht betroffen von Apples Plänen scheint die in Sursee domizilierte "A&F Computersysteme" zu sein. Weil A&F hauptsächlich die Druckvorstufe-Industrie beliefert, sehe man keinen Anlass zur Besorgnis.
Schweizer Apple-Händler scheinen vieles in der Hand zu haben, um dem bedrohlichen Markteintritt von Apple in die Schweiz zu trotzen. Sei es das Angebot breiter zu gestalten, sich mehr auf Service zu konzentrieren oder Grosskunden zu beliefern; es stehen viele Möglichkeiten offen. Man muss sie nur nutzen können. (Maurizio Minetti)

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