Happy Birthday Agile Manifest: 20 Jahre Freude und Ärgernis

12. Februar 2021, 10:48
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Im Februar 2001 erblickte das Agile Manifest das Licht der Welt. Schon damals wiesen seine Eltern darauf hin, worauf man bei der Methode achten müsste.

Vor 20 Jahren, im Februar 2001, traf sich die "Agile Alliance" für ein Wochenende zum Skifahren und Entspannen in den Bergen Utahs – und um eine gemeinsame Basis zu finden, wie man sich von dokumentationsgetriebenen, schwerfälligen Entwicklungsprozessen lösen könnte, wie es in einem Beitrag von Manifest-Mitautor Jim Highsmith heisst. Heraus kam das Agile Manifest, das von allen 17 Teilnehmenden unterzeichnet wurde und mittlerweile in über 60 Sprachen vorliegt.
Einzige Sorge der Unterzeichnenden war, dass US-Amerikaner das Wort "agile" nicht aussprechen könnten, wie der Brite Martin Fowler befürchtete. Erst stand die Idee im Raum, dass man die Methode "leicht" nennen könne. Dem widersprach aber Alistair Cockburn: "Ich habe nichts dagegen, dass die Methodologie als 'leichtgewichtig' bezeichnet wird, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich als Leichtgewicht bezeichnet werden möchte, das an einem Treffen von Anhängern einer Leichtgewicht-Methodologie teilnimmt. Das klingt irgendwie nach einem Haufen dünner, schwachsinniger Leichtgewichte, die versuchen, sich zu erinnern, welcher Tag heute ist."
Von den inside-it.ch-Lesern wurde "Agile" kurz vor dem 20. Geburtstag des Manifests zum Unwort des Jahres gewählt. Die Beleidigung "schwachsinnige Leichtgewichte" fiel zwar nicht, aber das Urteil war überaus harsch: "Überbewertet, für jeden Quatsch aufgeführt, eine Ausrede für eine nicht existente Definition und ein Freipass zum Chaos", hiess es . Über die Hälfte der Leser von inside-it.ch teilten zumindest die Einschätzung, dass der Begriff das sprachliche Ärgernis des Jahres 2020 sei.
Schon 2001 hatte sich Manifest-Co-Autor Jim Highsmith gegen die Beliebigkeit ausgesprochen: "Die agile Bewegung ist nicht gegen Methodologie, tatsächlich wollen viele von uns dem Wort Methodologie wieder Glaubwürdigkeit verleihen." Und weiter schrieb er in seinem Beitrag: "Wir begrüssen Dokumentation, aber nicht Hunderte von Seiten nie gepflegter und selten genutzter Wälzer."
Für inside-it.ch haben Schweizer Experten 20 Jahre später erklärt, was schiefläuft und was zu tun wäre, um Agile populärer zu machen. Ein Fazit lautet: Wer beim Einsatz von Agile-Methoden nicht aufpasst und nachdenkt, kann so ziemlich alles falsch machen, was man falsch machen kann. Aber das ist auch beim klassischen "Wasserfall" so.

Die Prinzipien aus dem Manifest lauten:


  • Unsere höchste Priorität ist es, den Kunden durch frühe und kontinuierliche Auslieferung wertvoller Software zufrieden zu stellen.
  • Heisse Anforderungsänderungen selbst spät in der Entwicklung willkommen. Agile Prozesse nutzen Veränderungen zum Wettbewerbsvorteil des Kunden.
  • Liefere funktionierende Software regelmässig innerhalb weniger Wochen oder Monate und bevorzuge dabei die kürzere Zeitspanne.
  • Fachexperten und Entwickler müssen während des Projektes täglich zusammenarbeiten.
  • Errichte Projekte rund um motivierte Individuen. Gib ihnen das Umfeld und die Unterstützung, die sie benötigen und vertraue darauf, dass sie die Aufgabe erledigen.
  • Die effizienteste und effektivste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu übermitteln, ist im Gespräch von Angesicht zu Angesicht.
  • Funktionierende Software ist das wichtigste Fortschrittsmass.
  • Agile Prozesse fördern nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten ein gleichmässiges Tempo auf unbegrenzte Zeit halten können. 
  • Ständiges Augenmerk auf technische Exzellenz und gutes Design fördert Agilität.
  • Einfachheit – die Kunst, die Menge nicht getaner Arbeit zu maximieren – ist essenziell.
  • Die besten Architekturen, Anforderungen und Entwürfe entstehen durch selbstorganisierte Teams.
  • In regelmässigen Abständen reflektiert das Team, wie es effektiver werden kann und passt sein Verhalten entsprechend an.

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