Holprige SAP-Einführung bei Maagtechnic

3. September 2008 um 13:40
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Unerwartete Liefer- und Kapazitätsengpässe im Konzernbereich "Technische Komponenten" von Dätwyler unter anderem wegen der verzögerten Einführung von SAP ERP 6.0. Doch die Ablösung einer veralteten Host-Lösung ist letztlich doch ein Erfolg.

Unerwartete Liefer- und Kapazitätsengpässe im Konzernbereich "Technische Komponenten" von Dätwyler unter anderem wegen der verzögerten Einführung von SAP ERP 6.0. Doch die Ablösung einer veralteten Host-Lösung ist letztlich doch ein Erfolg.
Der Urner Mischkonzern Dätwyler hat am vergangenen Freitag die Zahlen des ersten Halbjahres bekannt gegeben. Im Konzernbereich "Technische Komponenten" habe die operative Entwicklung nicht mit den bedeutenden strategischen Fortschritten mitgehalten, heisst es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Nettoumsatz stieg zwar um 10,7 Prozent auf 279,7 Millionen Franken. Der Betriebsgewinn sank aber um 8,2 Prozent auf 25,6 Millionen Franken, was auf den Geschäftsbereich Fachhandel, der als Maagtechnic auftritt, zurückzuführen sei.
Unerwartete Probleme
Bei Maagtechnic standen mit der Einführung eines neuen ERP-Systems - SAP ERP 6.0, wie inside-it.ch weiss - und der Verlagerung des Kunststoffzentrums von Basel nach Frankreich zwei wichtige strategische Projekte in der Umsetzungsphase. Wie Dätwyler schreibt, führten Probleme in der Projektabwicklung zu "unerwarteten Liefer- und Kapazitätsengpässen". Trotz steigender Nachfrage stagnierte daher der realisierte Umsatz. Zudem hätten die Umzugs- und Migrationsarbeiten sowie die Etablierung der neuen Prozesse und Strukturen zu deutlich höheren einmaligen Mehrkosten geführt. "Als Folge halbierte sich im ersten Halbjahr 2008 der Gewinnbeitrag der traditionell ertragsstarken Maagtechnic", so das börsenkotierte Unternehmen.
Die Probleme seien erkannt und entsprechende Korrekturmassnahmen befänden sich in Umsetzung. "Dätwyler ist überzeugt, dass Maagtechnic bis zum Jahresende wieder zur alten Ertragsstärke zurückfinden wird. Mit dem neuen, gruppenweiten ERP-System (gemeint ist die Maagtechnic-Gruppe) und dem zentralen Kunststoffzentrum in Frankreich verfügt das Unternehmen über eine starke operative Basis mit wettbewerbsfähiger Kostenstruktur für die weitere Expansion", heisst es in der Mitteilung.
Nichts Ungewöhnliches
Dätwyler-Mediensprecher und -CFO Silvio A. Magagna wollte nicht auf die problematische Einführung von SAP eingehen. Solche Probleme träten auch bei vielen anderen Unternehmen auf, so Magagna gegenüber inside-it.ch.
Hansruedi Kuster, Marketing Director von SAP Schweiz, erklärt die Hintergründe: "Es wurde hier ein sehr anspruchsvolles Projekt realisiert, das die Maagtechnic in der zukünftigen, wachstumsorientierten Geschäftsentwicklung sehr gut unterstützen wird." Das Projekt habe Anfang 2007 begonnen und hatte das Ziel, ein ERP in Deutschland im Oktober 2007 und eine Implementation in Dübendorf im Februar 2008 in Betrieb zu nehmen. Aus "verschiedenen Gründen" dauerte die Implementierung laut Kuster rund zwei bis drei Monate länger, sodass man in Deutschland erst Ende 2007 und in Dübendorf Anfang Mai mit der neuen Software arbeiten konnte.
Mit der Einführung von SAP ERP 6.0 sei eine individuelle Inhouse-Entwicklung basierend auf einer MVS-Host-Lösung abgelöst worden. Die Ablösung dieser doch ziemlich veralteten Software innerhalb eines Jahres sei sicher "keine schlechte Leistung". Zudem müsse man beachten, dass der Gewinnrückgang bei Maagtechnic nicht ausschliesslich auf die Einführung des neuen ERP-Systems zurückzuführen sei, da das Unternehmen auch andere Projekte zu bewältigen hatte. (Maurizio Minetti)

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