Harsche Kritik am neuen VMware-Lizenzmodell

13. Juli 2011, 10:00
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Die Virtualisierer von VMware stellen mit vSphere 5 ihre neue Cloud-Suite vor und machen auch die Lizenzen wolkiger - zum Entsetzen der Nutzer.

Die Virtualisierer von VMware stellen mit vSphere 5 ihre neue Cloud-Suite vor und machen auch die Lizenzen wolkiger - zum Entsetzen der Nutzer.
"Das ist ein grandioser Tag für VMware", freut sich Steve Herrod, CTO von VMware. Der Virtualisierungsspezialist mit Sitz in Palo Alto hat gestern mit vSphere 5 eine neue Software-Suite für sichere, effiziente und "enterprise-ready" Clouds vorgestellt.
32 virtuelle CPUs
Die Suite beinhaltet fünf Teile: vSphere 5 als Basis der Cloud, vCenter Site Recovery Manager 5, vShield 5, vCloud Director 1.5 und das neue vSphere Storage Appliance 1.0. Dazu kommt vCenter Operations, das bereits im März vorgestellt wurde. In Verbindung mit vSphere 5 ermöglichen diese Produkte einen Cloud-skalierbaren Betrieb und erhöhten den Wert, den Kunden aus virtualisierten Ressourcen ziehen würden, so das Unternehmen in einer Mitteilung.
vSphere 5 unterstützt virtuelle Maschinen, die bis zu viermal leistungsfähiger seien als bisherige und die bis zu 1 Terabyte Hauptspeicher sowie 32 virtuelle CPUs besitzen. Diese virtuellen Maschinen werden mehr als eine Million I/O-Operationen pro Sekunden ausführen können, was die Anforderungen auch von anspruchsvollen Applikationen wie beispielsweise SAP-Datenbanken deutlich übersteigen soll.
Wolkige Lizenzierung
Mit der Einführung von VMware vSphere 5 entwickle VMware auch sein Lizenzmodell weiter, um einen Cloud-gerechteren Ansatz zu ermöglichen, der sich auf Ressourcenverbrauch und Nutzung beziehe anstelle auf physikalische Komponenten und Kapazitäten, so das Unternehmen.
Zwar werde vSphere 5 weiterhin pro Prozessor (CPU) lizenziert, jedoch beseitige VMware die bisherigen Restriktionen hinsichtlich Prozessorkernen und physikalischem Speicher pro Server. Ersetzt werden sie durch ein einziges, virtualisierungsbasiertes Nutzungsrecht von Pooled Virtual Memory oder vRAM. Pooled vRAM ist die Gesamtmenge von Hauptspeicher, der allen virtuellen Maschinen in der Umgebung des Kunden zur Verfügung steht. Jede vSphere 5 CPU Lizenz erlaube es dem Käufer, eine bestimmte Menge vRAM zu nutzen und frei in der gesamten Umgebung zu verteilen.
So unterliege der Kunde keinen Einschränkungen, wie er den Hauptspeicher zwischen virtuellen Maschinen verteile, ob er sich beispielsweise entscheidet, viele kleine oder nur eine grosse virtuelle Maschine aufzusetzen.
Konsternierte Kunden
Die ersten Reaktionen von Kunden in der VMware-Community reflektieren allerdings weniger diese offizielle Begeisterung denn Konsternation: "Ich versuche immer noch meinen Mund zuzukriegen, VMware zockt die Kunden völlig ab. Was bisher mit zwei CPU-Lizenzen möglich war, braucht neu vier Lizenzen. Unglaublich." So würde eine virtuelle Maschine mit dem offiziell abgefeierten 1-Terabyte-Speicher nach 22 Lizenzen verlangen. Ein anderer Eintrag lautet: "Vor dem Wechsel haben wir jährlich 100'000 bis 160'000 US-Dollar pro Blade-System bezahlt bei 100 Prozent Wachstumsrate. Jetzt müssten wir zwischen 140'000 und 224'000 Dollar zahlen."
Ein Kunde überlegt sich gar den Absprung zur Konkurrenz: "Ich kann mir gut vorstellen, dass wir noch ein Jahr lang mit dem Release 4.1 [von vSphere, Anm. Red.] fahren und dann zu Xen oder Microsoft wechseln, sobald die Firmen verstanden haben, dass VMware entschieden hat, seine Kundenbasis abzutöten." (pk)

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