Haufenweise herausgeschmissenes Geld für IP-Telefone?

17. August 2006, 15:48
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Unternehmen kaufen sinnlos viel zu teure IP-Telefone, glauben die Marktforscher von Gartner.

Unternehmen kaufen sinnlos viel zu teure IP-Telefone, glauben die Marktforscher von Gartner.
An dieser Analyse des renommierten Marktforschungsinstituts Gartner dürften die Hersteller von IP-Telefonen und weiterer VoIP-Hardware wenig Freude haben - Findet sie bei den Unternehmenskunden Gehör, könnte ihnen viel Umsatz verloren gehen.
Wenn Unternehmen weiter so einkaufen wie bisher, so glaubt nämlich Gartner, werden sie bis 2010 weltweit mehr als 20 Milliarden Dollar unnötigerweise für ihre VoIP-Hardware ausgeben. In der Region EMEA für sich gesehen, schätzt Gartner, werden etwa 5 Milliarden Dollar zuviel ausgeben.
Die Anschaffungen, mahnt Gartner, würde meist zu wenig durchdacht. Bob Hafner, Vice President bei Gartner: "Viele Unternehmen ersetzen ihre alten Telefonsysteme mit schicken, mit Bildschirmen ausgerüsteten IP-Telefonen sowie IP-Telefonzentralen und anderer Hardware. Die meisten User aber benutzen ihre neuen Apparate genau gleich wie die alten Apparate. Ausgenützt werden nur ganz wenige der neuen Möglichkeiten, zum Beispiel die bequeme Auflistung von verpassten Anrufen oder der Start eines Anrufes aus einem internen Nummernverzeichnis."
Und pikanterweise, so Hafner weiter, würde die meisten Unternehmen die schicken Bildtelefone gleich neben den PCs platzieren – deren Bildschirme grösser sind und eine bessere Auflösung bieten.
Wo ein PC steht, tuts auch ein billiges Telefon, findet Gartner
Die bessere Alternative, so rät Gartner, wäre für die meisten Unternehmen die Anschaffung von Low-end IP-Telefonen ohne Bildschirm, die direkt an den PC angeschlossen werden. Das bei den Telefonen gesparte Geld sollte dann in sogenannte "Unified Communications"-Lösungen investiert werden. Diese ermöglichen neue Funktionen wie die Integration der Telefonie mit anderen Kommunikationswegen (E-Mail, Instant Messaging, Videotelefonie usw.), Konferenzschaltungen, vom Anrufer abrufbare Präsenzinformationen, Umleitung auf Mobiltelefone und vieles mehr.
Insgesamt würde die Kombination eines billigen IP-Telefons mit solchen Applikationen etwa gleich viel kosten, wie ein IP-Telefon mit Bildschirm, so Gartner, aber dem User zu wesentlich mehr neuer Produktivität verhelfen.
Ähnliche Funktionen und produktive Möglichkeiten könne man zwar auch mit Bildschirmtelefonen bieten, dann aber meist unter viel höheren Kosten. Immerhin gesteht Gartner auch diesen aufwendigeren Geräten eine Marktnische zu: Ihre Anschaffung könnte sich für Unternehmen lohnen, wo typischerweise keine PCs an den Arbeitsplätzen stehen, zum Beispiel herstellende Betriebe, Spitäler, Restaurants, Retailer usw. (Hans Jörg Maron)

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