Hintergründe zum Verkauf von Trade Up

16. August 2005 um 10:52
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Wäre die Schweiz in der EU, hätte Softline nicht verkauft.

Wäre die Schweiz in der EU, hätte Softline nicht verkauft.
Letzten Freitag wurde bekannt, dass der Ebikoner Software-Distributor Trade Up verkauft wird. Die Besitzerin, die deutsche Softline AG, hat den Schweizer Disti zwar aus der Verlustzone geholt, konnte ihn aber nach eigenen Aussagen nicht vollständig in die Gruppe integrieren. Gegenüber inside-channels.ch erläutert Softline-Chef Dr. Lars Schneider die Gründe, die zum Verkauf geführt haben.
EU vs. Schweiz
Offensichtlich sind die theoretisch "offenen Grenzen" mit der EU in der Praxis doch nicht so gut umgesetzt worden, wie von vielen Politikern gewünscht. Schneider spricht die länderspezifischen Zollbestimmungen an, die den täglichen Arbeitsablauf gestört hätten. Von Deutschland aus liesse sich beispielsweise mit Frankreich und Grossbritannien viel effektiver zusammenarbeiten als mit dem südlichen Nachbarn.
Der Schweizer Disti ging einen eigenen Weg, was die Administration, den Einkauf, den Versand und die Lagerhaltung angeht. Dieser könne aber nur begrenzt in die Abläufe des deutschen Systemhauses integriert werden. Für ein Handelsunternehmen mit täglich hohem Versandaufwand und zahlreichen Anlieferungen aus dem Ausland sei auch die alternative Währung störend.
Dass die Schweiz (noch) nicht der EU beigetreten ist, ist laut Schneider schlussendlich der einzige Grund, warum sich Softline aus der Schweiz zurückzieht.
Nicht reuig
Angesichts der gescheiterten Schweiz-Pläne von Softline stellt sich natürlich die Frage, ob die Übernahme von Trade Up im Herbst 2000 rückblickend als Fehlinvestition zu betrachten ist. Schneider winkt ab: "Im Ergebnis sind wir mit unserer Investition in der Schweiz vollauf zufrieden." Die Trade Up habe sich in den Anfangsjahren positiv entwickelt und habe dementsprechend einen wesentlichen Beitrag zur Gruppe beigetragen. So konnte auch die Marktposition in Deutschland und Frankreich gestärkt werden.
Erst das ehemalige Management habe zu weniger erfolgreichen Jahren geführt. Als es danach zum Wechsel an der Spitze von Trade Up kam, wurden "erhebliche Unzulänglichkeiten" aufgedeckt. Überhaupt sei der Ausstieg des ehemaligen Managements nicht reibungslos verlaufen. Das neue Team habe aber durch persönliches Engagement und fachkundiges Know-how das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht. Dies führte zum Turnaround im vergangenen Semester.
Verkaufswert: Mitarbeiterteam
Schneider lässt sich nicht entlocken, wer Trade Up übernehmen wird. Der Verkauf soll aber noch im August vollzogen sein, sofern "alle noch offenen Diskussionspunkte ausgeräumt werden können." Beim Käufer handle es sich um einen renommierten Schweizer IT-Spezialisten, "der sein Produktportfolio mit unseren Angeboten ergänzen möchte." Man habe mit dem Käufer Stillschweigen vereinbart. Der Verkauf findet gegen Barzahlung statt.
Zumindest bis nach der Übernahme soll der neue Besitzer keine Angestellten entlassen. Schneider habe sich dafür persönlich eingesetzt. Er glaubt an das Team, das "harmonisch und mit enormem persönlichen Engagement die Herausforderung des Tagesgeschäftes und die vielen Kundenwünsche meistert." Dem Team sei die Auferstehung von Trade Up im vergangenen Semester zu verdanken. Die Mitarbeitenden seien der eigentliche Wert des Unternehmens. (Maurizio Minetti)

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