Hochstapelei entscheidet Machtkampf um Yahoo

14. Mai 2012, 09:42
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    Nur wie eine Randnotiz taucht in der offiziellen Verlautbarung von Yahoo von gestern auf, dass Scott Thompson sein Amt als Yahoo-Chef niedergelegt hat und nicht mehr im Unternehmen ist.

    Nur wie eine Randnotiz taucht in der offiziellen Verlautbarung von Yahoo von gestern auf, dass Scott Thompson sein Amt als Yahoo-Chef niedergelegt hat und nicht mehr im Unternehmen ist. Nach nur vier Monaten im Amt hat sein falsch geführter Titel als Informatiker ihn zu Fall gebracht.
    Dass er nie einen Bachelor in Computerwissenschaften besass, will Thompson selbst nicht gewusst haben. Aufgedeckt hat es Grossaktionär Daniel Loeb vom Hedgefonds Third Point, nachdem ihm mehrmals der Einzug in den Verwaltungsrat verwehrt worden war. Das Ziel hat er nun über den Sturz Thompsons erreicht. Loeb, beziehungsweise Third Point über Vertraute, erhält nun gleich drei Sitze in dem höchsten Gremium des Unternehmens.
    Anders als sonst üblich, hat man in der Verlautbarung keine warmen Abschiedsworte oder Wünsche für die weitere berufliche Zukunft für Thompson übrig gehabt. Zu tief sitzt offenbar die Schmach, dass der neue Hoffnungsträger nach dem Rausschmiss von Carol Bartz im September 2011 mit seinem frisierten Lebenslauf so enttäuscht hat. Dabei hat ihn vergangene Woche noch ein weiterer Schicksalsschlag ereilt, denn man Schilddrüsenkrebs bei ihm festgestellt. Und darüber hat er laut Aussage von Angehörigen auch gleich den Verwaltungsrat und verschiedene Mitarbeiter informiert, wie das 'Wall Street Journal' heute berichtet. Das Verdikt der Ärzte soll mit dazu beigetragen haben, dass der 54-Jährige sein Amt niedergelegt hat.
    Aber selbst das hat wohl den Yahoo-Verwaltungsrat nicht bewegen können, Thompson einen wärmeren Abschied zu bereiten. Dabei war der ehemalige Ebay-Manager in seiner viermonatigen Amtszeit als neuer Yahoo-Chef keineswegs tatenlos. So hat er dem Internetpionier einen eisernen Sparkurs verordnet und es auch geschafft, das unter starken Konkurrenzdruck geratene Werbegeschäft wieder anzukurbeln.
    Für Loeb und seinen Hedgefonds, der 5,8 Prozent der Yahoo-Aktien hält, könnte sich die Aufnahme in den Verwaltungsrat mehr als lohnen. Denn seit geraumer Zeit drängen verschiedene Aktionäre darauf, die milliardenschweren Anteile der chinesischen Internetfirma Alibaba und Yahoo Japan zu Geld zu machen. "Wir werden mit der neuen Führung zusammenarbeiten, um Yahoos beträchtliches Potenzial und Wert zu heben", erklärte das neue Verwaltungsratsmitglied auch prompt. (kh)

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