Hiag Data macht nächsten Schritt zum Marktaustritt

8. Januar 2020, 13:05
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Der Immobilienkonzern hat für seine gescheiterte Cloud-Tochter zwei verblüffende Partner gefunden. Ein Hiag-Sprecher beantwortet Fragen dazu.

Hiag hatte mit grosser Kelle angerichtet, um sich im Cloud-Geschäft mit Hiag Data zu etablieren. Nach dem Abbruch des Vorhabens meldet das Unternehmen, man habe nun eine Lösung für die Kunden und die eigene IT-Infrastruktur gefunden.
Man werde die IT-Infrastruktur künftig gemeinsam mit der Tessiner Tarchini Gruppe und der Zuger Beelastic betreiben und vermarkten heisst es in der Mitteilung.
"Wir versuchen, die Netzwerk-Infrastruktur zu monetarisieren und das ist die erste Konkretisierung nach der Ankündigung letzten September", sagt Laurent Spindler, CFO von Hiag auf Anfrage. Das Unternehmen werde nun rückwirkend per 1.1.2020 die Verträge abschliessen.
Hiag hat im August klar gemacht, dass man sich aus dem Cloud-Geschäft verabschieden will und warum. Die nun präsentierte Lösung involviert aber keinen der grossen Namen in der Cloud-Branche, sondern zwei wenig bekannte Player. Hat Hiag das Naheliegende versucht, nämlich alles einem grossen Anbieter zu verkaufen, aber keinen valablen Kandidaten gefunden? "Dazu kann ich nichts sagen, wir haben verschiedene Optionen verfolgt und uns für diese entschieden", so Spindler.
Beelastic, spezialisiert auf IT-Infrastruktur werde die Netzwerkinfrastruktur und die Netzwerkkunden von Hiag Data übernehmen. "Die Zusammenarbeit wird nach Übertragung der Netzlieferantenverträge im ersten Quartal 2020 aufgenommen", schreibt Hiag.
Die ebenfalls nicht breit bekannte Tarchini-Gruppe ist eigentlich ebenfalls ein Immobilien-Spezialist wie Hiag auch. Sie sei bereits im RZ-Business tätig, seit 2014 betreibt sie im Tessin das RZ Bancadati mit laut Website 2600 Quadratmeter Grösse.
Sind mit dieser neuen Hiag-Meldung personelle Konsequenzen verbunden? "Wir haben die bestehende Struktur, um die bestehende Kunden zu bedienen und um die Monetarisierung der Assets durchzuführen, behalten", so Spindler.

"Können nicht verkauft werden"

Zur vorhandenen Infrastruktur gehören wegen der initial hohen Erwartungen die auf ProLiant-Servern aufbauende Cloud mit 12'500 SSDs, wie wir beim Launch-Event berichteten. Will oder kann Hiag diese nicht verkaufen, weil sie geleast sind oder es keinen passenden Occasions-Markt gibt? "Gewisse Assets wie die Server sind geleast und können nicht verkauft werden, aber sollen in einem Vermietungsmodell monetarisiert werden. Bei anderen Assets ist aufgrund der vertraglichen Situation auch ein Vermietungsmodell die beste Option", erklärt der Hiag-CFO.
Damit ist auch die Möglichkeit des "Ausschlachtens" durch Verkauf von Einzelkomponenten wohl vom Tisch. "Die vereinbarte Zusammenarbeit mit der Tarchini Gruppe und Beelastic stellt einen wichtigen Schritt dar im Rahmen des Massnahmenprogramms zur Senkung der bis maximal 2028 weiterlaufenden Betriebskosten", heisst es in der Mitteilung.
Bei den Netzwerk-Verpflichtungen geht es vermutlich auch um einen zehn Jahre laufenden Vertrag mit der SBB. Stimmt das? "Wie bereits im September kommuniziert, werden wir keine weiteren Investitionen mehr tätigen und die Kosten reduzieren", antwortet Spindler. "Die Phase eins ist nun mit den Vereinbarungen abgeschlossen. Nun folgt Phase zwei, die Monetarisierung der Assets, die noch in der Hiag-Bilanz stehen, aber von Dritten vermarktet werden. Wir werden keine weiteren Investitionen mehr tätigen und die Kosten reduzieren", sagt Spindler.
Aktuell bietet Hiag Data auf der Corporate Website nur noch eine Kontaktmöglichkeit. Das Vorhaben, bei welchem Investitionen, Prognosen und Marktpotential offensichtlich sehr weit auseinander lagen, nimmt ein schleichendes Ende. Spindler sagt:"Unser Marktausstieg wird planmässig weitergeführt."

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