Hochpreisinsel hier, Tiefpreisparadies da

9. Juli 2008, 14:10
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Mobil telefonieren ist in der Schweiz teuer wie sonst nirgends. Anders sieht es beim Festnetz aus.

Mobil telefonieren ist in der Schweiz teuer wie sonst nirgends. Anders sieht es beim Festnetz aus.
Die Schweiz ist in Sachen Mobilfunk noch immer eine Hochpreisinsel. Wer hierzulande mit dem Handy telefoniert, bezahlt über die Hälfte mehr als in den Ländern der EU. Im Durchschnitt aller Anbieter lagen die Kosten bei mittlerem Nutzungsbedarf in der EU letztes Jahr bei knapp 23 Euro monatlich. Der Wert für die Schweiz liegt bei 37 Euro, wie das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) heute im Rahmen einer Übersicht zum Schweizer Telekommunikationsmarkt bekannt gegeben hat. Im Vergleich zum Vorjahr 2006 hat sich das Schweizer Preisniveau nur unbedeutend nach unten bewegt. Nichts desto trotz telefonieren die Schweizerinnen und Schweizer gern am Handy. Erstmals wurde 2007 die 100-Prozent-Hürde bei der Marktdurchdringung überwunden. Es sind mehr SIM-Karten und Abos im Umlauf, als die Schweiz Einwohner hat.
Auch die Terminierungspreise sind zwar rückläufig, aber immer noch rund ein Drittel höher als in der EU. Terminierungspreise sind die Gebühren, die Anbieter für Anrufe in Netze anderer Betreiber erheben. Die EU plane, die Interkonnektionsgebühren mittelfristig massiv zu senken, und die Schweiz wolle mitziehen, hiess es beim BAKOM.
Beim Festnetz top
Ganz anders sieht es beim Festnetz aus. Ein dreiminütiges Inlandgespräch kostete 2007 bei den Ex-Monopolisten in den EU-Ländern durchschnittlich knapp 26 Euro-Cents. Bei der Swisscom bezahlt man für die selbe Dienstleistung seit 2002 konstant 18,2 Euro-Cents. Am konkurrenzfähigsten ist der Schweizer Telekommunikationsmarkt bei den Tarifen für Auslandgespräche, die für Privatkunden in der EU zweieinhalb Mal so hoch sind. Geschäftskunden zahlen rund das Doppelte. Die Gebühr für den Anschluss ans Festnetz bei den historischen Anbietern hat sich in den letzten Jahren im EU-Durchschnitt stetig erhöht und liegt nun knapp unter dem Schweizer Preis, der seit längerem konstant ist.
Breitband verbreitet
Der Versorgungsgrad der Schweiz mit Breitband-Internet kommt im europäischen Vergleich mit über 30 Prozent an fünfter Stelle zu liegen. Verbreiteter sind die Datenhighways nur noch in Skandinavien und Holland. Im Wettbewerb der Technologien verliert das Kabelnetz in der Schweiz an Boden: Der Prozentanteil der Anschlüsse, die nicht über DSL laufen, hat sich seit 2005 um 5 Prozent verringert. Die Neulinge unter den Schweizer DSL-Anbietern haben in den letzen zwei Jahren 8 Prozent Marktanteil verloren, was wiederum die Swisscom stärkt. In der EU konnten sich die alternativen Breitband-Betreiber um 5 Prozent steigern. Hier hofft man beim BAKOM auf die Wirkung der Entbündelung. Noch immer ist in der Schweiz eine vergleichsweise geringe Zahl von Leitungen vollständig entbündelt. Anfang Mai 2008 waren es knapp 2700. 204 von rund 1400 entbündelungsfähigen Zentralen waren bis dahin zur Mitbenützung an alternative Anbieter übergeben worden. Doch auch nachdem Swisscom die Mietpreise für die entbündelten Leitungen gesenkt hat, bezahlen andere Anbieter mit monatlich 23.50 Franken noch immer einiges mehr als ihre Pendants in fast allen EU-Ländern. (Amir Ali)

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