"Harakiri"-Chip zerstört sich auf Befehl selbst

8. Oktober 2015, 15:19
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Hartglas-Explosion soll Zugang zu sensiblen Daten verhindern.

Hartglas-Explosion, die aus der Ferne ausgelöst werden kann, soll den Zugang zu sensiblen Daten verhindern.
Forscher des Xerox Palo Alto Research Center (PARC) haben einen neuartigen Computerchip präsentiert, der sich auf Befehl binnen weniger Sekunden selbst zerstört. Ziel der "Harakiri"-Strategie ist es, Unbefugten gänzlich die Möglichkeit zu nehmen, sich Zugang zu besonders sensiblen Daten zu verschaffen. Der im Rahmen eines Projekts des Pentagon-Forschungsarms DARPA entwickelte Chip realisiert seine Zerstörung mithilfe eines speziellen Hartglases, das bei Erhitzung in tausende kleine Stücke explodiert.
Aus der Ferne Ausführbar
"Sie können Ihr Handy in kochendes Wasser oder auf den Boden werfen oder versuchen, seinen Speicher zu löschen, indem Sie eine starke Stromladung hindurch schicken", zitiert 'LiveScience' den PARC-Manager Gregory Whiting. All diese "low tech"-Möglichkeiten hätten aber ein Problem: Sie können nicht aus der Ferne ausgeführt werden. "Außerdem ist es schwierig sicherzustellen, dass wirklich alle Informationen von einem elektronischen Gerät gelöscht werden", ergänzt Whiting. Oft würden schon wenige Bits ausreichen, um einen Speicher wiederherzustellen.
Mit dem neuen Ansatz sei es nun gelungen, gleich beide Probleme auf einmal zu lösen. Der Chip liesse sich aus der Ferne steuern. Um die Selbstzerstörung einzuleiten, könne so gut wie alles von WLAN-Signalen bis hin zu Radiowellen verwendet werden. Dabei sei auch die Sicherheit wesentlich höher. "Das Hartglas, das wir einsetzen, zersplittert auf Kommando in so kleine Teile, das nicht nur die Daten gelöscht werden, sondern auch die einzelnen Bits neu angeordnet oder überhaupt völlig zerstört werden.
Hitzeschock lässt Glas zerbersten
Interessant ist, dass sich dem Experten zufolge jeder handelsübliche Computerchip in ein derartiges "Harakiri"-Bauteil verwandeln lässt. Hierfür wird einfach eine Siliziumscheibe direkt auf dem Hartglas angebracht. Dieses oft auch als Sicherheitsglas bezeichnete Material ist besonders widerstandsfähig und wird deshalb etwa auch bei Smartphones verbaut. "Wenn man ein Stück davon abbricht, zerspringt es explosionsartig in viele winzige Teile", erklärt der PARC-Experte.
Genau das machen sich die Wissenschaftler zunutze. Sie setzen die Methode des sogenannten Ionenaustausches ein, um das Glas an einer bestimmten Stelle gezielt zu erhitzen. "Das erzeugt eine enorme Spannung im Material. Aufgrund des Hitzeschocks bildet sich eine Fraktur, die immer größer wird und letztlich das Glas zerbersten lässt", erläutert Whiting die Vorgehensweise. Ein Video gibt es hier. (pte/kjo).

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