Happige Vorwürfe gegen Microsoft Schweiz

12. Januar 2010, 12:54
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Sind zwei Entlassungen eine meldepflichte Massenentlassung?

Sind zwei Entlassungen eine meldepflichte Massenentlassung?
Die SonntagsZeitung berichtete vorgestern in einem recht gross aufgemachten Bericht von Entlassungen bei Microsoft Schweiz und kolportierte Mobbing-Vorwürfe gegen den lokalen Chef des US-Software-Riesen, Peter Waser.
Microsoft Schweiz habe in den letzten Monaten "rund 30 Mitarbeitenden" gekündigt, so die Zeitung und Mitarbeitende hegten "den Verdacht, dass Microsoft mit über Monaten gestaffelten Entlassungen die Meldepflicht beim Arbeitsamt umgehen wollte."
Tatsächlich hat Microsoft Schweiz vergangenes Frühjahr vier Mitarbeitende aus wirtschaftlichen Gründen entlassen (wir berichteten exklusiv). Diesen Herbst mussten noch einmal fünf Mitarbeitende aus wirtschaftlichen Gründen gehen. Zudem wurden gemäss Microsoft-Sprecherin Barbara Josef "etwas über 10" Mitarbeitende wegen ungenügenden Leistungen oder aus organisatorischen Gründen gefeuert - ein in US-Software-Unternehmen nicht völlig unbekannter Vorgang.
Zusammen wären dies dann maximal gut 20 Entlassungen. Microsoft Schweiz beschäftigte am 1. Januar 2010 456 Mitarbeitende und wäre damit
ab der Entlassung von mindestens 30 Mitarbeitenden gesetzlich meldepflichtig. Selbst wenn man Microsoft unterstellt, Leute mit vorgeschobenen Gründen, die in Wirklichkeit wirtschaftliche waren, zu entlassen, unterstünden die Walliseller damit noch keineswegs der Meldepflicht wegen Massenentlassungen. Von den 456 "Softies" in der Schweiz arbeiten nur ungefähr 300 für Microsoft Schweiz, der Rest in internationalen Funktionen tätig. Von den 300 "Schweizer" Microsoft-Angestellten wurden gemäss Josef "nur" zwei aus wirtschaftlichen Gründen entlassen - die Meldepflicht wurde also so gerechnet noch weit deutlicher unterschritten .
So viele Stellen baute Microsoft wirklich ab
Insgesamt hatte Microsoft nach eigenen Angaben in der Schweiz am 1. Januar 2009 476 Angestellte und keine offenen Stellen. Nun - ein Jahr später - sind es 456 Mitarbeitende und es gibt acht offene Stellen. Unter dem Strich wurden damit 12 Stellen abgebaut - aus welchen Gründen auch immer.
Das ist angesichts des immer noch sehr guten Geschäftsgangs von Microsoft weltweit (3,6 Milliarden Dollar Gewinn bei 12,9 Milliarden Dollar Umsatz im letzten Quartal) zwar nicht grad das typische Verhalten eines "typisch schweizerischen Unternehmens", wie sich Microsoft selbst zu bezeichnen pflegt, aber für einen börsenkotierten US-Multi schlicht "business as usual". (Christoph Hugenschmidt)

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