Hat die Schweiz eine Cybercrime-Strategie?

16. Oktober 2012, 14:49
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Internetkriminalität hat 2011 die Schweiz 950 Millionen Franken gekostet. Gestern informierten Experten des Europainstituts der Uni Zürich zum Thema "Tatort Internet". Der Anlass war nicht unumstritten.

Internetkriminalität hat 2011 die Schweiz 950 Millionen Franken gekostet. Gestern informierten Experten des Europainstituts der Uni Zürich zum Thema "Tatort Internet". Der Anlass war nicht unumstritten.
Laut Interpol hat Internetkriminalität im vergangenen Jahr einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund 750 Milliarden Euro ausgemacht. Eine Studie von Symantec besagt, dass der Schaden in der Schweiz bei rund 950 Millionen Franken liegt.
Das Europainstitut der Uni Zürich veranstaltete gestern an der Uni Zürich einen Anlass zum Thema "Tatort Internet". Der 'Tages-Anzeiger' schreibt unter Berufung auf Zürichs Oberstaatsanwalt Andreas Brunner, dass der Kanton Zürich wegen zunehmender Bedrohung durch Internetkriminalität, seinen "Ermittlungsapparat" aufstocken will. So sollen bis 2015 vier Staatsanwälte, 20 Polizeibeamte und 12 Informatikspezialisten im Kompetenzzentrum Cyberkriminalität bekämpfen. Bis jetzt hat der Regierungsrat sieben Stellen bewilligt, dazu kämen noch zwei Mitarbeitende der Stadtpolizei.
Gibt es eine Strategie oder nicht?
Brunner fordert eine zentrale Bundesstelle, die die Ermittlungen in diesem Bereich operativ leitet und bündelt. Alexander Seger, Leiter der Abteilung Datenschutz und Computerkriminalität des Europarats, fordert eine verbesserte, grenzübergreifende Zusammenarbeit der Behörden. Max Klaus von der Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI beklagt den Personalmangel seiner Behörde. Minimum weitere 7,5 Stellenprozent brauche es, um der Herausforderung gerecht zu werden, schreibt der 'Tagi'.
Besonders im Bereich illegale Datenbeschaffung habe sich die Zahl der Fälle innert einem Jahr schweizweit vervierfacht, heisst es im Artikel. Der Bundesrat hat Ende Juni eine nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyberkriminalität beschlossen, die auf Eigenverantwortung plädiert. So sei es Sache jedes Unternehmens und jeder Einzelperson, sich durch Sicherung der eigenen IT-Systeme zu schützen.
Die Meinungen gehen auseinander
Der gestrige Anlass sorgte zumindest bei Fredy Künzler für Kopfschütteln: In einem Blogeintrag beleuchtet Fredy Künzler, Strategiechef des Providers Init7 und Politiker, seine Auffassung des gestrigen Anlasses an der Uni Zürich. Seger habe kritisiert: "Die Provider tun überhaupt nichts" und Brunner habe sich ahnungslos gezeigt: "Ich habe von der Sache keine Ahnung", zudem sei erschreckend gewesen, dass auch die Besucher relativ ahnungslos waren.
Künzler ist der Ansicht, dass es keine Strategie gegen Internetkriminalität gibt: "Eine Bekämpfungsstrategie für Cybercrime, also Titel und Anspruch der Veranstaltung, ist sozusagen nicht existent", schreibt er im Blog. Weiter schreibt er, dass das Klagen über zu wenig Personal in den Behörden (MELANI und KOBIK) und über den Kantönligeist, der "wegen den unterschiedlichen Strafgesetzen eine effiziente Bekämpfung von grenzüberschreitender Internetkriminalität verhindern würde", keine Strategie sondern eher ein Armutszeugnis sei.
Die Experten hätten keine Ahnung, wie mit der Situation umzugehen sei. Daneben sei es nicht so, dass Provider nichts tun, "Provider sind überaus kooperativ, wenn es um das Aufspüren der 'bösen Buben' im Netz geht, die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich kann dies zumindest im Fall von Init7 und Layer One bestätigen", so Künzler. Alles in allem sei die Veranstaltung gut gemeint gewesen, aber "alles andere als gut gewesen". (hal)

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