Hat Salt Vertriebspartner in den Ruin getrieben?

28. Juni 2016, 15:21
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Zwei Ostschweizer Firmen, Mobilcom Swiss und Adarna, die für Salt früher Geschäftskunden akquiriert haben, gehen juristisch gegen den Mobilfunkanbieter vor.

Zwei Ostschweizer Firmen, Mobilcom Swiss und Adarna, die für Salt früher Geschäftskunden akquiriert haben, gehen juristisch gegen den Mobilfunkanbieter vor. Das schreibt die 'Sonntagszeitung' (SZ). Demnach haben die Firmen vor dem Zürcher Handelsgericht von Salt vertraglich zugesicherte Provisionen und Umsatzbeteiligungen gefordert, die ihr einstiger Geschäftspartner nicht bezahlt haben soll. Ausserdem machen die Kläger geltend, dass sie ihre Agenturtätigkeit wegen vertragswidrigen Verhaltens von Salt einstellen mussten.
Weil Provisionen in Millionenhöhe nicht bezahlt wurden, habe Mobilcom Swiss 42 Mitarbeiter entlassen und inzwischen die Firma in Konkurs schicken müssen. Bei Adarna seien im vergangenen Dezember alle 16 Mitarbeiter fristlos und ohne Lohnfortzahlung entlassen worden, so die 'SZ' weiter. In dem Prozess macht Adarna offene Forderungen von über 2,6 Millionen Franken geltend und Mobilcom Swiss verklagt den Mobilfunkanbieter sogar auf 8,5 Millionen Franken.
Bei Adarna wirft man Salt ausserdem sein Vorgehen im Gerichtsverfahren vor. So habe Salt eine hohe Parteienentschädigung im Falle eines Sieges vor Gericht verlangt, wohl nicht zuletzt um die kleinere Firmen mit drohenden hohen Kosten vom Prozess abzubringen. Allerdings habe das Zürcher Handelsgericht diesen Antrag abgelehnt.
Der Hintergrund ist, dass die einstige Orange nach dem Verkauf an den französischen Konzern NJJ Capital von Xavier Niel nicht nur den Namen zu Salt sondern auch die Strategie wechselte und verstärkt auf den direkten Kundenkontakt setze, wie Salt dem Blatt bestätigte.
Auf der Strecke blieben dabei laut 'SZ' auch langjährige Vertriebspartner, denen gekündigt wurde. Offene Rechnungen seien nicht mehr bezahlt worden, obwohl dort während der dreimonatigen Kündigungsfrist noch gearbeitet worden sei. Bekanntlich rumorte es unter dem neuen Besitzer auch intern, so verliess nach dem Rebrandig das halbe Management Salt.
Salt bestreitet den Vorwurf des vertragswidrigen Verhaltens. Man habe sich überall an den Vertrag und das geltende Agenturrecht gehalten, wird betont. Beim Fokus auf den Direktvertrieb sei auf ausgewählte Partner wie beispielsweise die Post gestzt worden.
Unsere eigene Anfrage zur Klage und den Vorwürfen gegen Salt blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. (vri)

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